Vater mit Buben in Wien abgetaucht: Mutter in Betreuung

Auch zwei Tage nach dem Verschwinden der beiden Brüder im Alter von sieben und acht Jahren fehlt von ihnen jede Spur. Der Vater der beiden soll sie am Weg zur Schule abgepasst haben. Die Polizei ermittelt wegen mutmaßlicher Kindesentziehung. „Die Obsorge liegt in dem Fall bei der Mutter. Wir haben sie schon vor dem Vorfall bei der Erziehung unterstützt und führen jetzt Entlastungsgespräche mit ihr“, sagte Ingrid Pöschmann, Sprecherin der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11). Die Eltern sind getrennt, die Kinder wuchsen in der Wohnung der Mutter auf. „Wenn man ohne Absprache seine Kinder mitnimmt, dann zeigt das, wie die Kommunikation in dieser Beziehung läuft. Auf diese Art glaubt ein Elternteil, sich durchsetzen zu können“, erklärte Pöschmann. Von Kindesentziehung würde man auch dann sprechen, wenn beide Eltern das Sorgerecht haben und ein Partner den anderen bewusst nicht über den Aufenthalt der Kinder informiert. Im aktuellen Fall ist die Fahndung nach dem Vater und den beiden Buben nach wie vor aufrecht, heißt es von der Polizei am Donnerstag. „Wir wissen derzeit noch nicht, ob wir eine Öffentlichkeitsfahndung mit Fotos veranlassen werden, das hängt von den Kollegen im Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft ab“, sagte Polizeisprecherin Julia Schick. Hohe Aufklärungsquote Fälle von Kindesentziehung finden in Österreich zumeist im familiären Bereich statt. Im Jahr 2024 (aktuellste Zahl) wurden 95 Fälle von Kindesentziehung angezeigt, 93 davon wurden geklärt. Besonders viele Fälle gab es mit 112 im Jahr 2018. Die Aufklärungsquote ist bei diesem Delikt grundsätzlich hoch, sagte Heinz Holub-Friedreich, Sprecher des Bundeskriminalamts. Im Jahr 2015 lag diese gar bei 100 Prozent, 2024 bei 97,9 Prozent. Bei den meisten Fällen handelt es sich um Sorgerechtsstreitigkeiten. So wohl auch im aktuellen Fall. „Für die Kinder ist es ein Wahnsinn, so aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen zu werden. Jede Person, die Hinweise über ihren Verbleib hat, soll sich bitte sofort an die Polizei wenden“, appellierte Ingrid Pöschmann von der MA 11 eindringlich. Bei Sorgerechtsstreitigkeiten hätten Eltern oftmals nicht mehr ihre Kinder im Blick, sondern nur noch sich selbst. „Der Vater soll die Kinder zurückbringen und alles Weitere dann mit seiner Ex-Frau, ohne die Kinder besprechen“, so Pöschmann.