Ökonom Cocca: Gründungsaktivität zu wenig dynamisch

Oberösterreichs Start-up-Szene tritt auf der Stelle. Neugründungen sind Mangelware – 2025 waren es um die 50. Dem gegenüber stehen 6.338 neue gewerbliche Unternehmen und 2.700 KI-Studenten in Linz und Hagenberg, von denen kaum einer ein Start-up gründet. Start-ups sind laut dem Austria Start-up-Monitor (ASM) neue Unternehmen, die „eine innovative Geschäftsidee verwirklichen“ und „den Willen und das Potenzial haben, sich zu internationalisieren und stark zu wachsen“. Sie „weisen ein besonders hohes Risiko“ auf und brauchen Risikokapital. In München – 1,5 Mio. Einwohner und damit gleich viele wie in Oberösterreich – legten im Vorjahr 550 Start-ups los – zehn Mal so viele wie hierzulande. Zu wenig Dynamik „Die Gründungsaktivität ist in ganz Österreich zu wenig dynamisch, das ist nicht nur ein Befund für Oberösterreich,“ sagt Finanzexperte Teodoro Cocca, Professor an der Johannes Kepler Universität in Linz. Da Oberösterreich den größten Industrie- und Exportanteil habe, sei „diese fehlende Innovationsdynamik besonders relevant“. Er sieht „alle Player“ gefordert – Politik, Unis und Unternehmen – „das Zusammenspiel dieser Akteure ist entscheidend“. Oberösterreich müsse für Investoren in den europäischen Start-up-Hotspots London, München und Zürich sichtbarer werden. Vorbild Bayern In Bayern hat die Politik schon 1995 mit der Venture-Gesellschaft Bayern Kapital (BK) den Turbo gezündet: Bayern ist mit 2,3 Milliarden Euro, die Start-ups im Vorjahr bei Investoren einsammeln konnten, die klare Nummer eins in Deutschland. 2025 wurden vom Freistaat, BK und LfA Förderbank weitere 750 Start-up-Millionen aufgelegt. Zahlen, von den OÖ nur träumen kann. Dennoch: Landeshauptmann Thomas Stelzer hat angekündigt, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Aktuell werde an einer Aufstockung gearbeitet, so Stelzer kürzlich im KURIER. Das Land hilft Start-ups über tech2b (Beratung) sowie den OÖ Hightechfonds (HTF; Finanzierung). Der HTF wird vom Land mit Banken (darunter die in der LV Holding gebündelten oö. Sparkassen, die Bank Austria und die Hypo OÖ) getragen, wobei die Nachfrage im Vorjahr enden wollend war. Immerhin: Vom Start 2011 bis 2024 wurden rund 20 Millionen Euro in 22 oberösterreichische Tech-Start-up-Beteiligungen investiert. Derzeit seien rund acht Millionen Euro im Topf, so HTF-Chef Thomas Meneder. tech2b-Geschäftsführer Lukas Keplinger sieht einen leichten Aufwind seit 2025. So wurde erst vor wenigen Tagen mit dem Linzer KI-Start-up Straion ein Finanzierungs-Deal mit 1,1 Millionen Euro eingefädelt. Dennoch sagt auch er: „Wir haben hierzulande sicher ein Mindset-Problem.“ Die Einstellung der Jungen zum Risiko sei zu gering. Der KURIER fragte bei der Mitgründerin des wohl erfolgreichsten oö. Start-ups, Dynatrace-Chefin Sok-Kheng Taing, nach: „Welche Bedingungen sollten erfüllt sein, um ein erfolgreiches Start-up gründen zu können?“ Taing: „Gründen ist kein Geistesblitz, sondern ein Marathon aus Fokus, exzellenter Kundenerfahrung und Wachstumskapital.“ Ihr Tipp für junge Gründer: „Von der Problemstellung, der Kundenexperience und vom Markt her denken, nicht nur von der Technologie.“ Kundennutzen Gerade im KI-Bereich sei die Versuchung groß, sich in technischen Möglichkeiten zu vertiefen, „ohne einen klaren Kundennutzen und den Markt zu sehen“. Dynatrace setzte zuletzt mit 5.200 Mitarbeitern, davon 1.300 aus 70 Ländern in Linz, weltweit 1,44 Milliarden Euro um. Zum Standort sagt sie: „Je sichtbarer und attraktiver der Standort im globalen Wettbewerb wird, desto leichter gewinnen wir Talente.“ Es entstehe eine Sogwirkung. Johannes Pracher, Leiter der Gründerplattform „Startrampe“ der Sparkasse OÖ, gibt Gründern weitere Tipps: „Mutig sein, auf Menschen zugehen, mit potenziellen Kunden sprechen und andere Meinungen einholen.“ Er rät zu Flexibilität: „Eine starke Idee und eine Vision sind wertvoll, dennoch sollte man sich nicht zu sehr an sie binden.“