Seit Samstag tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten . Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern. Bleiben Sie außerdem mit unserem Live-Ticker zum Iran-Krieg auf dem neuesten Stand. Iran Israel und die USA setzten ihre flächendeckenden Luftangriffe im Land fort. Regierungsgebäude in der Hauptstadt Teheran wurden besonders heftig bombardiert. US-Kriegsminister Pete Hegseth erklärte bei einer Pressekonferenz, man werde bald die totale Lufthoheit erlangt haben. Dann kämen Bomberflugzeuge der US-Luftwaffe zum Einsatz. Das iranische Militär geht dagegen erstmals massiv gegen kurdische Gruppen vor - im Westen des Landes, aber auch im benachbarten Irak. Regimetreue Medien verbreiteten Videos, die Raketenangriffe auf "anti-iranische Seperatisten" zeigen sollen. Warum das wichtig ist: Die USA wollen offenbar kurdische Milizen davon überzeugen, in Richtung Teheran zu marschieren. US-Präsident Donald Trump telefonierte schon am Dienstag mit Kurdenführern, die CIA soll bereits vor Kriegsbeginn Waffen geliefert haben. Im Iran, Irak, Syrien und der Türkei leben mehr als 30 Mio. Kurden, sie kämpfen seit Jahrzehnten für einen eigenen Staat. In Syrien waren kurdische Milizen erfolgreich im Kampf gegen den IS und das Assad-Regime, verloren zuletzt aber deutlich an Boden. Libanon Israel bombardierte erneut mehrere Kommandozentren der Terrormiliz Hisbollah im Süden der Hauptstadt Beirut. Dabei sollen drei Menschen getötet worden sein. Ein hochrangiger Hamas-Funktionär namens Wassim Atallah al-Ali wurde bei einem israelischen Drohnenangriff auf ein palästinensiches Flüchtlingslager im Norden des Libanon getötet. Auch seine Frau kam dabei ums Leben. Israels Armee rückte im Südlibanon weiter vor und eroberte weitere Dörfer. Die vor Ort stationierten UNO-Friedenstruppen UNIFIL bestätigten "direkte Gefechte" zwischen israelischen Truppen und Hisbollah-Kämpfern. Warum das wichtig ist: Israel behauptet, die Gebiete im Südlibanon nur zur Errichtung einer "Pufferzone" zu erobern. In vergangenen Konflikten, auch seit dem 7. Oktober 2023, eroberte Israel aber bereits Teile des Südlibanon - und hält diese selbst nach Waffenruheabkommen mit der Hisbollah bis heute besetzt. Israel Luftalarmsirenen heulten in der Nacht auf Donnerstag erneut in etlichen Teilen des Landes auf. Raketen flogen aus dem Iran und aus dem Libanon in Richtung israelischer Städte. In Jerusalem und Tel Aviv gab es Explosionen, aber keine Verletzten, so die Regierung. Am Mittwoch seien Dutzende Israelis bei Luftangriffen verletzt worden. Warum das wichtig ist: Es ist nicht klar, wie viele Luftabwehrraketen Israel noch vorrätig hat. Aktuell wird der Großteil der Luftangriffe weiter abgefangen, doch der Iran und die Hisbollah setzen auf große Mengen an Geschossen, um die Luftabwehr Israels zu überfordern. US-Kriegsminister Hegseth wies Israel an, "bis zum Ende durchzuhalten". Die Zahl der iranischen Luftangriffe gehe täglich zurück, weil die USA iranische Raketenstartvorrichtungen zerstören. Türkei Eine neue Flüchtlingswelle ist erwartbar, die türkische Regierung bereitet sich bereits darauf vor: Entlang der Grenze zum Iran und zum Irak wolle man eine Pufferzone mit Zeltlagern einrichten und so vorerst Platz für 90.000 Menschen schaffen. Eine iranische Rakete wurde am Mittwochnachmittag unmittelbar vor der Küste der türkischen Provinz Hatay von der NATO-Luftabwehr abgefangen. NATO-Analysten gehen davon aus, dass der Iran die Türkei absichtlich angegriffen hat. Die türkische Regierung drohte: "Jede feindselige Handlung wird im Rahmen des Völkerrechts angemessen beantwortet". Warum das wichtig ist: Die Türkei ist nach den USA der militärisch zweitstärkste NATO-Staat. Der Artikel 5 des NATO-Vertrags sieht vor, dass ein Angriff auf ein NATO-Mitglied wie ein Angriff auf alle Mitglieder zu behandeln ist. Der Angriff birgt also die Gefahr, europäische Staaten in den Krieg hineinzuziehen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte beruhigte jedoch am Abend: Das Ausmaß des iranischen Angriffs rechtfertige noch lange keine Bündnisreaktion. USA Der US-Senat stimmte am Mittwochabend (Ortszeit) darüber ab, ob das US-Militär seine Kriegshandlungen gegen den Iran beenden müsse. Der Beschluss scheiterte mit 52 zu 47 Stimmen, weil fast alle republikanischen Abgeordneten dagegen stimmten. Warum das wichtig ist: Juristen in den USA streiten darüber, ob Donald Trump den Krieg gegen den Iran eigenständig hätte beginnen dürfen. Laut Verfassung darf nur der US-Kongress Kriege erklären. Trump und die Republikaner behaupten, es handle sich nur um begrenzte Luftschläge zur Verteidigung der nationalen Sicherheit - solche darf der US-Präsident als Oberbefehlshaber anordnen. Kuwait Ein Öltanker explodierte am Donnerstagmorgen vor der Küste Kuwaits. Niemand wurde dabei verletzt, aber das gelagerte Öl rinnt seither unkontrolliert aus. Der Kapitän meldete, ein "kleines Schiff" sei davongefahren, kurz bevor die Backbordseite des Schiffs explodierte. Warum das wichtig ist: Zwar wurden bisher schon mehrere Tanker und Frachtschiffe in der Region von Raketen- und Drohnenangriffen getroffen, zu einer Umweltkatastrophe kam es bisher noch nicht. Dieser Angriff könnte eine solche auslösen. Sri Lanka Ein US-U-Boot versenkte ein iranisches Kriegsschiff in internationalen Gewässern vor der Küste Sri Lankas. Laut US-Kriegsminister Pete Hegseth war es der erste U-Boot-Angriff der USA seit dem Zweiten Weltkrieg. Die iranische Regierung meldete bereits 80 tote Besatzungsmitglieder, 60 weitere werden vermisst. Warum das wichtig ist: Der Angriff fand mehr als 3.000 Kilometer vom Iran entfernt statt. Sollten sich die Kriegshandlungen künftig auf internationale Gewässer in entfernten Regionen ausweiten, wäre das noch disruptiver für den internationalen Schiffverkehr - und damit für den Welthandel.