Im aufwühlenden Ein-Personen-Stück Prima Facie spielt Anna Rieser eine Strafverteidigerin, die darauf spezialisiert war, Männer zu verteidigen, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden. Bis sie schließlich selbst zum Opfer wird ... Als Albertine ist sie in Schnitzlers Traumnovelle zu sehen und mit Halbe Leben war sie mit dem Theater der Bezirke unterwegs. Dazu drehte Anna Rieser im vergangenen Jahr den Film Noch lange keine Lipizzaner und Gnadenlos von Umut Dag. Bleibt denn da überhaupt noch Zeit zum Lesen? „Es gibt Phasen, da komme ich wenig dazu, das stimmt schon. Ich arbeite intensiv an den Rollen, die ich spiele. Oft gibt es dazu Literatur, die mir hilft, eigene Ideen zu entwickeln. Ich will Zusammenhänge verstehen, da brauche ich Input“, erklärt Anna Rieser ihre Arbeitsweise. Und fährt fort: „Umso schöner ist es, wenn ich eine Romanadaption spiele, dann bin ich gezwungen richtig zu lesen. Nicht nebenbei, sondern mit Zeit und Aufmerksamkeit. Vor Kurzem waren das zwei zeitgenössische Autorinnen: Halbe Leben von Susanne Gregor und Die Inkommensurablen von Rafaela Edelbauer. „Beide Bücher sind wirklich empfehlenswert!“ Beide Stücke waren das auch, also empfehlenswert, darüber war die Fachpresse einig. Welche Bücher haben einen Sonderplatz im Leben der Schauspielerin? „Aus Radikale Zärtlichkeit hat ein Brautpaar in seiner Rede zitiert. Ich hab das Buch danach sofort verschlungen. Es sagt: Zärtlich zu sein in einer ausgrenzenden Welt ist ein Akt des Widerstands. Liebe wird so zu einer bewussten Praxis, die Machtverhältnisse infrage stellt. Für mich ist das ein Buch, das man gelesen haben muss.“ Und? „Eigentlich jedes Buch von Stefanie Sargnagel , weil ich wirklich alle mag. Dass in Iowa Christiane Rösinger vorkommt, macht es allein schon großartig. Und Drachenläufer von Khaled Hosseini. Manche Szenen machen mich immer wieder traurig. Vielleicht, weil das Buch von einer Wirklichkeit erzählt, die für viele von uns weit weg zu sein scheint. Und doch ist das keine Vergangenheit, sondern Gegenwart.“ Wie ordnet Anna Rieser eigentlich ihren überbordenden Bücherschrank? „Ich versuche nach Genres zu ordnen. Ganz gelingt es mir nie ... Aber ein bisschen nach Farbe sortieren gefällt mir auch“, sagt sie lachend.