Wenn ein kriegerischer Konflikt ausbricht, dann funktioniert bei uns sofort alles nach Plan. Im Außenministerium wird ein Krisenstab eingerichtet, um die Lage der Landsleute im Krisengebiet zu beobachten und Evakuierungen vorzubereiten. Das Jagdkommando steht bereit, um Botschaften zu schützen oder notwendige Spezialeinsätze durchzuführen. Im Land beobachtet der Verfassungsschutz (DSN) die Lage. Seit dem Jahr 2023 gilt ohnehin eine erhöhte Terrorwarnstufe. Das hat am Samstag alles auf Knopfdruck funktioniert, nachdem die ersten Angriffe auf Teheran bekannt geworden waren. So weit, so gut. Was aber noch nicht nach Plan läuft, ist die grundsätzliche Debatte über Sicherheit und Verteidigung. Trotz des Ukrainekriegs, der mittlerweile in sein fünftes Jahr geht, trotz des noch immer nicht ganz befriedeten Gaza-Konflikts, trotz der vielen kriegerischen Handlungen und Unsicherheitsfaktoren rund um den Globus. Da landet man in Österreich in einem öffentlichen Diskussionsspektrum zwischen einer rosaroten Neutralitätsbrille und einem Weltuntergangsalarmismus. Das verbreitet Unsicherheit, weil in der Bevölkerung noch immer nicht eine klare Strategie verankert ist. Eine Meldung am Sonntag im Zuge des kriegerischen Nahost-Konflikts muss ein Weckruf gewesen sein. Da wurde vermeldet, dass iranische Raketen in Richtung Zypern abgeschossen worden sind. Das entsprach zum Glück nicht der Realität und wurde auch von zypriotischer Seite rasch dementiert, dennoch stand für kurze Zeit im Raum, dass ein EU-Land in den Konflikt hineingezogen werden könnte. Womit wir bei der EU-Beistandspflicht gelandet wären. Über diese wollte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) zu Recht vor Kurzem offensiv diskutieren, weil der Bevölkerung klargemacht werden soll, was das für ein neutrales Land wie Österreich bedeutet. Ihre Koalitionspartner ÖVP und SPÖ jedoch sahen vorerst keinen Bedarf an so einer Festlegung. Vielleicht sorgt der Nahost-Konflikt jetzt für ein Umdenken. Eigentlich hätten die Provokationen Russlands an der Grenze zur EU dafür reichen müssen. Ähnlich können die aktuellen politischen Wortmeldungen zum Heer gesehen werden. Man weiß, dass die unsicheren Zeiten eine Aufrüstung notwendig gemacht haben. Das wird umgesetzt. Man weiß aber auch, dass das Heer personell breiter aufgestellt werden muss. Ein Modell zur Verlängerung des Wehrdienstes wurde von einer Expertenkommission präsentiert. Dennoch wird das Thema in der Politik wie eine heiße Kartoffel herumgereicht, an der sich niemand die Finger verbrennen will. Selbst innerhalb der Bundesregierung. Das muss angesichts der Weltlage als fahrlässig eingestuft werden.