Auf was würden Sie beim Fasten am ehesten verzichten, wurden die Teilnehmenden in einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts für die deutsche Krankenkasse DAK-Gesundheit gefragt: Drei Viertel (75 Prozent) nannten an erster Stelle Alkohol , Süßigkeiten (71 Prozent) und Fleisch (52 Prozent) rangierten dahinter. "Ein Verzicht auf Alkohol für einige Wochen hat, wenn man sonst regelmäßig alkoholische Getränke konsumiert, sehr positive Auswirkungen auf den Körper", sagt der Leberspezialist Tobias Böttler zum KURIER. Er leitet das Gerok-Leberzentrum der Medizinischen Klinik II am Universitätsklinikum Freiburg, Deutschland. "Für eine bereits belastete Leber kann das zu einem Neustart werden." Alkoholverzicht: Geht mir etwas ab? "Alkoholverzicht verbessert bei vielen Personen die Schlafqualität , steigert ihre Leistungsfähigkeit , erhöht die Konzentrationsfähigkeit und tut auch der Stimmung gut", sagt Böttler. "Wichtig ist, dass man sich in dieser Zeit Gedanken über seinen Konsum vor und nach der Fastenzeit macht: Brauche ich den Alkohol, um mich entspannen zu können? Geht mir etwas ohne Bier oder Wein am Abend ab?" Ein Verzicht auf Alkohol für einige Wochen hat, wenn man sonst regelmäßig alkoholische Getränke konsumiert, sehr positive Auswirkungen auf den Körper. Tobias Böttler / Leberspezialist Ein alkoholfreier Monat dürfe aber nicht zur Rechtfertigung für einen hohen Konsum in der restlichen Zeit des Jahres werden: "Letztlich ausschlaggebend, ob es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt, ist die Gesamtmenge Alkohol über das ganze Jahr hinweg." Wie vorübergehender Alkoholstopp auf den Körper wirkt Im Rahmen einer 2018 publizierten britischen Studie (British Medical Journal Open) verzichteten 94 Teilnehmende (Durchschnittsalter 45,5 Jahre) ein Monat lang komplett auf Alkohol. Es waren Personen mit einem sehr hohen täglichen Konsum (knapp zwei große Bier jeden Tag). Die Kontrollgruppe mit ähnlich hohem Konsum änderte an ihrem Trinkverhalten nichts. Das Ergebnis: In der Abstinenzgruppe sank der Blutdruck im Schnitt um 6,6 Prozent (systolisch, erster Wert) und um 6,3 Prozent (diastolisch, zweiter Wert). Die Alkoholabstinenz reduzierte die Konzentration der zwei Wachstumsfaktoren VEGF und EGF im Blut. Erhöhte Mengen dieser beiden chemischen Botenstoffe werden mit der Entstehung von mehreren Krebsarten in Zusammenhang gebracht. "Sie sind Schlüssel-Moleküle im mehrstufigen Fortschreiten von Krebs", heißt es in der Studie. In der Gruppe mit fortgesetztem hohen Alkoholkonsum zeigte sich keine Reduktion. Verbessert hat sich durch den Alkoholverzicht auch die Insulinwirkung – bei Teilnehmenden mit Insulinresistenz ging diese zurück, was das Diabetesrisiko senkt. Auch die Blutfett- und die Leberwerte verbesserten sich. "In der Regel reduziert ein Monat ohne Alkohol auch das Verlangen in der Zeit danach ", sagt Böttler. "Das Craving geht zurück, das ist ein sehr positiver Effekt und erhöht das Bewusstsein für das eigene Konsumverhalten." Eine Studie der britischen University of Sussex mit 800 Personen, die 2018 am "Dry January" teilnahmen, ergab: Auch noch ein halbes Jahr danach tranken die Teilnehmenden insgesamt weniger . Die Zahl der Tage pro Woche mit Alkoholkonsum ging von 4,3 auf 3,3 zurück. 71 Prozent bemerkten, dass sie keinen Alkohol benötigen, um Spaß zu haben. 80 Prozent hatten das Gefühl, mehr Kontrolle über ihren Alkoholkonsum zu haben. Und 93 Prozent berichteten von einem sehr positiven Gefühl, etwas erreicht und geleistet zu haben. Fazit für Böttler: "Ein abstinenter Monat kann ein erster, wichtiger Schritt hin zu einem bewussteren Umgang mit Alkohol sein." Und abgesehen von allen positiven Auswirkungen auf Körper und Psyche zeigte die Studie der Universität Sussex auch einen nicht zu verachtenden weiteren Effekt: Ein Monat ohne Alkohol führt auch zu mehr Geld in der Geldbörse am Ende des Monats .