Fastenzeit: So gelingen kreative Mocktails zu Hause

Alkoholfreie Drinks sind längst mehr als nur Cola oder Wasser: Sie sind vielfältig geworden und animieren zur kreativen Mixologie . Die Fastenzeit nutzen viele, um sechs Wochen lang ganz bewusst auf Alkohol zu verzichten – aber nicht auf den Genuss. „Der Trend zu alkoholfreien Drinks hat eindeutig zugenommen, auch im restlichen Jahr“, sagt Gerhard Tsai , Betreiber der mehrfach ausgezeichneten Wiener Bar „ Tür 7 “. Es ist ja schon länger nicht mehr zu übersehen, dass sich der Lebensstil verändert: Viele meiden Alkohol, um einerseits Kalorien zu reduzieren, andererseits ihre Gesundheit zu verbessern. Das wird etwa von Vertretern der „ Sober Curious “-Bewegung angeführt. Durch keinen oder reduzierten Alkoholkonsum verbessere sich ihr Schlaf und sie seien klarer und fokussierter. Die Auswahl wächst: Immer mehr Winzer bringen alkoholfreie Alternativen auf den Markt und experimentieren mit Säften aus einzelnen Rebsorten, die mit Kohlensäure zum „Fizz“ gemischt werden. Andere setzen auf Tees oder auf Verjus, den wiederentdeckten Saft unreifer Trauben. In Bars setzt man neben klassischen Mocktails wie Virgin Mojito oder alkoholfreiem Spritz auf kreative Kreationen mit Kräutern, Gewürzen und exotischen Fruchtsäften. Spirituosen im Trend Auch alkoholfreie Spirituosen, in der Gastronomieszene „ Spirit Free “ genannt, sind im Kommen. „Der Markt ist sehr groß geworden, da ist viel Interessantes dabei“, bestätigt Tsai. Bestellen die Gäste in der „Tür 7“ Alkoholfreies, gehe es meist in Richtung gemixte Cocktails, in die Kreationen baue man solche Ersatz-Spirituosen ein. Alternativen zu Gin, Whisky oder Rum versuchen, Geschmack und Farbe der jeweiligen Spirituose zu imitieren. Das gelingt den Herstellern mal besser, mal nicht so gut. „Vor allem Wermut und alles, das in die Bitter-Richtung geht, funktioniert gut und man kann sie sehr gut mischen.“ Bei Gin- oder Vodka-Alternativen müsse man hingegen oft zusätzlich noch mit anderen Zutaten arbeiten, um den Geschmack des Drinks zu perfektionieren. Cocktails daheim mixen Die Lust zum kreativen Mixen zeigt sich mittlerweile auch in den eigenen vier Wänden. Für seinen „Less is More“ kombiniert Gerhard Tsai etwa 6 cl vom „Undone Not Italian Apero“ mit 1 cl Limettensaft und 4 cl „Jsotta Senza Rosso“. Ein „schöner, attraktiver Drink“, findet er. „Er geht in Richtung Americano , mit ganz leichter Säure.“ Alkoholfreie Drinks könnten besondere, neue Geschmackswelten und sensorische Erlebnisse vermitteln, sind Simon Schlachter und Martin Masch überzeugt. Im Hotel „Blaue Burg“ im Allgäu (Deutschland) kreiert Masch zu Schlachters Gerichten passende Drinks, seit fünf Jahren haben sie sich auf alkoholfreie Cocktails fokussiert. Mit ihrem Buch „Drinks and Food we love“ wollen sie zeigen, das „alkoholfrei schon längt nicht mehr für langweilig, fad oder öde“ stehe, schreiben die beiden Gastronomen. Schönes Glas für die Optik Neben Rezepten geben sie auch Tipps für die perfekten Geschmacksaromen . Hervorragend harmonieren etwa Granatapfel und Essig, Pfirsich und Rosmarin oder Kirsche und Lorbeer. Bei Grapefruit und Tonic treffen hingegen zwei bittere Noten aufeinander, was unangenehm schmeckt. Ingwer ist wiederum in Kombi mit Wassermelone viel zu dominant. Nicht zu vernachlässigen ist abschließend die Optik . „Ein guter Drink sollte immer in einem schönen Glas serviert werden. Dann hat man gar nicht mehr das Gefühl, ohne Alkohol zu sein.“