Noch am Montag haben die Aktienbörsen weltweit überraschend relativ entspannt auf die Ereignisse am Persischen Golf reagiert. Die Verluste hielten sich in Grenzen, zum Teil schlossen sie sogar im Plus, wie etwa Schanghai oder New York. Dafür kam es gestern, Dienstag, knüppeldick. Viele Indizes mussten Einbußen zwischen rund drei und vier Prozent hinnehmen. Nachdem zu Wochenbeginn es vor allem Tourismus- und Airlinetitel traf, ging es gestern querbeet abwärts. Die Blockade der Straße von Hormus rückte in den Mittelpunkt. „Der Fokus der Kapitalmärkte liegt aktuell auf dem Risiko einer Eskalation sowie der sicheren Versorgung mit Energie, insbesondere durch die Straße von Hormus“, fasste Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie beim Vermögensverwalter BlackRock, die Sorgen der Marktteilnehmer zusammen. Von intakten Lieferketten abhängige Branchen wie Einzelhandel und Industriegüter standen unter Druck, während sich die defensiven Nahrungs- und Pharmatitel besser hielten. Allerdings kam es selbst hier zu merklichen Verlusten, ebenso bei Ölwerten, die trotz der weiter gestiegenen Ölpreise schwächelten. Die OMV etwa verlor mehr als drei Prozent, der Wiener Leitindex ATX mehr als vier Prozent, für den DAX in Frankfurt lief es nur geringfügig besser. Die US-Märkte starteten mit bis zu minus zwei Prozent. Gold Der Goldpreis fiel am Dienstag und notierte zeitweise um mehr als 4 Prozent tiefer. Der Preis sank im Laufe des Tages auf bis zu 5.151 Dollar je Unze, nachdem er zuvor auf den niedrigsten Stand seit dem 20. Februar gefallen war. Auch andere Edelmetalle gaben stark nach. Der Silberpreis fiel um 9,1 Prozent. Auf den ersten Blick ist dies verblüffend, da Gold als Krisenwährung gilt. Doch Investoren schichten derzeit angesichts der Auswirkungen des US-israelischen Luftkriegs gegen den Iran um und bevorzugen den Dollar statt Gold als sicheren Hafen. Zudem reduzierten Händler ihre Erwartungen an Zinssenkungen aufgrund von Inflationssorgen. „Der Dollar legt absolut rasant zu, ebenso wie US-Staatsanleihen, und das sorgt für starken Gegenwind für Gold und insbesondere für Silber“, sagte der unabhängige Analyst Ross Norman. „Als großer Ölproduzent und Emittent der Weltreservewährung dürften die USA als sicherer Hafen für Anlegergelder wahrgenommen werden“, so Kathy Jones, Chefstrategin beim Schwab Center for Financial Research. Der Euro fiel zum Dollar unter 1,16. Somit stieg der Dollar zum Euro um rund ein Prozent auf den höchsten Stand seit November. Eine stärkere US-Währung macht in Dollar notiertes Gold für Käufer mit anderen Währungen in der Regel teurer, und höhere Renditen erhöhen die Kosten für das Halten des unverzinsten Metalls. Obwohl Gold langfristig als Absicherung gegen Inflation gilt, kann höhere Inflation auch zu höheren Realrenditen und einem stärkeren Dollar führen, wodurch die Kreditkosten länger erhöht bleiben und die Nachfrage nach dem unverzinsten Metall gedämpft wird.