Die Geigerin Anne-Sophie Mutter weiß, wie sie ihr Publikum mitreißt. Das demonstrierte sie mit dem London Philharmonic Orchestra (LPO) und dessen Erster Gastdirigentin Karina Canellakis im Musikverein. Die Violinistin kann heute 50 Jahre auf der Konzertbühne verbuchen. Mit absoluter Losgelassenheit stürzte sie sich in Tschaikowskys Violinkonzert in D-Dur. Die Dirigentin nahm sich sehr zurück und ließ ihre Solistin gewähren. Mutter spielte absolut befreit, schwang den einen und anderen Ton über Gebühr aus. Sie lebte diese Musik. Hier ist keine von Präzision Besessene am Werk, sondern eine Musikantin, die sich austobt. Ihre Kadenz intonierte sie losgelöst, befreit, innig und setzte auf Intensität. Gedenken Die Ovationen hielten lang bis in die Pause an. Mutter unterbrach sie mit ihrer Zugabe, einem „Song“ von André Previn, den sie und das Orchester den Opfern der aktuellen Kriege widmeten. Karina Canellakis hatte mit der eher selten gespielten symphonischen Fantasie „Pohjolas Tochter“ von Jean Sibelius einen lautmalerischen Auftakt gegeben. Was sie mit Beethovens „Siebter“ ausdrücken wollte, erschloss sich nicht, eine „Apotheose des Tanzes“ klingt anders. Durch den Einsatz von Naturtrompeten und historischer Pauke ergab sich ein seltsamer Klang-Mix. Canellakis dirigiert nicht zum ersten Mal im Goldenen Saal, dennoch blieb die Balance aus. Viel Applaus.Susanne Zobl