Iran hat damit schon lange gedroht, nun ist es passiert: Als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israel sperrte der Iran die so wichtige Meeresstraße von Hormus. Mehrere Reedereien, Ölkonzerne und Handelshäuser stellten daraufhin ihre Fahrten durch die Meerenge ein. Betroffen sind vor allem Rohöl, Treibstoff und Flüssigerdgas (LNG), aber auch andere Handelsgüter. Satellitenbilder zeigten am Sonntag, dass mindestens 150 Tanker festsitzen. Dutzende weitere liegen laut Reuters -Informationen auf der anderen Seite der Meerenge fest. Vor allem vor großen Häfen wie Fujaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Aufgrund der Kriegshandlungen warnte die US-Marine vor Fahrten in der gesamten Region – dem Persischen Golf, dem Golf von Oman, dem Nordarabischen Meer und der Straße von Hormus – da sie die Sicherheit der Schifffahrt nicht garantieren könne. Was aber ist die Straße von Hormus und warum ist sie für den Welthandel so wichtig? Die Meerenge liegt zwischen dem Oman und dem Iran . Sie verbindet den Persischen Golf im Norden mit dem Golf von Oman im Süden und dem Arabischen Meer. An ihrer engsten Stelle ist sie nur 33 Kilometer breit. Die schiffbaren Passagen in beide Richtungen sind nur drei Kilometer breit. Die zentrale Fahrrinne gilt als internationale Schifffahrtsstraße . Immense Bedeutung für die Öl- und Gastransport Wer die Straße von Hormus kontrolliert oder sie auch nur bedroht, kontrolliert die Energiepreise in Europa und Asien. Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs wird durch die Meerenge transportiert. Im vergangenen Jahr passierten den Daten der Analysefirma Vortexa zufolge täglich durchschnittlich mehr als 20 Millionen Barrel Rohöl , Kondensat und Kraftstoffe die Meerenge. Die OPEC-Mitglieder Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und der Irak exportieren den größten Teil ihres Rohöls über die Straße von Hormus . Hauptabnehmer ist Asien, vor allem China. Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), verschifft fast sein gesamtes LNG auf diesem Weg. Die führenden Opec+-Produzenten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben im Rahmen von Notfallplänen ihre Ölexporte in den vergangenen Tagen bereits erhöht. Beide Länder haben zudem versucht, alternative Routen zu finden, um die Meerenge zu umgehen. Am Sonntag entschieden die acht Mitgliedsländer der OPEC+ ihre Produktionsmengen ab April deutlich stärker anzuheben als von Analysten ursprünglich erwartet. Die Produktionserhöhung wurde mit dem stabilen Ausblick der globalen Wirtschaftslage und niedrigen Ölvorräten erklärt, der Krieg wurde mit keinem Satz erwähnt. Nervöse Rohstoff- und Aktien-Märkte Schon ein temporärer Lieferengpass – selbst nur wenige Tage – verunsichert die Märkte, bringt Lieferketten ins Wanken und treibt die Preise für Öl und Gas nach oben. Analysten rechnen daher mit einem kräftigen Preisanstieg bei Öl und Gas. "Die Ölmärkte könnten am Montag mit ihren schlimmsten Befürchtungen konfrontiert werden", heißt es in einem Bericht der Bank Bank Barclays, die nach derzeitigem Stand davon ausgeht, dass der Preis der Sorte Brent 100 US-Dollar (84,71 Euro) erreichen könnte. Aufgrund des zu erwartenden Angriffes waren die Ölpreise bereits in den vergangenen Tagen gestiegen. Am Freitag erreichte der Preis für die Sorte Brent mit 73 Dollar je Fass den höchsten Stand seit Juli 2025. Mit Spannung wird daher der Montag erwartet. An den Aktienmärkten dürften die Ereignissen am Montag ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Durch Neubewertung der Risikoprämien werden Kursverluste erwartet, wobei die Kursausschläge wie in der Vergangenheit auch nur von kurzer Dauer sein könnten. Die möglichen wirtschaftlichen Folgen Jede Störung der Energieversorgung zieht weite Kreise, weil Engpässe zu Produktionsausfällen in der Industrie führen können und so die Wirtschaft lähmen. Die steigenden Preise könnten eine neue Inflationswelle auslösen. Vor allem in China, Indien, Japan – aber auch in Europa. Auch die Transportkosten steigen. Laut einem Kommentar von Franklin Templeton berechnen die Versicherer bereits die Risikodeckung für den Krieg im Nahen Osten neu. Es werden Erhöhungen von rund 50 bis 60 Prozent gemeldet. Dadurch verschärfe sich das „effektive Angebot” an verfügbaren Öl zusätzlich. Gerade der Handel mit Flüssiggas (LNG) ist ein wachsendes Geschäft, das nach dem russischen Angriff auf die Ukraine für Europa an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen hat. Etwa 18 Milliarden Kubikmeter LNG, die durch Hormus fließen, landen jährlich in europäischen Häfen. Der Verlust dieser Mengen wäre sofort spürbar. Doch nicht nur Energie, auch Güter des Welthandels sind betroffen. Die Häfen von Jebel Ali und Khor Fakkan sind für viele Frachter Zwischenstationen auf dem Weg nach Europa, Ostafrika oder Südasien. Wer hier blockiert, trifft ganze Lieferketten. Hoher Preis für Iran Doch auch für den Iran ist der Preis für die Blockade hoch. Rund 65 Prozent seiner Staatseinnahmen stammen aus dem Export von Öl . Fast alles davon verlässt das Land durch die Straße von Hormus. Eine Selbstblockade kommt also einer wirtschaftlichen Selbstsabotage gleich – einem Schuss ins eigene Knie. Fraglich daher, wie lange die Blockade hält.