Führt der Skandal um den Ex-Prinzen Andrew und dessen Verbindung zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zum Niedergang der Monarchie? In Großbritannien ist ist die Frage nach der Zukunft der Royals derzeit ein großes Thema. Auch wenn die Monarchie den Britinnen und Briten vorerst wohl noch erhalten bleibt, ist der Skandal eine Zäsur, die in der Geschichte Großbritanniens ihresgleichen sucht. Die Angelegenheit rund um Andrew werfe jedenfalls "fundamentale Fragen für die Institution der Monarchie auf", sagte der Verfassungsexperte und Royal-Kenner Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway kürzlich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Prinzessin Anne wichtige Ratgeberin für Charles Durchaus überraschend: Der Adelsexperte Richard Fitzwilliams glaubt, dass die Zukunft der Monarchie auch von einer Person mitbestimmt werde, die nicht so oft im Rampenlicht steht: Prinzessin Anne . Im Gespräch mit der Boulevardzeitung Daily Mail analysiert er, dass Anne wesentlich zu einem positiven Image beitrage: "Sie genießt eine hohe Arbeitsbelastung und übernimmt in der Regel die meisten königlichen Verpflichtungen aller Royals. Allerdings zieht sie es vor, den Medienrummel zu vermeiden, der die bekanntesten Royals begleitet. Sie spielt eine absolut zentrale Rolle dabei, die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Monarchie aufrechtzuerhalten." Mit ihrer klugen Art könne Anne ihrem Bruder, König Charles , bei der Krisenbewältigung helfen: "Was Anne König Charles, der Berichten zufolge wegen seines Umgangs mit dieser Krise unter Druck von William steht, bieten kann, sind bodenständige Ratschläge." Anne und Charles seien "nicht immer einer Meinung". "Entscheidend" sei unter diesen Umständen, "dass Charles auch auf Meinungen hört, die von seinen eigenen abweichen oder ihnen entgegenstehen". Die Princess Royal ist die einzige Tochter von Queen Elizabeth II. Sie wird am 15. August 76 Jahre alt. Anne gehört "seit langer Zeit zu den beliebtesten Mitgliedern der königlichen Familie", sagte Prescott der dpa im vergangenen Jahr kurz vor ihrem 75. Geburtstag. Anne gilt als nahbar, schlagfertig, sie vertrat Großbritannien als passionierte Reiterin bei Olympia. "Und sie gilt als frei von Skandalen." In Zeiten, in denen sich Teile der Öffentlichkeit nach jedem noch so kleinen, anrüchig anmutenden Detail aus dem Leben der Royals sehnen, macht Prinzessin Anne in erster Linie ihren Job. "Hardest working" Royal Viele Menschen würdigten inzwischen, dass Anne eines der am härtesten arbeitenden Familienmitglieder sei, wenn nicht sogar die am härtesten arbeitende Royal, so Prescott. Das werde "sehr geschätzt". In den Kreisen der Monarchie-Verehrer deutlich mehr als in jenen, in denen lieber Nachrichten über den in die USA ausgewanderten und deshalb verstoßenen Prinzen Harry gelesen werden. Wer hat was mitbekommen von Andrews Treiben? Andrews Verbindung zum verstorbenen US-Multimillionär Epstein, der einen Missbrauchsring betrieb, dem viele Mädchen und Frauen zum Opfer fielen, könnte noch ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Bislang lautet der Verdacht lediglich auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt. Doch eines der Epstein-Opfer, Virginia Giuffre , hatte Andrew vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Er streitet das ab. Sollte gegen Andrew Anklage erhoben werden, könnte es für das Königshaus äußert peinlich werden, glaubt Prescott. Ihm zufolge dürfte es dann zu einem Prozess vor einem Geschworenengericht kommen, bei dem öffentlich verhandelt wird. Dass König Charles dabei in den Zeugenstand gerufen wird, hält er allerdings für ausgeschlossen. Der britische Souverän, in dessen Namen in Großbritannien Strafverfahren geführt werden, unterliegt nicht denselben Regeln wie die Bürger seines Landes. Möglich aber wären wohl Vernehmungen von Palastmitarbeitern. Dabei könnte so manches ans Tageslicht gezerrt werden, was die Royals lieber für sich behielten. Viel tun können sie dagegen jedoch nicht. "Sie werden damit letztlich leben müssen", sagte Prescott. Ersparen könne Andrew das dem Königshaus allerdings, wenn er im Fall einer Anklage auf schuldig plädiere.