2.500 Einsätze täglich: So war das Rotkreuz-Jahr 2025 in NÖ

Die alternde Bevölkerung, der medizinische sowie digitale Fortschritt und der Personalmangel machen Veränderungen im niederösterreichischen Gesundheitssystem unumgänglich – Veränderungen, die auch das Rote Kreuz betreffen. Am Mittwochvormittag zog die Rettungsorganisation zum Jahr 2025 Bilanz und gab weitere Auskunft zum Stand der geplanten Umstrukturierungen in der Notfallversorgung. Mit durchschnittlich mehr als 2.500 Einsätzen pro Tag bleiben Rettungs- und Notfalleinsätze auf einem konstant hohen Niveau. Die Krankentransporte haben sich laut dem Roten Kreuz wieder an die Zahlen vor der Pandemie angepasst. Größere Katastrophen fanden 2025 nicht statt. Nach dem vom Hochwasser geprägten „Ausnahmejahr“ 2024 sei das Rettungswesen damit zur Normalität zurückgekehrt, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Positive Entwicklungen gebe es im Bereich Ehrenamt . Die Anzahl der Freiwilligen, die sich etwa im Rettungsdienst, beim Jugendrotkreuz, oder im Team Österreich engagieren, ist leicht gestiegen: Über 19.000 Personen sind in ihrer Freizeit im Roten Kreuz aktiv – ein Plus von 2,4 Prozent. Insgesamt wurden knapp 2,4 Millionen Stunden gemeinnützige Arbeit geleistet, so der niederösterreichische Rot-Kreuz-Präsident Hans Ebner. Notfälle werden neu strukturiert Ein brennendes Thema bleibt die Notfallversorgung . Wie die Landesregierung bereits im Sommer 2025 angekündigt hat, sollen ab dem kommenden Jahr 11 von derzeit 32 Notarztstützpunkten abgebaut werden. Geplant ist, die Reduktion durch Notfallsanitärinnen und Notfallsanitäter mit höheren Befugnissen auszugleichen. Die Möglichkeit, zusätzliche Fähigkeiten in einem stufenartigen Lehrgangssystem zu erwerben, gibt es laut Landesrettungskommandant Wolfgang Frühwirt zwar bereits seit 2002. In den vergangenen drei bis vier Jahren seien diese jedoch stärker forciert worden, da der Notarztmangel höhere Expertise seitens der Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter zunehmend notwendiger mache. Beim Thema Abbau von Notarztstützpunkten wird häufig auf die Zusatzkompetenz "Venenzugang und Infusion" verwiesen. Über 1.500 Personen beim Roten Kreuz haben diese Qualifikation. Ausgebildete erhalten die Grundvoraussetzung, um Infusionen und Medikamente intravenös verabreichen zu dürfen. Welche Arzneimittel das konkret sind, variiert je nach Bundesland und wird von der jeweiligen ärztlichen Leitung des Rettungsdienstes festgelegt. Die Möglichkeiten würden demnach stark von den jeweiligen Behandlungsleitlinien abhängen. Ausbildung reevaluieren In Niederösterreich sei man dank eines breiten Portfolios an freigegebenen Medikamenten laut Frühwirt "sehr weit". Unter anderem können medizinische Notfälle – wie Krampfanfälle, allergische Schocks oder Blutdruckkrisen – mittlerweile von einem Notfallsanitäter beziehungsweise einer Notfallsanitäterin mit entsprechender Kompetenz anhand einer Leitlinie behandelt werden. In einer weiteren Stufe kann ein Telenotarzt oder eine Telenotärztin hinzugezogen werden, um nach einer Begutachtung etwa zusätzliche Medikamente freizugeben. Im Bereich Telemedizin führte das Rote Kreuz Niederösterreich im Jänner 2026 erstmals Basisausbildungen in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer durch. Ein Angebot, das von 27 Notärztinnen und Notärzten in mehreren Bundesländern in Anspruch genommen worden sei. Monatlich werden rund 300 Einsätze über das Telenotarztsystem verzeichnet. Einer der Hauptkritikpunkte an der Umstrukturierung des Rettungswesens betrifft die Ausbildung. Diese sei, verglichen mit anderen Ländern, zu kurz. Rund 260 Stunden braucht es, um Rettungssanitäterin oder Rettungssanitäter zu werden. Für die Notfallkompetenzen kommen noch einmal mindestens 480 Stunden Theorie und Praxis hinzu. Die niederösterreichische Landesregierung hat sich bereits für eine Intensivierung der Ausbildung ausgesprochen. Die Initiative sei von der Fachhochschule St. Pölten ausgegangen, so Gesundheitslandesrätin Eva Prischl (SPÖ). Die Bildungseinrichtung hätte ebenfalls Interesse daran, die Ausbildung künftig anzubieten. Das Land befinde sich bereits im politischen Austausch. Gespräche mit der für das Thema Gesundheit zuständigen Ministerin Korinna Schumann (SPÖ) sowie Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) hätten bereits stattgefunden, da Änderungen im Sanitätergesetz Bundesangelegenheit sind.