Wie Deutsche Wien sehen: Kommt die Romanze "Vienna" der Realität nahe?

Zahlreiche Partynächte und Luxusshoppingtouren gehören zum Alltag von Livia Hohenburg, Tochter von Wiens Bürgermeister. Wer sich nun verwundert fragt, seit wann Michael Ludwig eine 20-jährige Tochter hat, sei beruhigt: Es handelt sich um „Enemies to Lovers“ ( dt. Feinde zu Liebenden ) Romanze „ Vienna – Blinding Lights “ der deutschen Autorin Lara Holthaus . Ob das Buch ein authentisches Stadtbild abgibt, hat sich der KURIER angesehen. Geografische Unstimmigkeiten Eines wird gleich beim Aufschlagen des schön verzierten Covers klar: Mit der Geografie hat es der Carlsen-Verlag nicht allzu genau genommen. Eine inkludierte Stadtkarte verortet die Josefstadt gleich hinter der Hauptuni und das Rathaus wird zum Kunsthistorischen Museum (im Buch übrigens immer nur „das Kunstmuseum“ genannt). Selbst die Charaktere scheinen mit Wiens Siedlungsraum nur bedingt vertraut zu sein: „Also warst du schon mal in den Randbezirken dieser Stadt? Da, wo der richtige Scheiß abgeht? Meidling? Leopoldstadt?“, sagt etwa der „Bad Boy“ Nicolas zu seiner Auserkorenen. Doch auch wenn Livia scheinbar die Innere Stadt kaum verlässt, ist ihr das Stadtbild fremd: Von ihrem Fenster aus sieht sie nämlich „vier weiße Türme“, anhand derer sie die Staatsoper identifiziert. Zur Erinnerung: Das Gebäude ist eigentlich flach. Interessenskonflikt beim Bürgermeister? Auch mit der politischen Funktion des Fake-Ludwigs wird locker umgegangen: Er ist nämlich nicht nur Multimillionär, sondern gleichzeitig noch Kopf der „Hohenburg Immogroup“. Abgesehen vom eindeutigen Interessenskonflikt, ist das Amt des Wiener Bürgermeisters eigentlich keine Nebentätigkeit. Kein Wunder also, dass der Wiener Kurier den Hohenburg-Bürgermeister der Veruntreuung bezichtigt. Neu ausgelegt wird übrigens auch die Wohnbaupolitik: „Da wir keinen österreichischen Pass haben, haben wir leider keinen Anspruch auf eine Wiener Gemeindewohnung“, sagt die deutsche Tanja. Als EU-Bürger haben Deutsche aber eigentlich sehrwohl das Recht, eine Gemeindewohnung in der Stadt zu mieten. Lückenhaft scheint zudem das historische Wissen der Protagonisten zu sein: „Wien ist seit 1916 keine Monarchie mehr.“ Die Habsburgermonarchie Österreich-Ungarn (nicht Wien) hörte erst 1918 auf zu existieren. Dass Adelstitel in Österreich, somit auch in Wien abgeschafft wurden, ist ebenfalls kein Problem für Leander von Traun. Wer über das Bundesdeutsch (Bürgersteig, Rührei, Plätzchen backen) und die Unstimmigkeiten beim Schauplatz hinwegsehen kann, erlebt auf 428 Seiten die spannende Liebesgeschichte von Livia und Nicolas.