Klaus Eckel ist ein People Pleaser und "sorry für alles"

Vor Kurzem bezeichnete mich ein Facebook-User als „linke Zecke“. Das brachte mich zum Nachdenken. Ich wurde schon mehrmals von Zecken gebissen, doch ich hatte niemals den Eindruck, dass die Attacken politisch motiviert waren. Eine linke Zecke würde vermutlich ein bedingungsloses Grundblut für alle Waldbewohner fordern. Es stellt sich auch die Frage, ob es „rechte Zecken“ gibt. Also gebürtige Wienerwald-Zecken, die eingewanderte Blutsauger unverzüglich ins Heimatland zurückschieben wollen. Außerdem zapfen rechte Zecken sicher ausschließlich Blut von Spaziergängern mit heimischem Erbgut. "Halblustiger Kasperl" Ein anderer Facebook-User nannte mich: „Halblustiger Kasperl“. Da fiel mir sofort ein, dass auch Michael Niavarani schon so bezeichnet wurde. Sofort rief ich ihn an und bat ihn um eine Fusionierung. Zwei halblustige Kasperl ergeben nämlich einen ganzen Komiker. Eines möchte ich nachschicken – 99,943 Prozent der Menschen auf Facebook sind äußerst freundlich zu mir. Doch vielleicht kennen Sie das – wenige Kritiker bereiten einem die meisten Gedanken. Warum wohl? Bei mir liegt es vermutlich daran, dass ich ein People Pleaser bin, sprich: gefallsüchtig. Ich war schon als Kind der Einzige, der beim Versteckspielen absichtlich gehustet hat, damit der Sucher nicht frustriert ist. In der Schule habe ich Gruppenarbeiten oft alleine erledigt und mich am Ende bei den anderen dafür bedankt, Teil der Gruppe sein zu dürfen. Ich vermute mittlerweile, dass nach der Geburt meine erste Handlung nicht Schreien war, sondern mich bei der Hebamme für die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Also falls ich eine linke Zecke bin, dann zumindest eine mit Blutspenderpass. People Pleaser wirken auf den ersten Blick selbstlos, doch sie tauschen viel zu oft Nettigkeit gegen Ehrlichkeit. Übrigens, meine Grabsteininschrift wird lauten: „Hier ruht Klaus Eckel. Eigentlich wollte er noch leben, aber noch mehr wollte er dem Tod keine Umstände bereiten.“