Shoppingcenter: Diskonter rein, Modehändler raus

Die Boomjahre bei Shoppingcentern sind schon länger vorbei. Neue Projekte gab es in den vergangenen beiden Jahren nur wenige. Das einzige namhafte, das 2025 eröffnete Supernova-Einkaufszentrum in Villach, belebt ein ehemaliges Möbelhaus der 2024 final in die Pleite geschlitterten Kika/Leiner-Kette neu. Hauptmieter ist der Billiganbieter Woolworth, der derzeit massiv in Österreich expandiert. Das Bild ist bezeichnend. Diskonter sind in Shoppingcentern auf dem Vormarsch. Das Gros der ohnehin bescheidenen Zahl von fünf Neuzugängen geht auf Erweiterungen zurück oder fand in aufgelassenen Kika/Leiner-Standorten statt. Das hat auch umweltfreundliche Aspekte. Die Neuversiegelung von Böden durch Shoppingcenter lag in den vergangenen beiden Jahren bei Null, wie eine am Dienstag präsentierte Erhebung der Beratungsgesellschaft Standort+Markt ergab. Besucherzahlen stagnieren Die Marktzahlen der heimischen Einkaufs- und Fachmarktzentren sind insgesamt wenig berauschend. 570 Mio. Besucherinnen und Besucher bedeuten einen leichten Rückgang im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung vor zwei Jahren. Die Umsätze legten geringfügig um 5 Prozent auf 800 Mio. Euro zu. Real bedeutet das wegen der hohen Inflation der vergangenen Jahre allerdings ein leichtes Minus, wie Roman Schwarzenecker von dem Beratungsunternehmen vorrechnete. Die Anzahl der Shops verringerte sich seit Ende 2023 um 44 , die Verkaufsflächen nahmen leicht auf 3,6 Mio. Quadratmeter zu. Insgesamt zählte Standort+Markt Ende 2025 in Österreich 251 Shoppingcenter mit rund 8.600 Shops . Immerhin wird noch jeder fünfte Euro im österreichischen Einzelhandel dort verdient. Plus bei Leerständen Zugenommen haben die Leerstände. Bei Einkaufszentren im urbanen Raum betrug die Quote 6,3 Prozent , bei den Fachmarktzentren auf der grünen Wiese war sie mit 3,6 Prozent geringer. Zusammengenommen ergibt das ein Leerstandsplus von knapp einem Prozentpunkt. Brigitte Moser von Standort+Markt spricht von einem europaweiten Trend . Leerstand werde zum Thema. Fachmarktzentren seien durch die stärkere Orientierung am Kurzfristbedarf mit Supermärkten und Drogerien allerdings resistenter als Einkaufszentren. In den Fachmarktzentren verschiebt sich der Branchenmix seit längerem in Richtung Grundversorgung. Deutlich an Fläche verloren hat die Bekleidungsbranche . Stabil geblieben sind Gastronomie , geringfügig gewachsen sind Sport, Spielwaren und Bücher . Deutlich gewachsen sind die Diskonter . Allein durch Woolworth kamen 35 Shops in den heimischen Shoppingcentern dazu. Auch Action und Tedi sind stark vertreten. Fitnesscenter nehmen zu Generell sei in den heimischen Einkaufs- und Fachmarktzentren eine Umorientierung in Richtung Freizeitangebote , insbesondere Fitnesscenter, zu beobachten, heißt es in der Erhebung. Sie fungieren als wichtige Frequenzbringer und können auch Geschäftslokale mit minderer Standortqualität nutzen. Standort+Markt-Berater Schwarzenecker ist für die Zukunft der heimischen Shoppingcenter dennoch zuversichtlich. Gute Chancen sieht er für großflächige Shopping-Malls mit einem dichten Freizeitangebot und auf Nahversorgung fokussierte Einkaufs- und Fachmarktzentren. Mittelgroße Shoppingcenter, die für die Nahversorgung zu groß, für ein erweitertes Angebot aber zu klein sind, dürften nach Einschätzung des Experten Probleme bekommen.