Von Jasmin Sharma In Österreich leben laut dem österreichischen Schwerhörigenbund aktuell rund 1,75 Millionen Menschen mit Einschränkungen des Hörsinns . Diese Zahl wird laut Prognosen noch weiter steigen. Mehr Menschen mit Hörproblemen bedeutet auch das der Hörakustikmarkt wachsen wird. Das zeigt jetzt schon im Umsatzplus des Hörakustikunternehmens Neuroth für 2025. Mit einem Wachstum von 19 Prozent konnte die Neuroth-Gruppe ihren Umsatz auf 212 Millionen Euro steigern. Der stärkste Markt der Gruppe bleibt nach wie vor Österreich mit einem Anteil von 58 Prozent des Umsatzes. Neben der Schweiz hat Neuroth auch in Südosteuropa Standorte. Zwischen Mai und Juni soll in Belgrad zudem der zweite Produktions- und Logistikstandort neben Lebring in der Steiermark eröffnen. Von dort aus sollen die nicht-EU-Länder beliefert werden. An den ca. 300 Standorten beschäftigt Neuroth 1.550 Mitarbeiter. Das Umsatzwachstum dürfte sich auch in den nächsten Jahren fortsetzten. Grund dafür ist die „Babyboomer“-Generation , also all jene Personen, die zwischen 1956 und 1969 geboren sind. „Die Babyboomer kommen jetzt in die Phase, wo Hörgeräte für sie wichtig werden“, sagt Lukas Schinko, CEO der Neuroth-Gruppe . Insgesamt versorgte das Unternehmen rund sechs Prozent mehr Menschen mit Hörgeräten als im Jahr zuvor. Laut Prognosen sollen bis 2050 bis zu 2,5 Millionen Menschen in Österreich an Hörproblemen leiden. Gehörschutz boomt In den Umsatzzahlen zeigt sich auch ein Plus bei präventivem Gehörschutz. Acht Prozent Wachstum wurden hier bei der Neuroth-Gruppe vermerkt. Heruntergebrochen auf die einzelnen Produkte zeigten sich besonders Erfolge beim individuellen Gehörschutz für das Schlafen . Gehörschutzlösungen werden auch in anderen Bereichen wichtiger. Zum Beispiel im Alltag in der U-Bahn-Fahrt oder für das Großraumbüro. „Die Welt wird immer lauter“, sagt Schinko, der in dritter Generation das Familienunternehmen führt. Der Gehörschutz soll wirken, als würde die Lautstärke einer Stereoanlage um eine Vierteldrehung leiser gedreht werden. Hörgerät als Investition Trotz der positiven Zahlen spricht die Gruppe von einem „nicht einfachen Umfeld“, so Schinko. Eine veränderte Konsumlaune und ein höherer Personalaufwand sorgten für Herausforderungen im Vorjahr. „Ein Hörgerät ist eine Investition, die auf den ersten Blick nicht lebensnotwendig wirkt“, sagt der Neuroth-Chef. Vom Einsteigermodell, das die Krankenkasse zahlt, bis zum Spitzengerät für 6.000 Euro (zwei Hörgeräte) variieren die Preise. Teurere Lösungen können sich auch per Bluetooth mit dem Handy verbinden. So kann Musik gehört oder Telefonate geführt werden. Diese Geräte gehen aber auch mit einer gewissen digitalen Kompetenz einher. Deshalb soll mit der zweiwöchigen Probezeit neben möglichem Anpassungsbedarf auch getestet werden, ob die Kunden sich mit dem Hörgerät zurechtfinden. Auch nicht jeder brauche ein solches Top-Gerät. „Der 60-jährige Geschäftsmann hat andere Anforderungen als ein Rentner“, führt Schinko aus. Inzwischen werden auch Gehörlösungen mit KI-Technologie angeboten. Die KI soll helfen, das Geräuschumfeld zu erkennen und damit das Hörgerät an die jeweilige Situation anzupassen. Höheres Demenzrisiko Im Schnitt vergehen 8,9 Jahre, bis Betroffene nach ersten Anzeichen von Hörminderung nach einer Unterstützung suchen. „Hörprobleme führen dazu, dass wir uns sozial zurückziehen“, sagt der Neuroth-CEO. Es brauche laut ihm noch mehr Bewusstsein, auch im Hinblick auf das erhöhte Demenzrisiko bei unbehandeltem Hörverlust.