Zuwachs aus dem hohen Norden: Warum Island in Pole Position für den EU-Beitritt ist

Es war einer jener derben Scherze, mit denen Trump und seine Gesinnungsgenossen gerne ein bisschen Unruhe in die Weltpolitik bringen. Wenn, Island endlich der 52. Staat der USA sei, freue er sich schon auf den Posten des Gouverneurs meinte der ehemalige US-Kongressabgeordnete Billy Long vor ein paar Tagen. Der ist zwar gerade erst zum US-Botschafter für die Insel nominiert worden, wollte seinem Präsidenten aber offensichtlich um nichts nachstehen – mit möglicherweise schwerwiegenden Konsequenzen. Denn einerseits geht seither in Island eine Unterschriftenliste um, die das Außenministerium in Reykjavík auffordert, die Angelobung des Amerikaners abzulehnen, zweitens besinnt sich Islands Regierung gerade wieder eines ohnehin schon länger betriebenen Projekts: Dem Beitritt zur EU. Der ist zwar ohnehin seit einigen Jahren in Planung, soll aber jetzt beschleunigt werden. Eine Volksabstimmung über einen EU-Beitritt, eigentlich erst für das kommende Jahr geplant, soll jetzt schon in diesem Sommer stattfinden. Schon 2009 an EU-Beitritt gedacht Das erste Mal hatte Island einen EU-Beitritt schon 2009 ins Auge gefasst. Die Insel war aufgrund waghalsiger Spekulationen einer Bank nur knapp an einem Bankrott vorbeigeschrammt. Als man das Budget wieder unter Kontrolle hatte, wurde der Beitritt wieder auf die lange Bank geschoben. Vor allem die ständigen Streitereien um Fischfang-Reviere in der Nordsee mit Großbritannien – damals noch EU-Mitglied – ließen die Regierung in Reykjavík auf Distanz gehen. Die aktuelle Regierung aber hat den EU-Beitritt ohnehin schon länger als politisches Ziel genannt. Jetzt, unter dem Eindruck von Trumps imperialen Fantasien will man das Ganze noch beschleunigen. Auch in Brüssel steht man einem Beitritt positiv gegenüber. „Für Island ist die EU ein Garant für einen verlässlichen Partner gegen die Angriffsfantasien und Zoll-Drohungen Trumps“, meint etwa der für Gespräche mit Island verantwortliche EU-Abgeordnete Andreas Schieder. Sein ÖVP-Gegenüber Lukas Mandl begrüßt, „dass die isländischen Pläne jetzt konkret werden sollen.“ Vortritt für Island? Für Marta Kos, EU-Kommissarin für Erweiterung, ergibt das allerdings ein Problem: Kann man Island den Vortritt lassen, während Länder wie Montenegro oder Albanien, die eifrig am Beitritt arbeiten, auf der Warteliste bleiben? In der EU-Kommission wird deshalb bereits ein gemeinsamer Beitritt der drei überlegt. Ein Beitritt des wohlhabenden Island mit seinen gerade einmal 400.000 Bewohnern könnte eine solche Erweiterung jedenfalls auch für die EU-Bürger akzeptabler machen. In Kos’ Büro in der EU-Kommission steht Island schon auf der Liste der Beitrittskandidaten – und das mit den Fischen, beruhigen erfahrene Beobachter, das ließe sich sicher einvernehmlich lösen. In einem Jahr, so schätzt man, wären die Beitrittsverhandlungen erfolgreich abgehakt.