Immo-Deal am Flughafen: Spitzengewerkschafter als Provisionär

Er zählt zu den Top-Gewerkschaftern des Landes, auch wenn er in der Öffentlichkeit kaum auftritt. Franz Binderlehner , Mitglied der Bundesgeschäftsführung der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, werkt lieber operativ wirtschaftlich im Hintergrund. Als langjährige rechte Hand von Gewerkschaftsboss Roman Hebenstreit ist der ehemalige ÖBB-Lokführer, der sich im zweiten Bildungsweg hinauf arbeitete, bekannt dafür, sich durchzusetzen. Er saß als Experte auch in den Kabinetten der Verkehrsminister Bures , Stöger , Klug und Leichtfried . „Mit dem Franz legt man sich lieber nicht an, manche fürchten sich fast vor ihm“, erzählt ein hochrangiger Genosse. Neben seinem Hauptjob geht der dynamische 52-Jährige, der als begnadeter Netzwerker gilt, einer für einen Gewerkschafter eher ungewöhnlichen Nebentätigkeit nach. Nach Absolvierung der Fachhochschule Krems stieg Binderlehner vor rund zehn Jahren ins Geschäft mit Immobilien und deren Finanzierung ein. 2021 gründete er die Album Logistik und Mobilitätsdienstleistungen GmbH, die mit befreundeten Partnern Beteiligungen an weiteren Immo-Firmen hält. 2022 gelang Binderlehner ein Lottosechser. Mit dem Weiterleiten eines Mails (oder einem Telefonat, so genau weiß er das heute nicht mehr), verdiente er als Tipp-Geber in einem spektakulären Immobilien-Deal am Wiener Flughafen 193.639 Euro netto. Die Honorarnote seiner Album Logistik an die Convectio GmbH des befreundeten Maklers Dieter M. „für die vereinbarten Leistungen zum Ametageschäft zur Vermittlung der Grundstücke KG Fischamend ...“ liegt dem KURIER vor. Die Causa poppte erst auf, als ein wüster Streit um die Provision entbrannte, auf die der mit Binderlehner gut bekannte Finanzexperte Martin K. ebenfalls Anspruch erhob. Martin K. klagte die Provision 2024 am Handelsgericht ein. Mit der Begründung, er habe den Käufer des Grundstücks als Erster informiert, verlor aber in allen Instanzen. Eine Sachverhaltsdarstellung von ihm an die Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der falschen Zeugenaussage wurde zurückgelegt. Als Gewerkschafter fast 200.000 Euro innerhalb weniger Minuten verdient. Davon können die vida-Mitglieder nur träumen. Der Makler habe ihn über das Grundstück am Flughafen informiert, mit der Zusage „wenn ich einen Käufer finde, kriege ich ein Drittel der Provision“. Binderlehner schickte ein Mail an einen wiederum bekannten ehemaligen Chef der staatlichen Schieneninfrastrukturgesellschaft Schig, der aber keinen Bedarf hatte und es an den späteren Käufer weiterleitete. Das war Binderlehners einzige Leistung, in die Verhandlungen sei er in keiner Weise involviert gewesen. Compliance geprüft Für Binderlehner ist alles korrekt abgelaufen, betont er im Gespräch mit dem KURIER. Er habe die Firmengründung bei der Compliance-Abteilung der ÖBB und dem Revisionsverband der Gemeinnützigen gemeldet. Er sitzt im Aufsichtsrat der Eisenbahnerwohnbaugenossenschaft BWS und der Beamtenversicherung. Angestellt ist Binderlehner als Mitarbeiter beim ÖBB-Konzernbetriebsrat, die vida-Funktion übe er ehrenamtlich aus. Und der Anwalt der vida erklärte, Binderlehner habe seine Funktionen in den Immo-Firmen „ordnungsgemäß offengelegt“, es bestehe weder eine Unvereinbarkeit noch ein Interessenskonflikt. Vom KURIER befragte Gewerkschafter sehen allerdings keine gute Optik. Binderlehner ist nach wie vor im Immo-Business. Ein Projekt mit Partnern über die Tokenisierung von Anteilen an einigen Zinshäusern floppte allerdings, wegen der Immo-Krise und weil die FMA die Genehmigung verweigerte. Die Projektgesellschaft ist derzeit in Abwicklung, „wir haben alle Investoren schadlos gehalten“. Eine Insolvenz könne er sich schlecht leisten, „es geht um die persönliche Reputation“. Der rührige Binderlehner plant mit seinem Maklerfreund bereits neue Projekte. „Das Unternehmer-Dasein interessiert mich grundsätzlich schon“. Er habe schließlich auch vida-flex für die Vertretung der Ein-Personen -Unternehmer gegründet. Auch Flughafen-Prokurist kassierte Eigentümer der Grundstücke in Fischamend war die Alpha Liegenschaftsentwicklungs GmbH, eine Tochter der Flughafen Wien AG. Der Flughafen suchte für die ehemalige Deponie einen Käufer. Der mit Binderlehner befreundete Makler Dieter M. brachte 2024  als Käufer die Helios PropCo GmbH und erhielt von dieser Gesellschaft dafür  673.500 Euro Provision. Davon  zahlte er neben Binderlehner ebenfalls 193.639 Euro  an einen Prokuristen von Immo-Firmen des Flughafens.  Dieser hatte zwar die Unterlagen aufbereitet, war aber in den Verkauf nicht involviert. Als die Sache aufflog, wurde der Prokurist 2024 fristlos entlassen und musste die Provision an den Flughafen zurückzahlen. Man einigte sich in einem Vergleich auf Ratenzahlung. Auch seine Frau, die Daten abgefragt hatte, musste gehen. Der Makler wollte gegenüber dem KURIER keine Stellungnahme dazu abgeben, warum der Flughafen-Mitarbeiter von ihm eine Provision erhalten hatte. Logistikpark Der Flughafen machte ein gutes Geschäft und verdiente bei dem Verkauf rund sieben Millionen Euro. Heute steht auf dem Areal der 2025 eröffnete Helios Logistikpark, mit 80.000 Quadratmetern einer der größten Logistikparks Österreichs. Der Wert des Parks wird auf rund 130 bis 150 Millionen Euro geschätzt.