Letzter Vorhang für Wiener "Mozarts"

Von Franziska Trautmann Im  barocken Kostüm, mit Flyern in der Hand,  steht er fast täglich am Michaelerplatz und spricht Touristen an. Manche bleiben  stehen, andere lehnen dankend ab. Seit über 15 Jahren arbeitet Ibrahim Murtezi für das „Wiener Mozart Konzert“ als Ticketverkäufer. Viele kommen von selbst auf ihn zu. „Sie wollen mehr über die Veranstaltungen wissen oder fragen nach dem Weg. Ich helfe da gerne.“  Selbst die Wiener seien freundlich zu ihm. Jetzt könnte sich seine Karriere dem Ende neigen, denn die farblich auffallenden „Mozartverkäufer“ sollen bald aus dem Wiener Stadtbild verschwinden. Verbot ab Mai Am Sonntag verkündete Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ), dass ab Anfang Mai keine verkleideten „Mozarts“ mehr  an allen relevanten Verkaufsplätzen in der Inneren Stadt auf der Straße Tickets verkaufen dürfen. Das soll per Verordnung für den gesamten Stephansplatz , den Graben , die Kärntner Straße und den Herbert-von-Karajan-Platz vor der Staatsoper gelten. Denn die Zahl der Beschwerden von Passanten, Opernbesuchern und Touristen über das „aufdringliche Verhalten der Verkäufer“ sei gestiegen. Auch  gäbe es bei Kontrollen immer wieder Regelverstöße und es seien  regelmäßig Ticketverkäufer ohne Genehmigungen anzutreffen. Verkäufer Murtezi wusste bis dato nichts davon: „Ich finde das sehr ungerecht. Wir belästigen nicht .“ Auch sein Kollege Valon Aliu zeigt sich entsetzt über das geplante Verbot.  Er arbeitet für das Unternehmen „Vienna Premium Orchestra“ seit rund zehn Jahren. Zwar bieten sie nicht nur Mozart-Konzerte an, zählen aber mittlerweile auch zu den Mozartverkäufern aufgrund der ähnlichen Kleidung. „Wir preisen kulturelle Veranstaltungen an und verkaufen Tickets, dafür haben wir auch eine Genehmigung.“ Besonders bestürzt zeigt er sich über die damit wegfallenden Arbeitsplätze. Denn so wie er seien viele seit Jahren in dieser Branche tätig. Auf Qualität setzen Norbert Kettner , Geschäftsführer des WienTourismus , begrüßt hingegen das geplante Verbot: „Die neue Verordnung ist ein wichtiger Schritt zur Qualitätssteigerung und zum Schutz des öffentlichen Raums.“ Laut ihm setze der Tourismus in Wien auf Qualität, angebotene Tickets auf der Straße würden dieser  nicht immer entsprechen. Das sieht auch Gertraud Schmidt , Obfrau der Fachgruppe der Freizeit- und Sportbetriebe der Wirtschaftskammer Wien (WKW), so. Sie selbst ist seit mehr als 30 Jahren selbstständige Fremdenführerin. „Für die Wiener Fremdenführer ist es eine große Erleichterung“, sagt sie gegenüber dem KURIER. Denn man habe immer wieder das Problem auch mit gefälschten Tickets zum Beispiel für die Oper, die auf der Straße erworben wurden, gehabt. Laut Schmidt wurde jahrelang versucht, mit den Ticketverkäufern eine Lösung zu finden, Regeln sollen aber immer wieder gebrochen worden sein. Von gefälschten Tickets weiß Mentor Konjuhi nichts. In einem beigen Kostüm und mit einem großen gelben Schild „Buy Tickets“ verkauft er seit mehr als 25 Jahren Tickets der „Wiener Barockorchester Konzerte“ . Neben ihm fünf weiter „Mozarts“, die ihr Glück probieren. „Die Menschen kennen und mögen uns. Viele Touristen kommen auch wieder und bedanken sich bei uns“, sagt er.  Als einer von fünf Partnern der Firma habe er auch Angst um die Jobs seiner Leute – und: „Mit dem Verbot wird der Stadt Wien viel Geld entgehen.“ Ohne die Straßenverkäufer würden laut Konjuhi einige Konzertsäle leer bleiben. Radikales Kollektivverbot Auch Philipp Grünbacher macht sich Sorgen. Er ist inhabender Geschäftsführer des Wiener Mozart Konzertes . Das angekündigte Verbot sei unfair, denn „wir halten uns an die Regeln“. Ein radikales Kollektivverbot sei für ihn keine nachhaltige Lösung: „Nur weil einer Fehler macht, dürfen nicht alle darunter leiden.“ Er würde sich einen Kompromiss wünschen wie: klare Regeln, mehrere Kontrollen und Strafen, die vollzogen werden. „Ich hoffe, dass man an dieser Verordnung noch etwas ändern kann.“ Bevor das Verbot in Kraft tritt, läuft eine vierwöchige Begutachtungsfrist , in der Stellungnahmen eingebracht werden können. Ob Grünbacher das macht, ist noch offen, noch ist er nicht dazugekommen: „Heute habe ich den ganzen Tag Mitarbeiter beruhigt.“