Oft werden Fußballer gefragt, ob sie einen Karriereplan haben. Die häufigste Antwort: Nein! Am Beispiel von Konrad Laimer zeigt sich wieder einmal, wieso sich in diesem Business vieles ganz einfach nicht planen lässt. Oder wer hätte denn diese Entwicklung beim heute 28-jährigen Salzburger vorhergesagt, als er 2023 von RB Leipzig zu den Bayern gewechselt ist? Konrad Laimer galt als taktisch disziplinierter zentraler Mittelfeldspieler, als einer, der gerne mehr läuft als andere – ein Trainerliebling, aber keiner, der den Glamourfaktor in der Münchner Fußball-Elite noch einmal anhebt. Weil er ablösefrei zu haben war, galt der Österreicher als sinnvolle Verpflichtung. In die Wege geleitet von Julian Nagelsmann , der den Österreicher aus seiner Zeit als Trainer in Leipzig geschätzt hat. Bei der Verpflichtung waren sich nicht alle Experten einig. Jener von Sky, Didi Hamann , sagte im April 2023 etwa: „Das zentrale Mittelfeld ist eine Position, für die sich die Bayern mittel- oder langfristig Gedanken machen müssen. Laimer ist auch einer, der überall rumläuft. Seine Verpflichtung verstehe ich nicht.“ Heute würde er wohl anders sprechen. Trainerwechsel Auf welcher Position Julian Nagelsmann Konrad Laimer eingeplant hatte, das sollte die Öffentlichkeit nie erfahren. Als der Salzburger in München ankam, war Nagelsmann Geschichte und Thomas Tuchel Bayern-Trainer. Der heutige Teamchef Englands sagte über den Neuzugang damals: „Er kann auch auf anderen Positionen spielen“, und fackelte nicht lange. Im Herbst 2023 startete noch Noussair Mazraoui bei den Bayern rechts hinten, wurde alsbald aber durch Laimer ersetzt und mangels Bedarf an Manchester United verkauft. Zweieinhalb Jahre später spricht man beim FC Bayern München bei Konrad Laimer von einem der komplettesten und besten rechten Verteidiger im Weltfußball. Von einem, der die Position interpretiert wie kein anderer. Der sich nicht starr an die Außenbahn hält, sondern seine Rolle hybrid anlegt. Er taucht überall auf dem Platz auf und sorgt überfallsartig für Überzahlsituationen, wo keiner damit rechnet, und richtet in den gegnerischen Abwehrreihen völliges Chaos an. Schlichtweg ein Glücksfall für die Bayern, der so sicher nicht geplant war. Doch wo viel Licht, da auch viel Schatten. Denn plötzlich geht es bei Konrad Laimer nicht mehr nur um Laufwege, Intensität im Pressing und Geschwindigkeit beim Umschalten. Es geht um Marktwert . Um Hierarchien . Und für den Klub letztlich um Millionen . Der gestiegene Preis Konrad Laimer ist teuer geworden. Sein Vertrag läuft bis Sommer 2027. Formal also kein Druck. Doch intern ist längst klar: Bayern will verlängern. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Denn auf dieser Position gibt es weltweit nur wenige Spieler dieses Formats. Vor Kurzem verlängerte der Verein mit Dayot Upamecano . Rund 20 Millionen Euro Jahresgehalt soll der Innenverteidiger künftig beziehen. Eine Marke, die innerhalb der Kabine registriert wird. Laimer liegt derzeit weit darunter – kolportiert werden 6,6 Millionen jährlich und 8 bis 9, die man ihm künftig zahlen möchte. Für einen, der sich vom Kaderspieler zur Schlüsselkraft entwickelt hat, ist das eine Differenz, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch symbolisch wirkt. Die Folge: Die Gespräche über eine Verlängerung ruhen derzeit. Zu groß ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Angebot . Er verlangt dem Vernehmen nach nun bis zu 15 Millionen Euro pro Jahr. Bayern steht vor einer strategischen Entscheidung: Bezahlt man Laimer wie einen der Besten seiner Position – oder riskiert man, dass der Markt ihm diese Bestätigung anderswo verschafft? Ab Winter, sechs Monate vor Vertragsende, darf er mit anderen Klubs verhandeln. Und das wird er, wenn die Bayern nicht einlenken. Mit 28 Jahren geht es um den größten Vertrag seiner Karriere. Der 55-fache ÖFB-Teamspieler kann selbst einschätzen, wie gut er im Vergleich zur Konkurrenz auf seiner Position im Weltfußball ist. Ist Jules Koundé vom FC Barcelona besser als er, oder wird er nur höher bewertet, weil er Franzose ist? Wie geht es bei Real Madrid mit dem verletzungsanfälligen Trent Alexander-Arnold weiter? Haben die rechten Verteidiger Frimpong (Liverpool), Nunes (ManCity) oder Timber (Arsenal) mehr drauf, als er? Konrad Laimer gilt als außergewöhnlich reflektiert. Vermutlich kennt er die Antworten auf diese Fragen schon längst.