Kaiserpinguin und Kaiserpavillon, Futtermeister und findige Forscher, schützenswerte Arten wie Elefant und Prachtpipra, daneben ungebetene Gäste à la Hietzinger Fuchs und Reiher: Seit mehr als 270 Jahren bietet der älteste Zoo der Welt Schaulustigen eine bunte Menagerie. Christina Gschwendtner hatte nicht nur privates Interesse an dem Wiener Weltkulturerbe. Nun erzählt die freie Texterin "111 Geschichten aus dem Tiergarten Schönbrunn, die man kennen muss" ( Emos Verlag, 240 Seiten, 19,50 € ). Der mehrfach ausgezeichnete Fotograf Daniel Zupanc bebildert jede einzelne. Er kennt die Tücken, Batagur-Flussschildkröte, Orang-Utan bis Winkerfrosch ins Rampenlicht zu rücken. Nicht zuletzt hat Stefan Hering-Hagenbeck als Direktor über Giraffenpark, Gärtner, Robbenflüsterer und schillernde Schmuggelware Themen, sprich Doppelseiten, die ihm besonders am Herzen liegen. „Es hätte noch einmal genau so viele Geschichten gegeben, der Tiergarten bietet eine sehr große Bandbreite“, sagt die Autorin. Die Kombination aus historischem Erbe und modernster Tierhaltung hat Gschwendtner bei den Recherchen besonders fasziniert; sie durfte hinter die Kulissen blicken. In fundierten Häppchen will sie ihrem Publikum die Verantwortung des Zoos für Tiere, Natur und Gesellschaft näherbringen. Im zoologischen Garten geht es um Artenschutz und Teamarbeit Auf KURIER-Anfrage verweist sie denn auf Geschichte 78 Die Waldrappe : Der Tiergarten Schönbrunn hat es sich gemeinsam mit neun europäischen Instituten zur Aufgabe gemacht, die glatzköpfigen Ibisse bis 2028 wieder in Mitteleuropa anzusiedeln. Dafür werden Jahr für Jahr Küken gezüchtet, aufwendig von Hand aufgezogen und schließlich mit Ultraleichtflugzeugen auf ihrem Zug nach Andalusien begleitet. Ohne Tüftelei und Forschung gelingt das nicht. Dem entsprechend rückt auch Zoo-Direktor Stephan Hering-Hagenbeck – neben seinem engagierten Team – die wissenschaftliche Tätigkeit des Tiergartens in den Vordergrund. Mit Geschichte 66 etwa hebt er die in Wien mitentwickelte stressfreie Methode zur Geschlechtsbestimmung von Krokodiltejus hervor. Nach zwei Jahren Studium zeichnete sich der kleine Unterschied an den Schuppen der Echsen ab. Eine Blumenform identifiziert Weibchen, eine Linienanordnung weist Männchen aus. Dem Zoo-Direktor liegen Forschung und Finanzen am Herzen „111 Geschichten – so wird der Tiergarten aus vielfältigen Blickwinkeln beleuchtet“, sagt Hering-Hagenbeck und nennt den Zoo Forschungsstätte, Bildungseinrichtung, Artenschutzzentrum und Erholungsort inmitten der Großstadt. Auch die Finanzen zählt er dazu. Geschichte 10 rechnet vor, dass der zoologische Garten seit 2014 alle laufenden betrieblichen Ausgaben aus selbst erwirtschafteten Mitteln deckt. Ausnahme: die Coronajahre 2020, 2021. Da war es still vor den Gehegen, im Wüsten- und im Regenwaldhaus – siehe Geschichte 11 . Fotograf Daniel Zupanc, der seit fast zwanzig Jahren versucht, „nicht nur besondere Momente in Tiergarten festzuhalten, sondern auch dazu beizutragen, das Bewusstsein für den Schutz der Tierwelt zu stärken“, erinnert sich für den KURIER an Geschichte 56 : In Eiseskälte harrte er so lange vor der Amurleoparden -Anlage aus, bis sich der Nachwuchs aus der Wurfhöhle auf den Schnee wagte. Amurleopard, Panda und Chamäleons sind spannende Fotomotive Oder an Geschichte 85 , als er das neu zugezogene Panda-Weibchen nach vielen Stunden des Wartens beim Planschen im Wasser ablichten konnte. Mit Geschichte 89 lenkt Zupanc die Aufmerksamkeit noch auf die Chamäleons. Durch ihre Form- und Farbvielfalt geben die Leguanartigen „spannende Motive“ ab. In einem spannenden Ausblick beendet schließlich Gschwendtner ihren bunten Streifzug durch den Tiergarten Schönbrunn – 111 Der Zoo der Zukunft : Tierische Botschafter wird es auch im Zoo der Zukunft geben Expertenwissen, technische Möglichkeiten sowie die Digitalisierung werden das Leben der Tiere und deren Präsentation für Besucher auf dem 17 Hektar großen Areal prägen. Am Grundprinzip, Menschen durch tierische Botschafter – wie dem Kaiserpinguin nebst dem Kaiserpavillon – für die Natur zu begeistern, freilich sollte festgehalten werden. Im Sinne des Artenschutzes, zum Zweck des Arterhalts.