Was brauchen Schüler, um sie auf die digitale Welt vorzubereiten?

Kaum ein Bereich hat sich in den vergangenen 20 Jahren dermaßen schnell und radikal geändert wie die Medien , das mussten alle etablierten Medienhäuser durchaus schmerzlich beobachten. Zuerst durch die Sozialen Medien wie Facebook, Tiktok, Instagram, Whatsapp oder Snapchat, und seit 2022 auch durch die KI-Chatbots (ein Chatbot ist ein Computerprogramm, das Gespräche mit Menschen simulieren kann). Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) will der neuen digitalen Medienwelt auch im Schulalltag Raum geben und die Schülerinnen und Schüler in einem eigenen Fach „Medienbildung“ besser im Umgang damit schulen. Diverse Studien würden klar zeigen, dass die Mediennutzung zunehme und bei vielen Jugendlichen oft ein problematisches Ausmaß erreiche. Dazu kämen Themen wie Cybermobbing oder Desinformation, die längst zu neuen Problemen im Schulalltag führen. Da die Jugendlichen nicht einfach ein zusätzliches Fach in der Schule meistern können, hatte Wiederkehr vorgeschlagen, bei Fächern wie Latein oder der zweiten lebenden Fremdsprache Unterrichtsstunden zu reduzieren – und das kam gar nicht gut an. Nobelpreisträger, Bildungsexperten und Pädagogen sehen das Vorhaben mit viel Skepsis und Kritik. „Medienbildung. Jetzt“ Am Dienstag brachte eine neue Initiative jedoch frischen Rückenwind für Wiederkehrs Begehren: Um die Auseinandersetzung auf eine sachliche Ebene zu heben, hat sich die „Initiative Medienbildung. Jetzt“ formiert. Deren Experten aus unterschiedlichen Disziplinen sehen in den Vorschlägen des Bildungsministeriums nämlich durchaus viel Positives. „Medien sind für Menschen keine Nebensache, denn Menschen können sich mit sich selbst und mit anderen nur mit Medien verständigen. Das fängt mit Gebärden an und geht über die gesprochene Sprache bis zu Handynachrichten. Medien sind für Bildung unverzichtbar“, erklärt etwa Christian Swertz, Universitätsprofessor für Medienpädagogik. Mit einem eigenen Unterrichtsfach wäre es endlich möglich, verschiedene Mediensprachen wie die Social-Media-Sprache zu vermitteln. Damit könnten die „Souveräne“ der Demokratie, also die Jugendlichen, lernen, wie sie in Wirtschaft, Staat, Freundeskreis und Familie frei, solidarisch und selbstständig handeln, so der Experte. Auch der Soziologe Kenan Güngör unterstützt die Initiative. Er sieht insbesondere die KI als „technologischen Umbruch historischen Ausmaßes“: Dieser Wandel werde auch die Schule grundlegend verändern. Entscheidend sei nicht, ob wir diese Entwicklung wollen, sondern ob wir sie demokratiestärkend gestalten, sagt Güngör. Nötig sei jedenfalls eine „kritische KI- und Algorithmuskompetenz“. Die zentrale Frage sei: „Was brauchen Kinder und Jugendliche, um sie auf eine digital geprägte Welt vorzubereiten?“, fasst der Koordinator der Initiative, Alexander Zach, das Anliegen zusammen. Das könne nicht nur einfach nebenbei in den Schulen unterrichtet werden.