Die Wiener 48er sind Kult – darüber gibt es wohl nicht einmal außerhalb Wiens Zweifel. Die knallorange Kluft, die grenzgenialen Werbesprüche, dazu das Image der stets hilfsbereiten, hart arbeitenden Mistkübler. Letzteres machte sich auch Stadtchef Michael Ludwig im Wahlkampf 2020 zunutze, als er sich in die orange Schale warf und eigenhändig einige Mistkübel entleerte. Das Internet johlte damals vor Begeisterung. Der Ausflug in die Niederungen der Magistratslandschaft darf als geglückter Polit-Marketinggag bezeichnet werden. Dieser Tage kam Ludwig wieder zu den 48ern, galt es doch zum 80. Geburtstag des so titulierten „Karottenballetts“ zu gratulieren. Unglaublich, aber wahr: Schon ein Viertel dieser Zeitspanne (seit 2004) ist Josef Thon am Ruder – und er wird es noch etwas länger sein. Denn obwohl der erste Mistkübler Wiens am 1. Mai 65 Jahre alt wird und somit das vorgeschriebene Pensionsalter erreicht, ist noch nicht Schluss. Nach längerem Schweigen zur Causa erklärte das Büro von Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky auf KURIER-Anfrage: „Zu Abteilungsleiter Josef Thon möchten wir Ihnen mitteilen, dass sein Dienstverhältnis bis 2028 verlängert wurde.“ Die Geheimniskrämerei hat wohl mit der Brisanz der Causa, die nicht ganz friktionsfrei über die Bühne ging, zu tun. Denn schon vor einem Jahr berichtete der KURIER über Thons Wunsch, länger als geplant zu bleiben. Sein intern kommuniziertes Argument soll gelautet haben: Wenn seine Ehefrau – SPÖ-Planungsstadträtin Ulli Sima – fünf weitere Jahre in der Stadtregierung anhängt, könne ja er nicht schon in Pension gehen... Dass ein derartiger Spruch in roten Feministinnenkreisen nicht sonderlich gut ankam, ist keine Überraschung. Die größere Hürde soll aber gewesen sein, Magistratsdirektor Dietmar Griebler von der Ausnahmeregelung zu überzeugen. Denn bisher galt: Ist mit 65 das gesetzliche Pensionsalter erreicht, sollte wirklich Schluss sein. Sollte. Denn die Dienstordnung von 1994 erlaubt bei „dienstlichem Interesse“ auch einen Verbleib bis sogar 70 Jahren. Und genau damit setzte sich Thon – wohl mithilfe Simas (die längstdienende Stadträtin/ebenfalls seit 2004) – durch. Ein Pro-Argument: Warum soll jemand, der voll fit und arbeitswillig ist, in Zeiten wie diesen in den Ruhestand gehen müssen? Das Gegenargument, das Kritiker ins Treffen führen, hätte aber auch dem Zeitgeist entsprochen: Warum macht Thon nicht den Weg frei für Jüngere – vielleicht für eine Frau, die in einer männerdominierten, Technik-affinen Magistratsabteilung für frischen Wind sorgt? Diese Entscheidung ist vertagt – um zumindest zwei Jahre. Vielleicht aber auch noch länger.