Am Montagmorgen konnte man an Tankstellen immer noch relativ günstig tanken. In Wien St. Pölten oder Eisenstadt fand man den Liter Benzin noch um 1,45 Euro, Diesel um 1,50 Euro. Zu Mittag sah die Lage schon anders aus. Manche Tankstellen hatten die Preise um 20 Cent angehoben . Das spiegelt die Reaktion der Energiemärkte auf den aktuellen Konflikt im Nahen Osten wider. Energiemarkt-Experte: "Sind bei Eskalationsstufe eins" Der Preis für die in Europa vorherrschende Rohölsorte Brent hat im Frühhandel einen Sprung um bis zu 13 Prozent hingelegt. Später pendelte sich der Preis wieder ein, aber die Verunsicherung ist spürbar groß. "Wir sind in der Eskalationsstufe eins", sagt Energiemarktexperte Johannes Benigni von JBC Vienna. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte per Schiff führen, ist blockiert. Es geht kaum anders als durch die Straße von Hormus Anders als auf dem Seeweg ließen sich 15 Millionen Barrel Rohöl täglich kaum aus dem Persischen Golf befördern. Es gebe zwar zwei Pipelines , mit denen sich die Meerenge umgehen ließe - eine quer durch Saudi-Arabien, eine durch die Vereinigten Arabischen Emirate - deren Kapazität sei aber bereits ziemlich ausgelastet . Zerstörung von Infrastruktur wäre noch schlimmer Die nächste Eskalationsstufe wäre, wenn Israel und die USA sowie der Iran beginnen würden, Infrastruktur in großem Stile zu zerstören. "Das würde bedeuten, dass der Markt längerfristig beschädigt ist." Einen kleinen Vorgeschmack davon gab es aber bereits. Die Raffinerie Ras Tanura in Saudi-Arabien wurde von iranischen Drohnen angegriffen. Sie konnten abgewehrt werden, abstürzende Teile lösten dennoch einen Brand aus. Dieselpreise könnten stark steigen Besonders verwundbar sei Europa bei Diesel , meint Benigni. Große Mengen des fertig verarbeiteten Treibstoffs werden aus dem Nahen Osten importiert. Drohende Lieferausfälle haben sofort dazu geführt, dass Dieselpreise stark steigen. "Wir sind jetzt wieder auf dem Niveau, als die Russland-Sanktionen verkündet worden sind." Gaspreis steigt besonders stark Bei Erdgas sind die Preisanstiege dramatisch. Während Großhandelspreise in der vergangenen Woche noch zwischen 32 und 35 Euro pro Megawattstunde pendelten, sind sie am Wochenende auf über 40 Euro gestiegen. Am Montag wurden im Handel für den Folgetag knapp 50 Euro erreicht - eine Steigerung um fast 50 Prozent innerhalb einer Woche. Alternativen zu Flüssiggas aus Katar vorhanden Die Flüssiggasproduktion in Katar steht nach iranischen Angriffen still. Für die europäische Gasversorgung sei dies unangenehm. Der Kontinent habe aber ein relativ breites Spektrum an Importmöglichkeiten bei Erdgas, sagt Bernhard Painz , Vorstand von Austrian Gas Grid Management (AGGM): "Das Flüssiggas aus Katar kann kompensiert werden." Dass der Ausfall bei aktuell milden Temperaturen erfolgt, entspanne die Versorgungslage zusätzlich. Preisanstiege zeitversetzt - außer bei Floater-Tarifen Die OMV sieht die Versorgung mit Öl und Gas als gesichert an. Für den Fall einer länger andauernden Einschränkung der Schifffahrtsroute bereite man jedoch alternative Szenarien vor. Die gestiegenen Großhandelspreise bei Erdgas werden sich auf die meisten Kunden stark zeitverzögert auswirken . Nutzer von Floater-Tarifen werden sofort mehr für ihren Verbrauch bezahlen müssen. Sollte der Preis wieder sinken, profitieren sie wiederum als Erste davon. Painz: "Das ist eine Risikoabwägung der Kunden."