Unfallbilanz: Haushalt oder Straße - wo passieren mehr Unfälle?

Die aktuelle KFV-Unfallbilanz macht wenig Freude: alle 3 Minuten wird in Wien jemand verletzt. Insgesamt haben sich im Jahr 2025 rund 160.300 Personen so schwer verletzt , dass sie in einem Spital ambulant oder stationär behandelt werden mussten. Interessant aber: Nach Lebensbereichen gegliedert entfielen 2025 die meisten Verletzten auf den Haushalt (334.500) , gefolgt von Freizeit/Freizeitsport (280.700), Arbeit/Schule (111.400) und Verkehr (97.800). Die am häufigsten verletzten Körperteile (über alle Unfallarten hinweg) sind die Finger (102.200 Fälle), gefolgt vom Knie (72.200) sowie von Fußgelenken bzw. Knöcheln (70.900). Im Verkehrsbereich steigt Zahl der spitalsbehandelten Verletzten Auffallend ist bei Haushaltsunfällen die starke Zunahme von Unfällen beim Gehen im Wohnbereich . Gegenüber 2024 gab es hier ein Plus von 21 Prozent auf 86.000 spitalsbehandelte Verletzte. Bei Unfällen im Straßenverkehr machen Kopfverletzungen dem Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), Klaus Robatsch ,  zunehmend Sorgen: „Im Verkehrsbereich ist die Zahl der spitalsbehandelten Verletzten im Vorjahr um mehr als sechs Prozent auf 97.800 gestiegen. Ein besonders ernstes Problem ist der hohe Anteil von Unfällen mit Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern am Gesamtunfallgeschehen.“ Aufgrund der hohen Zahl an Alleinunfällen bei Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern gibt es eine hohe Dunkelziffer an nicht polizeilich gemeldeten Unfällen, die bei den getrennt davon laufenden Erhebungen des KFV in Österreichs Spitälern ebenfalls mitberücksichtigt werden. Das KFV bekräftigt daher neuerlich seine Forderung nach Ausweitung der Helmpflicht bei E-Scootern und E-Bikes auf alle Altersgruppen, weil mit diesen Fahrzeugen besonders viele und schwere Unfälle passieren. Eine entsprechende Umsetzung ist seitens der politischen Entscheidungsträger allerdings noch immer nicht geplant. Ausweitung der Helmpflicht? Der Physiker Werner Gruber hat sich dem Thema Helmtragen im Straßenverkehr auf seine bekannt lockere Art wissenschaftlich genähert. „Mit einem Fahrrad erreicht man ohne große Anstrengung Geschwindigkeiten von 20 bis 25 km/h . Viele Menschen glauben, einen Sturz mit den Händen abfangen zu können. Tatsächlich entspricht ein Aufprall bei diesem Tempo jedoch einem Sprung kopfüber aus dem ersten Stock“, wie Gruber betont. „Trägt man hingegen einen Helm, sorgt die harte Außenschale des Helms dafür, dass sich die Kräfte bei einem Unfall auf eine größere Fläche verteilen. Die weichere Innenschale absorbiert zusätzliche Energie und wandelt diese in Wärme um“, so Gruber . Anhand eines Apfels, der in seiner Konsistenz in etwa einem Kinderkopf entspricht, demonstrierte er mit einem Hammer eindrucksvoll die Wirkung dieser Schutzmechanismen – mit und ohne Helm. Die meisten Todesopfer und Schwerverletzten im Straßenverkehr sind Erwachsene Der Appell von Gruber und dem KFV richtet sich nicht nur an Kinder, sondern an alle Altersgruppen. Der Kopf eines Erwachsenen ist ebenso verletzlich. Tatsächlich sind die meisten Todesopfer und Schwerverletzten im Straßenverkehr Erwachsene . Im Vorjahr kamen laut vorläufigen Daten insgesamt 71 Menschen bei Unfällen mit Fahrrädern , E-Bikes und E-Scootern im Straßenverkehr ums Leben. Unabhängig von der gesetzlichen Regelung empfiehlt das KFV daher allen Menschen bei der Nutzung dieser Fahrzeuge unbedingt einen Helm zu tragen.