Sozial isoliert: Ältere Menschen häufig Opfer von Gewalt

Ältere Personen haben ein besonders hohes Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. Zudem kann eine Pflegebedürftigkeit die Beziehungsdynamik gravierend ändern. Gewalt an älteren Personen tritt entweder durch den Partnerin, die Partnerin oder durch Pflegekräfte bzw. pflegende Angehörige auf. Die Projektgruppe zum Thema „Gewalt an älteren Menschen“ im Gewaltschutzzentrum OÖ beschäftigt sich laufend mit der Thematik und vernetzt sich mit anderen Einrichtungen. Die Opfer sind häufig sozial isoliert , sodass Gewalt im Umfeld weniger auffällt. Zudem sind ältere Menschen oft in ihrer Mobilität und Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt, was es besonders schwierig macht, sich Unterstützung zu holen. „Frauen, die seit Jahrzehnten Opfer von partnerschaftlicher Gewalt sind, fällt es besonders schwer, sich aus einer solchen Beziehung zu lösen“, erklärt Eva Schuh , Geschäftsführerin Gewaltschutzzentrum OÖ. Abhängig & ohne finanzielle Mittel „Ältere Frauen sind oft materiell vom Partner abhängig und verfügen über nur unzureichende eigene finanzielle Mittel. In dieser Generation ist auch das Thema Scheidung viel schambehafteter. Die Hürde, die Polizei zu rufen, scheint für sie noch größer zu sein.“ Ein weiterer Risikofaktor ist die Überforderung durch die Pflege des eigenen Partners/der eigenen Partnerin . Außerdem können gewisse altersbedingte Erkrankungen die Persönlichkeit verändern, was zu Aggression führt. Auch Pflegekräfte und Angehörige können mit der Versorgung von älteren Menschen überfordert sein. Es kommt zu Pflegefehlern oder auch zu Vernachlässigung . Die Gewaltformen umfassen physische, psychische sowie sexualisierte Gewalt. Durch das Installieren von professionellen Pflegedienstleistungen ist es möglich, die Situation deutlich zu verbessern. Versorgung muss immer gewährleistet sein Bei Pflegebedürftigkeit steht auch die Polizei immer wieder vor der Herausforderung, dass trotz Ausspruch eines Betretungs- und Annäherungsverbotes die Versorgung gewährleistet werden muss – egal ob es sich um den Täter oder das Opfer handelt. Wenn die Wegweisung ausgesprochen wird, kommt die pflegebedürftige Person meist vorübergehend ins Krankenhaus. „Es bräuchte daher aus unserer Sicht schnell verfügbare Pflegeplätze, beispielsweise für die Dauer einer Einstweiligen Verfügung“, sagt Schuh. „Frauen mit Pflegebedarf können in den Frauenhäusern in der Regel nicht betreut werden.“ Die Projektgruppe „Gewalt an älteren Menschen“ besteht im Gewaltschutzzentrum OÖ aus zwei Beraterinnen und einem Berater, welche sich laufend mit der Thematik beschäftigen, fortbilden sowie mit anderen Einrichtungen vernetzen. Dies soll gewährleisten, dass bei Problemstellungen in der täglichen Beratung auf die Expertise der Projektgruppe zurückgegriffen werden kann.