Warum Textilrecycling zum Schuss ins Knie werden könnte

Mehr als 210.000 Tonnen Textilabfälle fallen jährlich in Österreich an. Nur rund ein Viertel davon wird derzeit getrennt gesammelt. Der Rest landet im Müll und wird verbrannt. Eine im vergangenen Jahr beschlossene neue Abfallrichtlinie der EU soll das Wachstum an Textilmüll bremsen und dafür sorgen, dass mehr Kleidungsstücke, Heimtextilien und Schuhe wiederverwertet und recycelt werden. Bis Juli nächsten Jahres muss die Richtlinie in Österreich umgesetzt werden. Viele Fragen sind aber noch unbeantwortet. Im schlimmsten Fall könnte der Textilmüll-Plan der EU dazu führen, dass europäische Hersteller Wettbewerbsnachteile erleiden, der Plan also zum Schuss ins Knie werden könnte. Das Thema sei sehr komplex und müsse von den Gesetzgebern zu Ende gedacht werden, mahnten die ARA-Vorstände Harald Hauke und Thomas Eck bei einem Pressegespräch am Montag. Vorgesehen ist ein System der erweiterten Herstellerverantwortung , wie es bereits bei Verpackungen oder Elektroaltgeräten zum Einsatz kommt. Das bedeutet, dass Hersteller von Kleidung, Heimtextilien und Schuhen für die getrennte Sammlung, Sortierung und Recycling ihrer Produkte sorgen müssen. Damit werden üblicherweise Entsorger vor Ort, wie etwa die ARA, beauftragt. Stolpersteine gibt es gleich mehrere. Den größten sehen die ARA-Vorstände darin, dass es in Europa zu wenige Abnehmer für recycelte Materialien gibt. Denn die Textilproduktion ist in der EU vergleichsweise gering, der Großteil findet in Asien statt. Dazu kommt, dass die Nachfrage nach wiederverwerteten Materialien sinkt. Auch weil Billigware aus Fernost deutlich günstiger zu haben ist als Textilien, die zumindest teilweise aus recycelter Baumwolle oder recyceltem Polyester hergestellt werden. Recyclingquoten Damit sich das Recycling für die Entsorger auch wirtschaftlich rechne, brauche es verpflichtende Recyclingquoten, wie sie ab 2030 etwa für Kunststoffverpackungen kommen sollen, sagte Dieter Schuch , der bei der ARA die Forschung und Entwicklung leitet. Je nach Polymer und Anwendung müssten T-Shirts, Hosen oder Bettdecken dann aus zwischen 10 und 35 Prozent recyceltem Material bestehen. Das Problem sei damit aber nicht gelöst. Die Quoten müssten auch streng kontrolliert werden, sagt Hauke. Und das dürfte sich bei Herstellern aus Fernost schwierig gestalten. Viele Trittbrettfahrer Fragen stellen sich aber auch bereits davor. Denn die Hersteller müssten für die Entsorgung bezahlen . Bei Verpackungen und Elektroaltgeräten wird diese Verpflichtung vor allem von Herstellern aus Drittstaaten nur lückenhaft wahrgenommen. Nach Meinung von Beobachtern spielt dabei auch der bürokratische Aufwand eine Rolle, der ihnen in Österreich auferlegt wird. Den wollen sich viele Händler nicht antun. ARA-Vorstand Hauke schätzt den Anteil der Trittbrettfahrer, also jener, die zwar Verpackungen oder Elektrogeräte in Umlauf bringen, aber nicht für die Entsorgung aufkommen, auf bis zu 20 Prozent . Die Kosten dafür tragen dann wohl oder übel die anderen Hersteller mit. Neben einer pragmatischeren Handhabung brauche es auch hier strengere Kontrollen, sagt Hauke. Weniger Probleme sehen die ARA-Vorstände bei der Sammlung und Sortierung der Textilien. Bei der Sammlung kann man auf ein eingespieltes System zurückgreifen. Dass es bei der Sortierung und beim Recyclingprozess selbst noch ungelöste Fragen gibt, etwa das Fehlen geeigneter Maschinen , räumen Hauke und Eck ein. Solange es keine verbindlichen gesetzlichen Regelungen gebe, werde aber niemand in solche Maschinen investieren.