Was das Impfen in den Apotheken bringen könnte

Einen neuen Anlauf in Sachen Impfen in den Apotheken hat die Regierung gestartet. Wie berichtet, will sie damit die im internationalen Vergleich niedrigen Impfraten heben. Schließlich sei das in anderen europäischen Ländern mit einem derartigen niederschwelligen Angebot auch gelungen, so der Tenor. Tatsächlich gibt es eine Reihe von EU-Staaten, in denen man sich in Apotheken impfen lassen kann. Etwa in Frankreich, wo Erwachsenen und Kindern ab elf Jahren nahezu alle Impfstoffe verordnet und verabreicht werden dürfen. In Deutschland wiederum dürfen Apotheker nur gegen Grippe (ab dem 18. Lebensjahr) und Covid (ab 12) impfen. Studien belegen Nutzen Offenbar mit Erfolg: Überblicksstudien zeigen, dass sich mit derartigen Programmen tatsächlich die Durchimpfungsraten heben lassen. Thomas Czypionka, Gesundheitsökonom am IHS, begründet dies vor allem mit der Niederschwelligkeit des Impfangebots in den Apotheken. Sie seien leicht erreichbar, der Patient könne sich ohne größeren Aufwand eine Immunisierung abholen. Die von der Ärztekammer, die sich vehement gegen das Projekt stemmt, erhobenen Sicherheitsbedenken teilt er nicht. „Sollte ein Patient nach einer Impfung einen anaphylaktischen Schock erleiden, muss er ohnehin ins Krankenhaus gebracht werden – egal, ob sich der Vorfall in einer Apotheke oder in einer Ordination ereignet“, sagt der Experte.  Für ihn könne angesichts des niedrigen Impfstatus ein zusätzliches Angebot nicht schaden. Genug Ärzte vorhanden? Nicht gelten lassen will er auch das Argument der Kammer, dass Österreich ohnehin über einen gut ausgebauten niedergelassenen Bereich mit ausreichend Impfmöglichkeiten in den Ordinationen verfüge. Schließlich seien sich alle Beteiligten darin einig, dass es aktuell zu wenige Kassenstellen gebe. Geht es nach Czypionka seien aber noch andere Maßnahmen nötig, um die Impfbereitschaft zu heben. „Begonnen bei den Berufsvertretungen, die dafür sorgen sollen, dass keine Desinformationen zum Thema Impfen gestreut werden.“ Als Beispiel nennt er etwa Hebammen, die oft Positionen vertreten würden, die nicht der evidenzbasierten Medizin entsprechen würden. Doch auch die Ärztekammer würde mitunter zu wenig gegen pseudowissenschaftliche Methoden in der Medizin unternehmen. Apropos Ärztekammer: Dass sie rein aus wirtschaftlichen Interessen gegen das Impfen in der Apotheke zu Felde zieht, glaubt der Wiener Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer nicht: „Nach dem Motto ‚Wehret den Anfängen‘ will sie nicht, dass man beim Impfen den Ärztevorbehalt beseitigt.“ Er gilt für Tätigkeiten in Diagnostik und Therapie, die ausschließlich Ärzten vorbehalten sind. Würde man ihn beim Impfen aufheben, könnte er auch in anderen Bereichen hinterfragt werden. Geschäft sei das Impfen für die Ärzte jedenfalls keines, so Pichlbauer. „Wäre es so, würden die Ärzte das Impfen viel intensiver bewerben. Dann hätten wir auch höhere Impfraten.“