Adelsexperte: Andrew-Affäre könnte Konsequenzen für Williams Tochter Charlotte haben

Von allen Ämtern, Titeln und Ehrungen entkleidet, verbrachte Andrew Mountbatten-Windsor seinen 66. Geburtstag in der vergangenen Woche auf einer Polizeiwache, während die Ermittler mehrere Anwesen durchsuchten. Der Grund: Andrews Beziehungen zum verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein . Seine vorübergehende Festnahme wegen des Verdachts von Fehlverhalten in offizieller Funktion am Donnerstag ist der vorläufige Tiefpunkt eines langen Absturzes im öffentlichen Ansehen. Die Angelegenheit werfe "fundamentale Fragen für die Institution der Monarchie auf", sagt der Verfassungsexperte und Royal-Kenner Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway. Andrew, zweitältester Sohn der verstorbenen Queen Elizabeth II. , war bis zur Geburt von Prinz William Zweiter in der britischen Thronfolge. Die Rolle des "Spare", der royalen Reserve für den Fall, dass der oder die Erstgeborene ausfällt, ist keine unproblematische, wie Prescott im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur betont. Adelsexperte: Zweitgeborene im Palast anfällig für Krisen Schon die jüngere Schwester von Elizabeth II. , Prinzessin Margaret , sei damit todunglücklich gewesen. Auch das Drama um Prinz Harry zeige, wie anfällig die Zweitgeborenen für Krisen und Konflikte seien. Der Experte geht auch davon aus, dass der Fall Andrew die ohnehin geplante Verkleinerung des britischen Königshauses beschleunigen könnte. "Ist da wirklich noch ein Appetit für eine royale Großfamilie?", fragt Prescott und liefert gleich die Antwort: Er könne sich vorstellen, dass als Konsequenz auf die Andrew-Affäre etwa die Zweitgeborene des derzeitigen Thronfolgers William, Prinzessin Charlotte (10), künftig einmal keine royalen Aufgaben mehr übernehmen werde. Andrew Mountbatten-Windsor auf dem Tiefpunkt Andrews Festnahme vergangene Woche folgte auf die Freigabe von Millionen weiterer Akten zu Epstein durch das US-Justizministerium im Jänner. Dazu gehört ein E-Mail vom November 2010, in dem Andrew dem US-Finanzinvestor nach einer Dienstreise als britischer Handelsbeauftragter nach Asien anscheinend vertrauliche Berichte zu mehreren von ihm besuchten Ländern übermittelt. Berichten zufolge wurde der damalige Prinz auf der Reise zudem von Epstein-Geschäftspartnern begleitet und übermittelte Epstein Monate später Informationen zu Investitionsmöglichkeiten, die er bei dem Trip gesammelt hatte. Neun verschiedene Einheiten der britischen Polizei haben bestätigt, dass sie Berichte über Andrews Verbindungen zu Epstein prüfen. Das Epstein-Opfer Virginia Giuffre reichte im August 2021 in den USA Klage gegen Andrew ein. Giuffre warf dem damaligen Prinzen darin vor, sie dreimal sexuell missbraucht zu haben, darunter zweimal, als sie erst 17 und damit minderjährig war. Der Fall wurde außergerichtlich beigelegt, nachdem sich Andrew zu einer Geldzahlung bereit erklärte. Medienberichten zufolge lag diese bei mehr als zwölf Millionen Dollar (aktuell 10,21 Mio. Euro). Giuffre starb im April vergangenen Jahres im Alter von 41 Jahren in Australien durch Suizid. Im Oktober erschienen ihre Memoiren unter dem Titel "Nobody's Girl" posthum. Darin schildert Giuffre, sie sei dreimal zum Sex mit Andrew gezwungen worden. Freundschaft mit Epstein Medienberichten zufolge lernte der damalige Prinz Andrew den US-Investor Epstein 1999 über Ghislaine Maxwell kennen, die Britin ist. 2008 wurde Epstein in den USA erstmals wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt - wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft zu lediglich 18 Monaten Haft. Trotz dieser Verurteilung traf sich Andrew 2010 mit Epstein zu einem Spaziergang im New Yorker Central Park, wovon Fotos zeugen. Später sagte Andrew, damals habe die Freundschaft der beiden geendet. In einem im Februar 2011 "von einem Mitglied der britischen Königsfamilie" - mutmaßlich Andrew - an Epstein gesandten E-Mail heißt es laut britischen Gerichtsunterlagen allerdings: "Bleib' in enger Verbindung, und bald werden wir wieder ein bisschen spielen!!!!" "Keine Erinnerung" Schon 2011 musste Andrew seine Position als britischer Handelsgesandter wegen seiner Beziehungen zu Epstein aufgeben. 2019 musste er sich dann von seinen offiziellen Funktionen zurückziehen und seinen Titel als Königliche Hoheit aufgeben. Zuvor hatte er in einem Fernsehinterview keinerlei Mitgefühl für Epsteins Opfer gezeigt und geleugnet, Sex mit Virginia Giuffre gehabt zu haben. Stattdessen sagte Andrew, er habe "keinerlei Erinnerung", Giuffre jemals getroffen zu haben - obwohl Fotos das Gegenteil belegen. Nachdem Giuffre Zivilklage gegen Andrew eingereicht hatte, entzog Queen Elizabeth II. ihrem Sohn im Jänner 2022 alle militärischen Titel und Schirmherrschaften. Nach Erscheinen von Giuffres Memoiren entzog König Charles III . seinem Bruder schließlich alle Titel und warf ihn aus seiner luxuriösen Unterkunft Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss Windsor.