Die aktuellen Vorwürfe gegen Andrew Mountbatten-Windsor , früherer Herzog von York, sorgen international für Schlagzeilen. Der Skandal rund um den Ex-Prinzen fand mit seiner vorläufigen Festnahme im Februar seinen bisherigen Höhepunkt. Der Historiker und Biograf Andrew Lownie , der sich intensiv mit Andrews Leben und Wirken beschäftigt hat, äußert im Interview mit der deutschen Zeitung Augsburger Allgemeine unter anderem über seine Skepsis einer möglichen Verurteilung betreffend. "Es hat kaum jemanden interessiert" Bereits im Sommer 2025 sorgte Lownie mit seiner Biografie "Entitled: The Rise and Fall of the House of York" für Aufsehen. Darin beleuchtet er Andrews Zeit als Handelsgesandter, seinen luxuriösen Lebensstil und die Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein . Mit den aktuellen Ermittlungen erhält das Werk neue Aktualität. "In meinem Buch habe ich wiederholt Fälle dokumentiert, in denen er vertrauliche und sensible Informationen weitergegeben hat", erklärt Lownie im Interview. "Doch als dies im August bekannt wurde, hat das kaum jemanden interessiert. Jetzt sind offenbar so viele belastende Informationen und so viel öffentliche Empörung vorhanden, dass die Strafverfolger sich gezwungen sahen, etwas zu tun (...)." Lange bekannte Vorwürfe Lownie zufolge hätte die Justiz schon vor Jahren gegen den ehemaligen Royal vorgehen können. "Berichte über das Fehlverhalten von Andrew gibt es seit 15 Jahren. Es gab also zahlreiche Gelegenheiten, bei denen man hätte eingreifen können. Zu verschiedenen Zeitpunkten hätten der Palast, die Regierung und auch die Justiz gegen Andrew vorgehen können – doch sie taten es nicht." Der Historiker schilderte auch, welchen Schwierigkeiten er während seiner Recherche begegnete. So habe er fünf Jahre lang vergeblich versucht, Zugang zu offiziellen Akten zu erhalten, die Andrews Tätigkeit als Handelsgesandter betreffen. "Die Regierung hat jede nur mögliche Ausnahmeregelung genutzt, um mir die Einsicht zu verweigern. Erst jetzt wurde auf Druck von Parlamentsabgeordneten beschlossen, dass die Unterlagen offengelegt werden." Zweifel an einer Verurteilung Trotz der laufenden Ermittlungen bleibt Lownie skeptisch, dass Andrew am Ende verurteilt wird. "Der Vorteil, jetzt ein Verfahren anzustrengen, läge darin, dass die Debatte sofort gedämpft würde. Sobald ein Fall vor Gericht ist, heißt es: Wir können uns dazu nicht äußern. Damit verschwindet das Thema weitgehend aus der öffentlichen Diskussion – die Geschichte ist faktisch erst einmal erledigt." Und weiter: "Ein solches Verfahren kann sich über Jahre hinziehen, bis das Interesse abgeflaut ist und viele es vergessen haben. Deshalb bin ich weiterhin nicht überzeugt, dass er am Ende zur Rechenschaft gezogen wird." Auch im Zusammenhang mit den Vorwürfen der mittlerweile verstorbenen Virginia Giuffre , die Andrew des Missbrauchs beschuldigte, rechnet Lownie nicht mit einem Verfahren. "Damit es zu einem Verfahren kommen kann, müssten Betroffene identifiziert werden und bereit sein, auszusagen – und ihre Aussagen müssten einer gerichtlichen Prüfung standhalten. Hinzu kommt, dass viele Namen in den Fluglisten von Jeffrey Epsteins Privatjets fehlen und offenbar zahlreiche Protokolle zerstört wurden." Auswirkungen auf die Monarchie Die Affäre wirft jedoch auch die Frage auf: Welche Folgen hat der Skandal für die britische Königsfamilie? Lownie betont, dass die Monarchie in der Krise auch eine Chance habe, sich zu modernisieren und transparenter zu werden. "Hält sie hingegen an einer Kultur der Abschottung fest und entsteht der Eindruck, es werde vertuscht oder der Rechtsstaat zugunsten einzelner untergraben, wird sie weiter an Vertrauen und Respekt verlieren – mit potenziell gravierenden Folgen." Besonders brisant: Sollte sich herausstellen, dass König Charles in die Vorgänge involviert war oder Untersuchungen beeinflusst hat, könnte dies weitreichende Konsequenzen haben. "In einem solchen Fall müsste er meiner Meinung nach zurücktreten", so Lownie.