Pinguine. Eigentlich hätten Pinguine die Helden von Daniel Chongs erstem Pixar-Film „Hoppers“ werden sollen. Mit dieser Idee aber kam er nicht weit: „Keine Pinguin-Filme mehr“, ließ ihn Pete Docter, Chef des legendären Pixar-Animationsstudios, unmissverständlich wissen. Daniel Chong musste zurück an den Start. Er begann, sich mit Bibern und deren Lebenswelten zu beschäftigen, erzählt er im KURIER-Interview: „Da habe ich gemerkt: Biber sind echt cool! Wir machen einen Film über Biber!“ Sechs Jahre später – also jetzt – läuft „Hoppers“ in den Kinos. Im Mittelpunkt steht Mabel, eine radikale Tierschützerin und Umweltaktivistin. Wenn sie Ruhe von der Welt braucht, zieht sie sich in den Wald und an das Ufer eines von Bibern bewohnten Teichs zurück. Ihr Idyll gerät in Gefahr, als ein karrieresüchtiger Bürgermeister eine Umfahrungsstraße durch ihr Biotop bauen will. Durch Zufall erfährt sie von einem wissenschaftlichen Experiment namens „Hopping“: Es ermöglicht – ähnlich wie in „Avatar“ – menschliches Bewusstsein in Tierroboter zu übertragen und deren Sprache zu verstehen. Flugs schlüpft Mabel in den Pelz eines Bibers und mischt sich unters Bibervolk, um es zum Widerstand gegen den Straßenbau zu mobilisieren. Die Wahl einer jungen Frau als Heldin von „Hoppers“ fühlte sich für ihn intuitiv richtig an, sagt Daniel Chong: „Ich habe das Gefühl, dass sich vor allem junge Frauen für die Umwelt einsetzen. Natürlich tun das auch Männer, aber die lauten Stimmen kommen von Frauen.“ Einmal im Körper des Bibers, freundet sich Mabel umgehend mit dem sanftmütigen George, dem König der Biber, an. Mit ihm gemeinsam trommelt sie die restlichen Tiere des Waldes zusammen: „Ursprünglich wollte ich eine noch größere Bandbreite an Tieren auftreten lassen“, seufzt der Regisseur, der seine Karriere als Entwickler der Animationsserie „We Bare Bears“ begann: „Aber letztlich mussten wir uns einschränken, weil die Geschichte sonst ausgeufert wäre.“ Trotzdem strotzt die Tierwelt in „Hoppers“ vor großer Vielfalt. Zu Chongs Favoriten zählen die Bären: „Bären tauchen in meiner Arbeit immer wieder auf. Ich finde, sie haben so etwas Lustiges an sich.“ Aggressive Enten Aber auch die Enten, die übrigens ausgesprochen aggressiv werden können, haben es ihm angetan: „Eine Gruppe kanadischer Gänse hat sich auf dem Gelände des Pixar-Studios angesiedelt“, erinnert sich Wong und lacht: „Die waren gemeingefährlich und haben einen richtig angefaucht. Es hat mir Spaß gemacht, mit der Entwicklung dieser Figuren zu spielen.“ Einfach war das keineswegs: „Man glaubt ja gar nicht, wie aufwendig es ist, so unterschiedliche Körperformen herzustellen: Manche Tiere gehen auf vier Beinen, manche auf zwei, manche haben gar keine Beine ... Und dann gibt es noch die menschlichen Figuren. Alle sind sehr speziell, und man kann nicht davon ausgehen, dass jeder weiß, wie man ein Stinktier oder einen Vogel animiert. Letztlich aber haben wir es dank talentierter Animatoren geschafft.“ Wie bei den Menschen, so finden sich auch im Reich der Tiere durchaus zwielichtige Charaktere. Und die Rache der Tiere kann ganz schön bedrohlich wirken: So hüpft ein weißer Hai mit gebleckten Zähnen die Küste entlang, während sich eine Reihe an Vögeln wie in Hitchcocks Horrorfilm „Die Vögel“ in Stellung bringt: „Es gibt ein ganzes Genre an ,Tiere attackieren Menschen‘-Filmen“, grinst Chong: „Einer davon hieß ,Die Frösche greifen an‘ oder so ähnlich. Aber der Klassiker im Tier-Horror sind natürlich ,Die Vögel‘.“ Im Rat der Tiere, der in „Hoppers“ hastig einberufen wird, um die Lage im Wald abzuschätzen, sitzen auch so manche mit zweifelhaften Absichten – die Insektenkönigin zum Beispiel. Aber es sei ihm nicht darum gegangen, eines der Tiere zum Bösewicht zu stempeln: „Der Rat der Tiere hat im Tierreich die meiste Macht. Und ich glaube nicht, dass jeder, der Macht hat, richtig damit umgeht. Diese Problematik beschäftigt mich schon länger, und das ist eine Reflexion darüber.“ Vertraute Tierwelt Und deswegen sei auch einer der Gründe, der seinen Film „Hoppers“ angetrieben habe, der Wunsch, eine Verbindung zwischen der menschlichen Welt und der Welt der Tiere herzustellen, so Daniel Chong: „Ein Teil des Witzes besteht darin, dass man in die Tierwelt eintaucht und diese einem sehr vertraut und unserer Welt sehr ähnlich erscheint. Hoffentlich hilft der Film dem Publikum dabei, ein bisschen mehr mit der Natur in Verbindung zu treten.“