Austrias Sportvorstand Tomas Zorn: „Ich war positiv überrascht“

Seit knapp einem Monat ist der 39-jährige Tomas Zorn Sportvorstand der Austria . Im Vorfeld seiner Bestellung wurde viel im Hintergrund diskutiert, er kam ohne sein Zutun mitten in ein violettes Spannungsfeld. Nun soll er gemeinsam mit der Sportdirektion und dem Finanz-Vorstand die Zukunft gestalten. KURIER: Wie waren die ersten Wochen? Welche Eindrücke haben Sie gewonnen? Tomas Zorn: Für mich war nach all der Berichterstattung schwer absehbar, wie es werden könnte. Ich bin herzlich empfangen worden, habe nirgendwo Widerstand gespürt, habe mit den Mitarbeitern in den Abteilungen gesprochen. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass es hier im Alltag um Machtkämpfe geht, sondern dass zum Wohle der Austria gearbeitet wird. Ich war positiv überrascht. Wie teilen Sie die Arbeitsbereiche mit der Sportdirektion auf? Wir arbeiten eng zusammen. Ich möchte klare Zuständigkeitsbereiche schaffen, die arbeite ich aus. Es gibt ja viele Beschreibungen für Posten im Sportbereich, Sportvorstände, Sportgeschäftsführer, Sportdirektoren, Leiter Fußball, Technischer Direktor, wie auch immer. Es geht nicht um den Titel, sondern um die Umsetzung der Arbeit. Als Vorstand möchte ich die Bereiche definieren. Wichtig ist der gegenseitige Austausch. Manuel Takacs ist für die Akademie zuständig, Robert Urbanek für den Übergangsbereich von der Akademie zu den Young Violets bis zur Kampfmannschaft. Und Sportdirektor Michael Wagner? Es ist nicht unüblich, dass es einen Vorstand und einen Direktor im Sport gibt. Es gibt ja eine langfristige Sicht, das tägliche operative Geschäft und genug Aufgaben. Wer kümmert sich um die Kaderzusammenstellung? Der erste Schritt ist die Installierung einer funktionierenden Scoutingabteilung. Wir haben gute Mitarbeiter, die noch recht neu in dem Bereich sind. Wollen wir auf ein neues Level kommen, müssen wir die Scouts ausbilden. Daher wird jemand dazukommen, der eine Struktur vorgibt. Wir wollen zwei Leute holen, einen für das Datascouting und einen als Chefscout. Die Positionsprofile der Spieler, die wir holen wollen, richten sich nach der Art wie Austria Fußball spielen will. In der Hierarchie sind Sie die letzte Instanz? Sportlich natürlich, das gibt auch die Geschäftsordnung vor. Das bringt auch Verantwortung mit sich. Bevor eine Entscheidung getroffen wird, muss intern gesprochen und diskutiert werden. Ab wann darf Ihre Arbeit seriös beurteilt werden? Das obliegt Außenstehenden und dem Aufsichtsrat. Auf gewisse Dinge habe ich sofort Einfluss: auf das Arbeitsklima, die Kommunikation. Zwei bis drei Transfer-Perioden braucht es Zeit, um eine Handschrift erkennen zu können, um einen Kader zusammenzustellen. Dann wird es messbar sein. Wird der Vertrag von Trainer Stephan Helm verlängert? Wir sind im Arbeitsalltag in einem sehr guten Austausch. Was den Vertrag anbetrifft, möchte ich mich erst äußern, wenn ich mit Stephan alles besprochen habe. Spricht etwas gegen eine Verlängerung? Ich habe zuletzt schon gesagt, dass aktuell zumindest nichts dagegen spricht. Wie beurteilen Sie die Leistungen? Das Minimalziel Meistergruppe ist erreicht. Das ist natürlich sehr positiv. In der Liga kann alles passieren. Die Leistungen waren in Ordnung, die erste Halbzeit beim Altach-Spiel fand ich aber nicht gut. Müssen oder wollen Sie bei der Sportstrategie Adaptierungen vornehmen? Grundsätzlich geht es darum, die Worte mit Inhalten zu füllen, man muss es vom Papier auf den Platz bekommen. Das geht nicht von heute auf morgen, das ist eine kontinuierliche Linie. Wichtig ist für mich der Übergangsbereich vom Talent zum Profi. Ist der Einbau von Talenten auch eine Gratwanderung? Nicht wirklich. Teil der Strategie ist es, eine Kontinuität zu schaffen, damit wir keine Fahrstuhlspieler haben, die ohne Plan zwischen den Violets und der Kampfmannschaft wandern. Da braucht es ein Konzept und eine klare interne Kommunikation. Welche Spielergruppen sehen wir in der Kampfmannschaft, zu welchem Zyklus sind sie dabei und bekommen den Trainingsimpuls auf einem intensiveren Männerniveau, und wann bekommen sie die notwendige Spielpraxis? Das ist teilweise niedergeschrieben, muss aber auch mit Leben gefüllt werden. Dann wird es auch planbar. Wie viel Zeit bleibt Ihnen Wien zu erkunden? Mir bleibt kaum Zeit dafür, ich genieße Austria Wien in erster Linie. Immerhin habe ich schon eine Wohnung gefunden, zehn Minuten vom Stadion entfernt. Was ich von Wien gesehen habe, ist wunderschön. Können Sie eine Stadt genießen? Sie haben ja auch in Moskau gelebt. Dort haben wir in einer Fußballblase gelebt und nicht viel genossen – außer, wenn wir Siege gefeiert haben. Sind Sie stolz, in jungen Jahren so verantwortungsvolle Positionen gehabt zu haben? Stolz ist nicht das richtige Wort. Ich bin zufrieden mit meinem Karriereweg, weil ich Erfahrungen sammeln durfte. Je mehr man erlebt hat, desto mehr kann man mit schwierigen Situationen umgehen. In Moskau hatte ich jeweils einen Verein mit einem privaten Eigentümer und einen staatlichen Verein mit vielen Gremien rundherum, die mitreden wollten. Dann sind Sie ja bestens für die Austria gerüstet. Das war eine gute Schule, ich bin gewappnet.