Damals trugen alle eine. Als 1899 ein zweiwöchiger Streik auf die Kappe Hunderter „Zeitungsjungen“ ging. Sie protestierten gegen die Ausbeutung der Verleger Joseph Pulitzer und William Randolph Hearst und stoppten den Zeitungsverkauf, um bessere Arbeitsbedingungen zu erzielen. Die Schieberkappe galt auf den Straßen New Yorks als Sinnbild für Waisen und arme Männer, von denen viele schlecht bezahlt als Zeitungsausträger („Newsies“) arbeiteten. 1992 wurde die Geschichte „Die Zeitungsjungen“ mit Robert Duvall und Christian Bale als Disney-Musical verfilmt. Dabei traf ein Filmdetail den Modegeschmack der Zeit: die Schieberkappe, auch bekannt als Flatcap, Gatsby Cap oder Newsboy Cap, rückte in den Fokus und entwickelte sich seitdem stetig zur perfekten Alternative zu Fedora oder Baseballkappe. Etwas flacher im Schnitt als die ballonartige Kappe der Zeitungsjungen von 1899, ragt ein angenähter Schirm über die barettähnliche Schiebermütze, die sich zudem gut zusammenlegen und in der Sakkotasche verstauen lässt. Kappenpflicht in England Die klassische Mütze hat ihren Ursprung bereits im 14. Jahrhundert in England, wo die ersten Modelle der Tweedkappe auftauchten. Ihren Status als Kopfbedeckung der Arbeiterklasse verdankt sie einem Gesetz aus dem Jahr 1571, das von Queen Elizabeth I und dem Parlament erlassen wurde, um dem englischen Wollhandel auf die Sprünge zu helfen: Es verpflichtete Buben und Männer, außer Adelige und die Upper Class, an Sonn- und Feiertagen eine in England hergestellte Wollmütze zu tragen, um so die heimische Wollindustrie zu fördern. 1597 wurde der Erlass zwar wieder aufgehoben, aber die flachen Kappen waren bis in die späten 1920er-Jahre ein Sinnbild für Arbeiterkultur. Auch die Bauern Siziliens trugen eine sizilianische „Coppola“. Der deutsche Name „Schiebermütze“ entwickelte sich aus dem Berliner Slang der Weimarer Republik: Schieber war die Bezeichnung für Vorarbeiter, die diese Mütze in den Fabriken trugen. In den 1970er-Jahren kam die Kappe wegen der aufkommenden Baseballcaps aus der Mode: Baseballspiele, bei denen Fans die Kappe trugen und landwirtschaftliche Unternehmen, die vor allem in den USA die Caps mit dem Mesh-Rücken als Werbemittel einsetzten, machten die „Trucker Hats“ beliebter. Doch sie kam zurück. Nämlich als sich Brad Pitt in den Nullerjahren mit der „Flatcap“ einer Berliner Designerin zeigte. Ab den 2010er-Jahren folgte David Beckham dem Stil, postete Selfies mit der Newsies-Mütze auf Insta und codierte so das britische Heritage-Accessoire um. Aber wo findet man die ikonischen Kappen? Besonders in London gibt es viele Heritage-Hutmacher. Wie etwa Lock & Co. Hatters in der St. James’s Street, königlicher Hoflieferant und ältestes Hutgeschäft der Welt, wo es auch die originalen Newsboy-Caps gibt. Denn die „Zeitungsjungen-Kappe“ besteht aus acht zusammengenähten Teilen, die „Schieberkappe“ aus einem ganzen Stück Stoff. Es ist aber nur eine Frage des Geschmacks, welches Modell man wählt – beide schmeicheln dem Profil. So stylt man die Film-Ikone Wer nicht auf Brit-Chic setzen will, findet Schiebermützen auch in Sportbekleidungsgeschäften, vom Golf-Shop bis zum Jagdausstatter. Die Kopfbedeckung ist je nach Saison anders: im Winter aus Tweed, Filz, Leder oder Cord gefertigt, im Sommer aus kühlem Leinen, Baumwolle oder Stroh. Dolce Gabbana und Prada zeigen die flachen Kappen auch für den kommenden Herbst auf den Catwalks. Meist kombiniert mit locker geschnittenen Anzügen und Hosen, Hemden mit Resortkragen, gemusterten Sakkos oder leichten Trenchcoats. Dass der Hype um die Schiebermütze einen weiteren Auftrieb erleben wird, ist der Neuverfilmung von „Peaky Blinders“, ab 20. März weltweit auf Netflix, zu verdanken. In „Peaky Blinders: The Immortal Man“, spielt Cillian Murphy erneut die Hauptrolle des Tommy Shelby – gut behütet mit einer Schieberkappe, gedreht wurde unter anderem in Birmingham.