Seit über zwanzig Jahren ist Nadja Maleh eine fixe Größe in der österreichischen Kabarett-Szene. Kein Wunder, diese Frau weiß, wie man das Publikum mitreißt, und das auch in düsteren Zeiten. Denn diese lässt sie keine Schatten auf ihr Schaffen werfen. Gemeint ist der aktuelle Krieg im Iran. Was sie das angeht? Immerhin ist die gebürtige Wienerin Tochter eines syrischen Arztes. Sei’s drum. Sie sei halb syrisch, halb tirolerisch, also eine Hälfte ist „arisch“, sagt sie. Denn die Mutter ist gebürtige Tirolerin und Psychotherapeutin. Sie selbst ist ein „Zuckergoscherl“ , so heißt ihr aktuelles Programm. Die Betonung liegt auf „Goscherl“, nämlich ihrer Scharfzüngigkeit. Mit feiner Klinge und enormer Bühnenpräsenz teilt sie aus, gegen die Bürokratie, gegen Schönrednerei und hier kommt sie, allerdings erst nach der Pause, auf das Thema Krieg. Dass man dazu heute „militärische Spezialaktion“ sagt, nennt man „Sugarcoating“. Wie Streusel streut sie ihre Spitzen gegen Rechts aus. Da fällt plötzlich der Satz: „Brauner Zucker ist gesünder als weißer.“ Man stutzt. Irrtum. Das sei ein Mythos, erklärt sie. Vegetarierin! Ihr Monolog fließt wie aus einem Guss. Von den unaussprechlichen Namen ihrer Familie und ihrer Cousinen kommt sie auf ihre Kindheit, auf die Ferien bei ihrer Tiroler Großmutter. Als 16-jährige konfrontierte sie diese mit ihrem Outing. Was kommt jetzt? Das Schlimmste für die Tirolerin. Die Enkelin ist Vegetarierin. Ihre Speckknödel will der „Saufratz“ nicht mehr. Fatal. Und schon ist sie beim nächsten Highlight. Als ungarische Podcasterin gibt sie Verzweifelten Ratschläge und kommt auf die Problematik „Equal-Pay“. Warum arbeiten in der Gleichbehandlungsstelle nur Frauen? Weil sie billiger sind. Wie an einem fein gesponnenen Zuckerfaden hantelt sie sich durch den ersten Teil, doziert von der Entdeckung des Zuckerrohrs in Persien (auch hier nichts explizit zur aktuellen Situation im Iran), kommt zum „Orakel von Elfi“, das so gescheit ist, auf die Runkelrübe, von der auch Napoleon profitiert hat. Das alles verbindet sie mit Kritik an ungebildeten Erzieherinnen im Kindergarten. Ihr Exkurs zu „Doktorspielen“ in der Schweiz müsste nicht sein, aber dafür entschädigt ihr Ausflug zur SOKO Mumbai. Wenn Maleh eingangs die Frage stellt: Macht Zucker dumm? Jenseits des Großen Teichs ist das gut möglich. Aber nicht, wenn er so verabreicht wird, wie von ihr, garniert mit tollen Songs und das auch noch ganz ohne Kalorien. Ovationen.