Dass es zu einem neuerlichen Anstieg der rechtsextremen Tathandlungen kommen wird, war nach einem Bericht des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) bereits Gewissheit. Dass dieser jedoch satte 33,6 Prozent gegenüber 2024 beträgt, lässt in der Politik die Alarmglocken schrillen. Laut Zahlen des Innenministeriums, die am Samstag nach einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ veröffentlicht wurden, wurden 2025 insgesamt 1.986 rechtsextremistische, fremdenfeindliche sowie rassistische, islamfeindliche und antisemitische Tathandlungen festgestellt. 2024 waren es noch 1.486 Tathandlungen, 2020 insgesamt 895. Damit wird in den letzten fünf Jahren ein Zuwachs von 121,9 Prozent verzeichnet. Die meisten polizeilichen Anzeigen gab es dabei in Wien (485), Oberösterreich (350) und Niederösterreich (298). Danach folgen Salzburg (160), Vorarlberg (147), die Steiermark (146), Kärnten (126), Tirol (113) und das Burgenland (43). 118 Fälle waren keinem Bundesland zuordenbar, so die Analyse. 1.701 explizit rechtsextrem Von den 1.986 Tathandlungen im Vorjahr betrafen 1.701 explizit rechtsextreme Vorfälle. Dazu kamen 127 Tathandlungen mit rassistischem Hintergrund, 93 waren laut Statistik antisemitisch motiviert und 16 islamophob. Die explizit rechtsextremen Straftaten spielten sich mit 28 Prozent nur zu einem vergleichsweise geringen Teil im Internet ab, bei den rassistisch motivierten Taten waren es über die Hälfte und bei den antisemitischen fast drei Viertel. Im Hinblick auf die rechtsextremen Straftaten ist der prozentuelle Anstieg sogar noch höher als bei den Tathandlungen: 2025 wurden insgesamt 1.518 Personen durch die Sicherheitsbehörden angezeigt. 2024 waren es 1.116 Anzeigen – ein Plus von 36 Prozent. 2020 wurden 731 rechtsextreme Straftaten verzeichnet. Weniger Jugendliche Dabei waren 90 Prozent der Angezeigten männlich, 81 Prozent österreichische Staatsbürger. Der Anteil Jugendlicher ist zuletzt zurückgegangen: 2025 waren es 16 Prozent, 2024 noch 25. Das Innenministerium betonte, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung rechtsextremer Aktivitäten in letzter Zeit verstärkt wurden: Demnach gab es im vergangenen Jahr insgesamt 277 Hausdurchsuchungen (inklusive freiwilliger Nachschauen) und 75 Festnahmen, 2024 waren es noch 260 bzw. 53. Die Aufklärungsquote liegt bei 65,5 Prozent. „Der Verfassungsschutz geht konsequent gegen jede Form von Extremismus vor“, betonte ÖVP-Innenminister Gerhard Karner. Auch auf den Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus wurde hingewiesen, bei dem die Ministerien von der Prävention über die Strafverfolgung bis hin zur Demokratieförderung zusammenarbeiten wollen. FPÖ: „Zahlenspielerei“ Noch bevor die Zahlen des BMI veröffentlicht wurden, warnte das DÖW: Im Jänner wurde der Rechtsextremismusbericht 2024 präsentiert, in dem auch von einem weiteren Anstieg 2025 ausgegangen wird. Was sofort die FPÖ auf den Plan rief, die in dem Bericht prominent vertreten ist; ein Gutachten des Plagiatsforschers Stefan Weber , das von der Partei beauftragt wurde, stellt ein „mehrfaches wissenschaftliches Fehlverhalten“ in den Raum. Und auch der aktuellen Statistik des Innenministeriums schenkt FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker wenig Glauben; er spricht in einer Reaktion von „manipulativer Zahlenspielerei“ der Bundesregierung, um ihren Aktionsplan zu unterfüttern. Die einschlägigen Anzeigen hätten zwar zugenommen, die Verurteilungen seien aber gleichzeitig auf zuletzt sechs Prozent der Anzeigen im Jahr 2024 zurückgegangen. Der Aktionsplan richte sich „gegen die Meinungsfreiheit und kritische Stimmen“, etwa in „sozialen und alternativen Medien“, so Hafenecker. Sabine Schatz , SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur, zeigte sich von der Entwicklung alarmiert. „Wir dürfen uns nicht an steigende Zahlen gewöhnen.“ Sie fordert „eine Politik, die hinschaut und handelt“.