Massenschlägerei: „Sie sind Feinde, man muss das erwarten“

Eigentlich war die Khamenei-Gedenkveranstaltung in der Richard-Neutra-Gasse am Dienstagabend schon vorbei. Auch die Gegendemo, die Exil-Iraner zur gleichen Zeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite abhielten, hatte sich bereits aufgelöst. Die Polizei war ebenfalls schon abgezogen. Das kritisiert nun eine derVeranstalterinnen der Gegendemo. Denn gegen 22 Uhr war die trügerische Stille wieder vorbei. 70 Personen, die zuvor an der Trauerfeier und auch an der Gegendemo teilnahmen, kamen zurück und gingen mit Holzbrettern aufeinander los. Auf Videos sind schreiende Menschen zu sehen, einige Männer lagen blutüberströmt am Boden. Die Polizei wurde alarmiert und rückte mit zahlreichen Einsatzkräften an – zu spät, findet Shiva Shabanian, eine der Veranstalterinnen der Gegendemonstration. „Sie hätten wissen müssen, dass diese Situation keine normale Demo war. Die sind Feinde, das heißt, man muss wissen, dass so etwas passieren kann“, kritisiert Shabanian. Aufgrund der außenpolitischen Situation hätte sie sich gewünscht, dass die Polizei bleibt, bis alle Personen abgezogen waren. Einsatz um 21.30 vorbei Von der Polizei hieß es, dass der Einsatz gegen 21.30 Uhr offiziell beendet war. „Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur noch wenige Kundgebungsteilnehmer vor Ort, die Gegenstände wegräumten“, erklärte Polizeisprecher Markus Dittrich. Bei den Männern, die die Gedenkveranstaltung besucht haben, handelte sich um regimetreue Iraner sowie um Mitglieder afghanischer Gemeinschaften; auf der Straße waren vor allem Exilanten, die gegen die Islamische Republik und das Regime protestierten. Insgesamt wurden neun Personen verletzt, laut Veranstalterin Shabanian waren sechs davon Teilnehmer der Gegendemonstration. "Ein Zentrum der Provokation" Für sie war es keine Überraschung, dass die Situation derart eskalierte. „Das ist kein islamisches Zentrum, sondern ein Zentrum von Provokation der Iran-Community. Dieses Zentrum hat noch nie etwas für Exil-Iraner gemacht. Und dann heißt es aber, es das Zentrum für ,die‘ Iraner“, sagt Shabanian. Sie wünsche sich, dass das Zentrum geschlossen wird. Verein sorgte für Schlagzeilen Gegen die Eröffnung des Zentrums war von Anfang an auch der Bezirk. Kommunikation zwischen dem Zentrum und dem Bezirk gebe es bis heute nicht, sagt der Bezirksvorsteher von Floridsdorf, Georg Papai (SPÖ). Auseinandersetzungen wie jene am Dienstag habe es bisher aber noch nicht gegeben. Einmal mehr forderte Papai mehr Polizisten für Floridsdorf. Mehr gäbe es von Bezirksseite aber nicht zu tun. Denn fremden Staaten ist es genauso wie internationalen Organisationen erlaubt, Grundstücke in Österreich zu erwerben, sagt August Reinisch, Professor für internationales Recht an der Uni Wien. Das „Imam Ali Zentrum“ wurde in den 1990er-Jahren in Mariahilf als religiöses Zentrum für Schiiten gegründet. Im Jahr 2017 kaufte die Islamische Republik Iran die Liegenschaft in Floridsdorf, das Zentrum übersiedelte. Der Verein sorgte auch schon für Schlagzeilen, etwa wegen der Verbreitung eines homophoben Youtube-Videos oder des Versuchs, in Floridsdorf trotz Verbots eine illegale Moschee auf einem Grundstück des Iran zu errichten.