Galanthomanie: Wenn Schneeglöckchen zur Leidenschaft werden

Nicht selten muss es sich seinen Weg erst durch eine Schneedecke kämpfen oder wird noch einmal unter Schnee begraben, wenn seine Triebe bereits grün sprießen. Doch das Schneeglöckchen behauptet seinen Platz in den ersten zaghaften Sonnenstrahlen des Frühlings. Das Pflänzchen mit dem eisernen Überlebenswillen steht für Neubeginn und innere Stärke. Es inspirierte Maler und Dichter, wurde von Brahms bis Heintje besungen, spornt Gärtner zu Höchstleistungen an und weckt Begehrlichkeiten. Das weiße Glöckchen mit dem botanischen Namen Galanthus hat frenetische Fans und deren Sammelleidenschaft einen eigenen Namen: Galanthomanie . Sorten-Explosion Ausgehend von England und Irland werden seit 150 Jahren immer neue Sorten kultiviert und gekreuzt. Aus den ursprünglich 18 Arten, wovon nur eine in Österreich heimisch ist, wurden inzwischen rund 4.000 Schneeglöckchen-Sorten. Einer der Ersten, der sich in Österreich mit der Sammelleidenschaft ansteckte, war Christian Kreß . In seiner Gärtnerei Sarastro Stauden in Ort im Innkreis wachsen heute rund 300 Sorten. Einige davon hat Kreß selbst gezüchtet. Momentan herrscht in der Gärtnerei Hochbetrieb, denn bis Samstag, 7.3., ist Schneeglöckchenwoche. In Deutschland, Holland und Belgien bringen sogenannte Schneeglöckchentage Händler und Galanthomanen seit Jahren zusammen. In Österreich gibt es Vergleichbares nur bei Kreß. Exklusiv und heiß begehrt Die Galanthomanie vergleicht Kreß mit der Tulpenmanie des Mittelalters. Als Beispiel, welche Auswüchse die Sammelleidenschaft annehmen kann, nennt Kleß die Schneeglöckchen-Sorte Golden Fleece . Das teuerste Schneeglöckchen geht weg wie warme Semmeln Zehn Jahre dauerte es, das Glöckchen mit gelben Fruchtknoten und Flecken an den äußeren Blütenblättern zu züchten. 2016 wurde ein erstes Exemplar versteigert – für 1.800 britische Pfund (rund 2.000 Euro) . „Ich hab da mords in die Tasche gegriffen und habe drei ausgepflanzt“, erzählt Kreß. Seitdem verkauft auch er die Golden Fleece, allerdings inzwischen zum Preis von 150 Euro. Trotz des stolzen Preises: Wenn Liebhaber zu ihm kommen, „sind das die Ersten, die weg sind.“ Dabei ist Golden Fleece nicht das teuerste Glöckchen in seinem Sortiment. Die Preise fangen moderat bei wenigen Euro an, klettern aber für ausgewählte Sorten auf bis zu 400 Euro. Hinter jeder Sorte steckt laut Kreß eine eigene Geschichte, die den Sammlern so wichtig ist wie die botanischen Details. „Für den normalen Gartenbesitzer“, gibt Kreß zu bedenken, „sieht eins wie das andere aus. Der sieht immer nur weiß, mit ein paar Strichelchen dazwischen, grün oder gelb.“ Der Gärtner kultiviert auch andere Pflanzensorten, aber die Schneeglöckchen beanspruchen Kreß zunehmend mehr. Das Geschäft sei einträglich, auch weil er seine Schneeglöckchen online anbietet. Gärtner-Tipps für den Anbau So genügsam ein Schneeglöckchen im Frühling auch wirkt, die Voraussetzungen müssen stimmen, damit es gedeihen kann. „Ein Schneeglöckchen braucht freien, offenen Stand im Halbschatten und sie sind Starkzehrer, die wollen Dünger und guten, kompostreichen Boden und vor allen Dingen nach dem Setzen drei Jahre in Ruhe gelassen werden“, warnt der Experte. Wer dem Schneeglöckchen verfällt, muss eben so resilient sein wie die Pflanze selbst.