Als Donald Trump sich 2024 in den Wahlkampf stürzte, war ein Versprechen zentral: keine neuen Kriege – und bestehende beenden. Ein Jahr später hat er Venezuela bombardieren und Machthaber Maduro entführen lassen und einen neuen Krieg gegen den Iran begonnen. Warum? Beide Interventionen hat er bis dato noch nicht schlüssig begründet. Natürlich, das Regime in Teheran ist eines der repressivsten der Welt. Tausende starben in den vergangenen Monaten, als die eigene Bevölkerung sich gegen die Mullahs erhob. Mindestens ebenso viele sitzen als politische Gefangene in Haft, unter menschenunwürdigen Bedingungen. Und ja, der Iran hat ein Nuklearprogramm, und die Bombe wäre eine Gefahr für die Region, vor allem für Israel. Moment der Schwäche Die Islamische Republik ist so schwach wie noch nie in den 47 Jahren ihres Bestehens. Seit dem 7. Oktober 2024, als die Hamas knapp 1200 Israelis abschlachtete, sind all ihre Verbündeten schwer getroffen: Israel hat die Hamas auf ihr Minimum reduziert, die Hisbollah im Libanon ist nach gezielten Schlägen kopflos. Auch in Syrien führte die schwindende Kraft Teherans dazu, dass die Rebellen gen Damaskus marschierten und letztlich den Iran-treuen Assad ins russische Exil trieben. Teheran sah bei all dem zu, ohne zu reagieren. Man wollte tunlichste jedwede Eskalation vermeiden. Das Zeitfenster für eine Attacke ist deshalb wohl tatsächlich das beste seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Denn auch innenpolitisch ist das Regime so angegriffen wie nie; seit die USA im Sommer die Nuklearanlagen bombardiert haben, hat sich die iranische Wirtschaftskrise beschleunigt, was wiederum die Menschen zu Tausenden auf die Straße trieb. Den blutigen Ausgang der Proteste nahm Trump dann auch zum Anlass, seine Armada im Golf auffahren zu lassen. Langer Krieg oder kurze Attacke? Dennoch hat Trump nie gut begründet, warum er die USA in einen neuen Krieg führt. Denn eine lange und kräfteraubende Auseinandersetzung ist gut möglich: Die Kräfte, die er dort auffahren hat lassen, sind so massiv wie seit dem Irakkrieg 2003 nicht. Problematisch könnte die Lage werden, wenn der Iran mit voller Kraft zurückschlägt - das Land hat eines der größten und vielfältigsten Raketenarsenale im Nahen Osten, die Reichweite beträgt knapp 2000 Kilometer. Jede US-Basis im Nahen Osten und ganz Israel sind damit in Gefahr. Derzeit sieht es so aus, als würde Trumps Armada Enthauptungsschläge durchführen, man zielt auf Geheimdienst, politische Elite, den obersten Führer Ali Khamenei. Trump selbst hat die Revolutionsgarden, die eigentlich tragende Säule des Regimes, zur Kapitulation aufgerufen. Dass die dem Ruf nachkommen, ist schwer zu glauben – die 200.000 Mann sind ideologisch motiviert. Viele vermuten hinter dem Schlag deshalb wirtschaftliche Ziele, eine Schwächung des Regimes mit gleichzeitigen ökonomischen Vorteilen für die USA. Die iranische Ölwirtschaft ist trotz Sanktionen noch immer ein großer Player, ohne Limitierungen wäre sie ein gigantisches Geldreservoir. Gut möglich, dass Trump darauf schielt – auch in Venezuela ging es letztlich um die Ausbeutung von Rohstoffen. Unkalkulierbares Pulverfass Doch der Iran hat weltpolitisch eine ganz andere Bedeutung als das isolierte Venezuela. Schon ein einziger Schlag gegen das Mullah-Regime kann reichen, um das Pulverfass Nahost ein anzuzünden. In einem Ausmaß, das bisher nicht gesehen war: Die Folgen eines Machtvakuums in Teheran sind völlig unabsehbar - schon jetzt brennt es in Riad, Bahrain und Katar. Die Optionen reichen von einem Zerfall des Staates über einen Bürgerkrieg bis hin zu einem unkontrollierbaren regionalen Flächenbrand mit Folgen für die ganze Welt - schließlich kontrolliert der Iran die Straße von Hormus, durch die ein Drittel der globalen Öltanker fahren. Trumps Agieren im Nahen Osten erinnert unweigerlich an die "Regime change"-Versuche vergangener US-Präsidenten. Die meisten endeten vor allem in Blutvergießen – für die Menschen vor Ort ebenso wie für die Vereinigten Staaten selbst. Bricht er im Iran einen großen Krieg vom Zaun, hat Trump sein zentrales Wahlversprechen gebrochen. Nur anders als im Fall Epstein wird die ganze Welt davon betroffen sein.