Stellen Sie sich vor, Sie haben weder Geld noch Job, müssen eine vierköpfige Familie durchbringen und plötzlich bietet Ihnen jemand zehn Millionen an. Dafür müssten Sie lediglich den Kopf hinhalten. Nicht sprichwörtlich, sondern leibhaftig unter die Guillotine. Helmut Qualtinger und Carl Merz haben sich diese Geschichte ausgedacht und daraus 1963 die Satire "Die Hinrichtung“ gefertigt. Qualtinger selbst hat diese auf Platte aufgenommen und spricht darauf alle Rollen selbst. Im Fernsehfilm 1966 verkörperte er den Scharfrichter Engel. Anna Luca Krassnigg zeigt das Stück nun bei ihrem Festival "Wortwiege“ in Wiener Neustadt unter dem Titel „Das Volksfest“ . Das ist sehr verdienstvoll und mutig. Denn der Text hält nicht ganz, was die Namen der Autoren versprechen. Als es noch Single-Schallplatten gab, wäre dieses Stück die B-Seite vom über die Zeiten faszinierenden Hit, dem Monolog „Der Herr Karl“, gewesen. Keine leichte Aufgabe also für Regisseurin Ira Süssenbach. Sie laviert in ihrer Inszenierung zwischen Kabarett-Versuch und einer Art von dämonischem Kasperltheater, aber ohne Kasperl. Gespielt wird auf einem schrägen Holzboden mit Klappen (Bühne: Andreas Lungenschmid), wo die Figuren auftauchen und verschwinden. Das Gewölbe der Kasematten, einer mittelalterlichen Wehranlage, ist an sich schon Teil der Bühne. Dort haust der arbeitslose Reindl mit seiner Familie, bis ihn der Boss für sein Vorhaben gewinnt, sich öffentlich hinrichten zu lassen. Alle im Ensemble agieren sehr ambitioniert. Lukas Haas zeigt, wie Reindl aus seinem Phlegmatiker-Dasein erwacht und bereit ist, bis ans Äußerste zu gehen. Am Ende verblüfft er mit seinem Schlussmonolog. Isabella Wolf tritt als Boss wie Mephisto auf. Ida Golda assistiert als Horak. Bedauerlicherweise ist diese sonst ausdrucksstarke Schauspielerin wie eine Kopie von Roland-Düringer in „MA 2412“ verkleidet, die auch noch in einem undefinierbaren Dialekt sprechen muss. Martin Schwanda hat als Scharfrichter Engel einige packende Momente. Ole Jens Schmieder ergänzt in mehreren Rollen. Wirklich überzeugt Saskia Klar als Reindls Frau und als dessen Geliebte Inge. Das Premierenpublikum sparte nicht mit Applaus.