Am Ruhetag, am Sabbat, kurz vor acht Uhr, heulten in Israel die Sirenen los. Ganz Israel saß wieder in den Schutzräumen. Nach einigen Wochen Drohungen und Spannungen zwischen Washington und Teheran kehrte der Krieg zurück. „Brüllender Löwe“ nennt ihn Israel diesmal. War der erste Alarm noch eine Art Weckruf „zur Erhöhung der Alarmbereitschaft der Zivilbevölkerung“, kam der zweite wie erwartet etwa eine Stunde später. Zunächst im Großraum Tel Aviv , im Norden an der libanesischen Grenze und sehr schnell dann im ganzen Land. Im Norden fielen Trümmer von Abwehrraketen auf Wohngebiete. Am späten Vormittag wurde durch einen Raketensplitter ein Haus beschädigt. Israel: Bevölkerung in höchster Alarmbereitschaft Premier Benjamin Netanjahu wandte sich über Medien und Netzwerke an die Öffentlichkeit. Wie US-Präsident Donald Trump sah er in der Gefahr eines nuklear bewaffneten Irans die Existenz Israels bedroht. Auch er verwies auf das diktatorische „Regime der Ayatollahs“ , das sein eigenes Volk angreift. Israel und das iranische Volk hätten somit einen gemeinsamen Feind, so Netanjahu, das grausame Regime der Mullahs. In Israel läuft der Alarm nicht nur über heulende Sirenen. Jedes Handy ist mit dem Zivilschutz verbunden. Kein nervendes Heulen, kein Klingeln, aber ein unverkennbares Scheppern schickt die Menschen in die Schutzräume. Über Wochen blieben die Anweisungen des Zivilschutzes trotz der angespannten Lage unverändert. Am Samstag wurde die Zivilbevölkerung dann von einer Minute zur anderen in höchste Alarmbereitschaft versetzt: Das Verlassen der Häuser sei zu vermeiden, auch die Fahrt zu den Arbeitsplätzen. Nur die lebenswichtigen Einrichtungen und Betriebe sind davon ausgenommen. Weshalb der Angriff auch am Wochenende stattfand, an dem die große Mehrheit der Bevölkerung sich ohnehin zu Hause aufhält. An die Adresse des Irans gerichtet, sagte Israels Armeesprecher, die Zivilbevölkerung solle die Nähe von Industrieanlagen meiden. Notfalls solle man solche Regionen verlassen. Knappe Waffenvorräte Von einem Überraschungsangriff kann in diesem Fall nicht die Rede sein. Fast täglich warnte in den vergangenen Wochen Donald Trump die Regierung in Teheran, dass sie sich ohne weitreichende Zugeständnisse US-Angriffen aussetzen würden. Deren Länge hängt von den selbst gesetzten Zielen ab. Allerdings: Alle Beteiligten – Iraner, Amerikaner und Israelis – verfügen nach zwei Jahren Krieg nur noch über begrenzte Waffenvorräte.