Gegen Russlands Störaktionen: Heer schickt ersten Militär-Satelliten ins All

Das österreichische Bundesheer ist endgültig im Weltraumzeitalter angekommen. Die Raumfahrtindustrie gewinnt auch für die Landesverteidigung zunehmend an strategischer Bedeutung. Satelliten sind heute eine kritische Infrastruktur – speziell für Kommunikation und Navigation. "Und damit ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Sicherheits- und Verteidigungssysteme. Der Weltraum ist heute zentraler Bestandteil der Sicherheits- und Verteidigungsstrategie Europas und auch Österreichs“, erklärt Generalmajor Friedrich Teichmann vom Cyber-Sicherheitszentrum des Bundesheeres. Know-how aus Österreich Deshalb schickt das Verteidigungsministerium auch seine ersten eigenen Satelliten ins Weltall. Die Mission unter dem Titel " Beaconsat “ ist ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt österreichischer Raumfahrt- und Technologieunternehmen zusammen mit dem Verteidigungsministerium. Gegen die Cyberangriffe Russlands Gemeinsam hat man den bislang größten in Österreich entwickelten Satelliten gebaut. Bis er ins All geschossen wird, ist aber noch jede Menge Arbeit nötig. Die Weltraummission ist für Februar 2027 mit einer SpaceX Falcon9 Rakete geplant. Ziel des Projekts und die Besonderheit an dem Satelliten ist die Detektion und Analyse von Störsignalen in der satellitengestützten Navigation (GNSS), insbesondere in Fällen von Jamming (absichtliche Störung von Funksignalen). Seit Monaten sorgt Russland damit für Schlagzeilen, dass das Militär besonders im Ostseeraum immer häufiger gezielt den Satellitenempfang stört und damit auch den internationalen Flug- und Schiffsverkehr gefährdet. "Navigation Warfare" Der Fall zeige deutlich, wie das Phänomen "Navigation Warfare“, also der gezielte Einsatz von Störsignalen, eine zentrale Rolle in aktuellen militärischen Konflikten spiele, erklärt Teichmann . GNSS-Navigation gilt heute als Schlüsseltechnologie für Autos, Flugzeuge, Schiffe und Drohnen und bildet die Grundlage für Navigation, Sicherheitssysteme und für autonomes Fahren. Wer Navigationssignale stören oder manipulieren kann, gewinnt einen strategischen Vorteil – "ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Drohnen verlieren die Orientierung, Transporte verzögern sich, kritische Infrastruktur wird anfällig“, warnt das Verteidigungsministerium . Genau hier setzt das Satellitenprojekt "Beaconsat“ an. Der Satellit verfügt über eine in Österreich entwickelte Technologie , die es ermöglicht, solche Störsignale aus dem Weltall frühzeitig zu detektieren. Verantwortlich dafür zeichnet das Grazer Unternehmen Igaspin . In jahrelanger Forschungsarbeit und bei unzähligen Tests – unter anderem am Truppenübungsplatz Seetaler Alpe – entwickelte die Firma jene Systeme, die es Satelliten ermöglichen, Navigationsstörungen aus dem All präzise zu erkennen. "Diese Daten sollen bei den Kommandanten bzw. der Truppe am Boden landen und in die militärischen Informationssysteme integriert werden. Sie liefern die Basis, um rasch Gegenmaßnahmen zu treffen“, hieß es bei der Präsentation von "Beaconsat“ bei der Firma Gate Space am Flughafen Wien-Schwechat . Das Technologieunternehmen – eine Tochterfirma der TU Wien mit knapp 30 Mitarbeitern – trägt die Gesamtverantwortung für das Weltraum-Projekt. Ausweichmanöver im All Gate Space koordiniert das internationale Konsortium und ist unter anderem für das Antriebssystems des Satelliten verantwortlich. Dem kommt maßgebliche Bedeutung zu. Mit mittlerweile 10.000 Starlink-Satelliten von Tech-Milliardär Elon Musk schwirren eine Menge "Hindernisse“ in der Umlaufbahn umher. "Jedes Ausweichmanöver, dass unser Satellit fliegen muss, verkürzt natürlich die Lebensdauer“, meint Teichmann. Der Treibstoff ist auf Grund der Größe des Satelliten freilich begrenzt. "Beaconsat" soll mehrere Jahre aus dem All Daten senden, bevor er "sauber zum Verglühen gebracht wird“, heißt es aus dem Ministerium. Man wolle keinen Weltraumschrott hinterlassen. Wie Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) erklärt, sei es wichtig, "unabhängiger und resilienter zu werden".  "Wir schicken Satelliten ins All, damit wir im Bedarfsfall Kommunikation, Navigation und Aufklärung selbst in der Hand, insbesondere auch die Datenhoheit haben. Die Welt verändert sich, wir sollten - dort, wo wir können - die Abhängigkeit von anderen reduzieren“, so die Ministerin . Das Bundesheer ist mit einem Budget von einer Million Euro an dem Satellitenprojekt beteiligt. Im Ministerium wird eigens eine neue Organisationseinheit für Weltraumservices aufgebaut.