Adelsexperte: Die Zeiten vom Queen-Motto "Nicht beschweren, nicht erklären" sind vorbei

Die britische Königsfamilie, deren Mitglieder sich seit Queen Elizabeth an das Motto "never complain, never explain" ("nicht beschweren, nicht erklären") halten, macht derzeit mit ungewohnt offenen Sätzen von sich reden. Besondere Aufmerksamkeit erhielt bei den Briten und Britinnen am Sonntagabend der Auftritt von Thronfolger Prinz William und dessen Frau Kate bei der Verleihung der britischen Filmpreise. Der Sohn von Charles – und Neffe von Ex-Prinz Andrew - wurde gefragt, ob er das vielfach ausgezeichnete Drama "Hamnet" bereits gesehen habe. "Ich muss in einer ziemlich ruhigen Verfassung sein, und das bin ich im Moment nicht", antwortete William . "Fauler Apfel" Andrew Dem Adelsexperten Phil Dampier zufolge ist die lange bewährte Kommunikationsstrategie gezwungenermaßen überholt. Im Gespräch mit dem britischen Hello! -Magazin macht er deutlich, dass die Zeiten von " never complain , never explain " vorbei sind. "Sie können nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und sagen, dass sie dazu nichts zu sagen haben. Sie zeigen, dass 'die Firma' noch funktioniert, sodass Andrew sozusagen fast als ein fauler Apfel dargestellt wird." Der jüngere Bruder von König Charles III. war in der vergangenen Woche in Zusammenhang mit seiner Verbindung zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vorübergehend festgenommen worden. Mehrere Tage später hätten die Beamten ihre Durchsuchungen an dessen ehemaligen Wohnsitz in Windsor beendet, teilte die britische Thames Valley Police am Dienstagabend mit. Andrew war eng mit Epstein befreundet. Der US-Multimillionär, der inzwischen verstorben ist, betrieb jahrelang einen pädophilen Missbrauchsring, dem zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Eines der Opfer, Virginia Giuffre , warf Andrew vor, sie mehrfach missbraucht zu haben, zum Teil als sie noch minderjährig war. Der Ex-Prinz bestreitet die Vorwürfe, doch ein Zivilklage Giuffres in den USA endete Berichten zufolge in einem millionenschweren Vergleich. Indes gab die britische Regierung am Dienstag bekannt, Dokumente zur Berufung des früheren Prinzen Andrew zum Handelsbeauftragten veröffentlichen zu wollen. Andrew Mountbatten-Windsor wird Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen. In seiner früheren Rolle als britischer Handelsbeauftragter soll er Informationen an den US-Finanzier Epstein weitergeleitet haben. Im Zuge ihrer Ermittlungen hatten die Beamten Durchsuchungen an mehreren Adressen durchgeführt. Andrew hatte im Verlauf des Skandals aus der Royal Lodge, einem luxuriösen Anwesen auf dem Schlossgelände in Windsor, ausziehen müssen. Bisher hat sich der Ex-Prinz, dem wegen seiner Verbindung zu Epstein bereits alle royalen und militärischen Titel entzogen wurden, nicht dazu geäußert.