Reisen ist immer eine Entscheidung: Traumstrand oder Entdeckungsabenteuer? Dabei kann man oft beides vereinen, etwa wenn man an die Safari ein paar Badetage hängt oder den Urlaub am Meer mit ein paar Tagen Roadtrip ins Hinterland garniert. Oder, ganz konkret: die Lemuren, Baobabs und das uns so fremde Leben des Hochlands auf Madagaskar mit dem Postkarten-Traumidyll der Seychellen . Diese beiden Insel-Destinationen trennen zwar über zwei Flugstunden und der Indische Ozean – aber der verbindet sie auch. Wie eine neue Flugverbindung der Emirates: Auf dem Weg über Dubai nach Madagaskar landet man auf den Seychellen zwischen – die perfekte Möglichkeit, auf dem Entdeckungstrip die Traumdestination mitzunehmen. Einlassen muss man sich auf beides: Hier auf das exotische Afrika in seiner Armut und Herzlichkeit. Dort auf das Idyll mit all dem Luxus, der aber auf den Seychellen im Gegensatz zu den Atoll-Ressorts der Malediven viel abwechslungsreicher ist. Affenbrotbaum und seltene Primaten Wer das erste Mal Madagaskar besucht, will sich vor allem auf Baobabs und Lemuren einlassen. Die Affenbrotbäume und die besonderen Primaten sind Aushängeschilder der viertgrößten Insel der Welt, die mit 587.000 Quadratkilometern als „achter Kontinent“ gilt: Nachdem sich Madagaskar vor 150 Millionen Jahren von Afrika gelöst hat, entwickelte sich eine weitgehend unabhängige „endemische“ Fauna und Flora. 80 Prozent der Pflanzen- und 90 Prozent der Tierarten kommen sonst nirgends auf der Welt vor, zum Beispiel Lemuren. Von denen gibt es unglaubliche hundert Arten, die unterschiedlicher nicht sein können – von den Sifakas (bekannt aus dem Animationsfilm „Madagascar“) bis zu den kinderhandgroßen Mausmakis mit den großen Augen. Sie alle leben nur auf Madagaskar – wie gut die Hälfte der weltweit etwa 180 Chamäleon-Arten. Denen begegnen Adleraugen zwar auch in freier Wildbahn, aber perfekt sieht man sie in der Reptilienfarm von Marozevo. Von den Baobas gibt es zwar nur acht Arten weltweit, aber sechs davon ebenfalls nur auf Madagaskar. Hier sollen sie vor 21 Millionen Jahren entstanden sein, die bis zu dreißig Meter hohen dicken Bäume mit der Baumkrone, die an Wurzeln erinnert. Den Madegassen gilt er als „Baum des Lebens“, jeder einzelne kann in der Regenzeit bis zu 130.000 Liter Wasser speichern und tausend Jahre alt werden. Spiegelbild Baobab Den Touristen ist vor allem die berühmte Baobab-Allee auf der Westseite der Insel heilig, wie eine Messe feiern sie den Sonnenuntergang hinter den Bäumen, die sich im See spiegeln. Auf 260 Meter reihen sich in der Allee dreißig Baobabs mit bis zu drei Meter Durchmesser. Ein unglaubliches Fotomotiv und ein majestätischer Moment – wenn man sich darauf einlässt. Andere Riesen Der Selfie-Moment auf den Seychellen heißt Anse Source d’Argent. Zwar gibt es auf der Insel-Republik viele namhafte Strände (die alle Anse heißen, was eigentlich Bucht bedeutet), aber der Source d’Argent ist das Highlight mit seinen Granitblöcken, Film-Set-Storys, Cocktail-Ständen, dem kitschigen Wasser und Menschen, die hier eine Hochzeitszeremonie inszenieren … es gibt viel zu sehen. Apropos Inseln: Die Seychellen umfassen 115 davon, die teils tagelange Schiffsreisen auseinander liegen, zu den Inner Islands gehören 32, von denen der geneigte Tourist zumindest 3 gesehen haben will: Mahé mit der Hauptstadt Victoria, Praslin und La Digue – wo sich der d’Argent befindet. Die Lemuren der Seychellen sind die Riesenschildkröten, die es einst überall im Indischen Ozean gab. Am einfachsten erlebt man sie per Tagesausflug: Die Insel Moyenne im maritimen St.-Anne-Nationalpark bietet neben den Schildkröten-Riesen, Gräbern erster Inselbewohner und einem angeblichen Piratenschatz auch einen tollen Insel-Rundweg (eine Stunde). Dabei unbedingt den Abstecher zum Clamshell Rock machen, einem Felsenthron als Aussichtspunkt. Moyenne liegt nur eine Bootsstunde von Victoria entfernt. Auf Madagaskar sind die Distanzen größer – von der Baobab-Allee braucht man zur Hauptstadt per Auto zwei Tage. In denen man dem Land aber bedeutend näher kommt: Wenn im weiten Hochland ein Hirte seine Rinderherde weitertreibt und andere in Flüssen nach Gold schürfen; wenn die einen Wasserkanister und Kohlesäcke kilometerweit auf einem klapprigen Rad transportieren und Kindergruppen nach Schulschluss feixend den weiten Heimweg bewältigen. Im Hochland leben die Menschen in größter Einfachheit, auf Dorf-Märkten liegen Waren auf dem Boden oder in einfachen Buden ausgebreitet, wer sich wirklich einlässt, kostet hier das omnipräsente Koba (sprich: kuba), eine Masse aus Reismehl, Rohrzucker, Erdnüssen und Bananen, die in Blätter gewickelt im Lehmofen gebacken wird und wie ein Kraftriegel schmeckt. Im Dauer-Paradies Seychellen (im Ernst: selten hält ein Ort seinem Klischee so sehr stand) muss man punkto Landschaft die Insel Praslin besuchen: Das UNESCO Weltnaturerbe „Vallée de Mai“ ist zwar vor allem für den Kitsch um die Coco de Mer bekannt (größte Nuss der Welt, bis 45 Kilo schwer, sieht aus wie ein schön geformter Popsch usw.), aber beim Spaziergang durch den dschungeligen Wald kann man sich wirklich auf die typische Natur einlassen. Ebenso auf der Nachbarinsel La Digue: Wer sich dort nicht ein Rad mietet und die Insel (fast) umfährt, mit Badestopps an einsamen Sandstücken, hat die Seychellen nicht verstanden. Hier wie dort braucht man zum Verständnis die Hauptstadt. Victoria auf den Seychellen ist die kleinste der Welt, Antananarivo nennen die Madegassen liebevoll „Tana“. In der Drei-Millionen-Hauptstadt auf 1.400 Meter Seehöhe bekommt man neben kühlerem Klima und Kolonialbauten den besten Einblick in die Insel-Geschichte um Herrscher Andrianampoinimerina („König im Herz des Volksstammes Merina“), aber auch die holprigen Zeiten seit der Unabhängigkeit 1960. Aber um sich auf die politischen und ethnischen Finessen Madagaskars einzulassen, muss man wahrscheinlich noch einmal kommen. Beim ersten Mal versinkt man hier wie oft in Afrika in der Buntheit des Alltags und dem glühenden roten Licht. Oder eben dort auf der anderen Insel im kitschigen türkisen Meer.