Martin Winkler ist seit rund einem Jahr Landesvorsitzender der SPÖ Oberösterreich. Zuvor war der 62-jährige Unternehmensberater und in seinen jungen Jahren Vorsitzender der Sozialistischen Jugend. KURIER: Sie sagen, Sie haben einen guten Lauf. Wo machen Sie den fest? Martin Winkler: Als politische Partei benötigt man ein politisches Programm. Wir haben mit dem Winkler-Plan eine sehr gute Grundlage. Der zweite Punkt ist die Motivierung und Mobilisierung der Leute. Die gelingt sehr gut. Ich habe in allen Wahlkreisen große Veranstaltungen gemacht, bei denen der Funke übergesprungen ist. Ist der Winkler-Plan nicht ein Jahr zu früh, die Landtagswahl ist erst im Herbst 2027? Nein. Wir haben als SPÖ das Thema, dass man uns inhaltlich wahrnehmen muss. Das ist für Regierungsparteien wie die ÖVP und die FPÖ nicht so wichtig, aber für uns schon. Der Proporz ist durch die Hintertür abgeschafft, Schwarz-Blau verwaltet 95 Prozent des Landesbudgets und der Agenden, den Rest haben der Grüne und ich. Wir werden nächstes Jahr nachlegen, weil sich sehr viele Expertinnen und Experten melden. Im Gesundheitsbereich, im Wohnbereich, im Energiebereich. Denen gefällt, mit welchen Themen ich unterwegs bin. Wir werden ein sehr konkretes Programm für das Gesundheitswesen bringen, sehr konkrete Vorschläge für den Wohnbau, für die Migration etc. Sie betreiben eine profilierte Oppositionspolitik, die sich aber in den Umfragen noch nicht in Zuwächsen niederschlägt. Ist das nicht frustrierend? Nein, überhaupt nicht. Wenn man wie ich nach 35 Jahren nach Oberösterreich zurückkommt, dann braucht man einen langen Atem. Man muss mindestens ein Jahr lang aktiv sein, damit man etwas spürt. Für mich sind jetzt die Bekanntheitswerte am wichtigsten. Hier liege ich schon vor Christian Dörfel, der schon lange in der Landespolitik ist. Damit bin ich recht zufrieden. Wenn sich in den Umfragen für die SPÖ drei Monate vor der Wahl etwas bewegt, bin ich sehr glücklich. Ich bin hier total entspannt. Ich habe ein gutes Gefühl, wir kommen in Schwung. Die einen Wähler entscheiden sich früher, die anderen später. Es spielt sehr viel eine Rolle. Es gibt internationale und nationale Entwicklungen. Es wird spannend sein, was sich in den USA noch tut, in Europa, was wird mit den Kriegen sein. Das hat alles Auswirkungen auf die Stimmungslage. Ist nicht die Performance der Bundesregierung ein Problem? Haben Sie hier nicht Gegenwind? Null. Aber Rückenwind haben Sie auch keinen. Rückenwind habe ich keinen. Das Wichtigste ist, dass die Streitereien aufhören. Die Diskussionen um Parteiobmann Babler. Ja. Wir sind in der Bundesregierung, wir haben Verantwortung übernommen. Das Letzte, was die Menschen wollen, dass es in der SPÖ eine Personaldiskussion gibt. Die braucht keiner. Die Sozialdemokratie wird sich ansehen, wie sich die Dinge entwickeln. Die nächsten Wahlen sind 2029. Jetzt muss man einmal liefern. Und liefern tut man nicht, indem man Personaldiskussionen anzettelt. Jeder, der das macht, schadet sich selbst. Ich arbeite für meinen Erfolg, jeden Tag. Ich bin unterwegs, rede mit meinen Leuten, mache meine Haus- und Betriebsbesuche. Ich schaue, dass ich in der SPÖ Oberösterreich eine gute Stimmung entwickle. Das zählt für mich. Nicht alle Landesgruppen sind zum Parteiobmann so loyal wie Sie, siehe Burgenland und Steiermark. Ich habe denen schon gesagt, was ich davon halte. Nichts? So ist es. Ich habe ihnen gesagt, ihr schadet euch selbst damit. Ich bin recht zuversichtlich, dass das Burgenland und die Steiermark gut im Parteipräsidium mitarbeiten werden. Sie streben nach der Landtagswahl eine Koalition mit der ÖVP an. Gibt es von der Volkspartei eine Annäherung? Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es gibt eine große Annäherung. Die ÖVP setzt auf ihren starken Apparat. Sie ist die Bürgermeisterpartei, sie traut es sich zu, in der Fläche zu mobilisieren. Ihr Kalkül ist es, sich im Wahlkampf noch einmal knapp vor die FPÖ zu schieben. Sie glauben, mit der FPÖ den billigeren Regierungspartner gefunden zu haben. Bei dieser Einschätzung gibt es aber zwei Probleme. Zum einen liegt die FPÖ sehr weit vorne, zum anderen wird die FPÖ viel mehr Macht und Einfluss verlangen, wenn sie deutlich stärker wird. Insofern wäre die ÖVP sehr gut beraten, mit uns zu reden. Meine Hand ist ausgestreckt. Ich helfe der ÖVP bei den Energiethemen, sie muss nur mit uns reden. Landeshauptmann Thomas Stelzer hat nun Ihre Landesgeschäftsführerin Nicole Trudenberger als Aufsichtsrätin der Hypo-Bank abgelehnt, mit der Begründung, sie sei Parteisekretärin. Er hat sie medial abgelehnt. Ich habe ihm gesagt, dass sie top-qualifiziert ist. Ich habe auch mit der Raiffeisenlandesbank als Minderheitsaktionär der Hypo gesprochen. Sie sieht die Berufung Trudenbergers wohlwollend. Ich habe den Landeshauptmann daran erinnert, dass er als ÖVP-Landesparteisekretär ebenfalls im Aufsichtsrat einer Landesgesellschaft gesessen ist. Auch Michael Strugl war als Landesparteisekretär im Aufsichtsrat der Energie AG. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Das ist für mich völlig inakzeptabel. Die ÖVP muss sich überlegen, wie sie mit uns umgeht. Sie beharren auf Trudenberger? Ich habe eine Top-Frau vorgeschlagen. Wenn Qualifikation nicht zählt, dann habe ich ein großes Problem. Wenn man eine junge Frau verhindert, wünsche ich dem Landeshauptmann viel Vergnügen. Und wenn es ein Ausschlussgrund für politische oder wirtschaftliche Funktionen ist, dass jemand Sozialdemokrat ist, dann haben wir ein wirkliches Problem miteinander. In einer Demokratie kann die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei der Mitte nicht ein Problem sein. Meine Hand zur ÖVP bleibt aber ausgestreckt, um die großen Probleme, zu lösen. Wie sehen Ihre weiteren Pläne für die kommenden Monate aus? Wir werden die Themen des Winkler-Plans weiter bespielen. Wir werden den Menschen erklären, warum wir die Hybrid-Kraftwerke von Sonnen- und Windenergie benötigen. Die Menschen verstehen, dass die, die uns Gas und Öl verkaufen, uns gerne erpressen. Ob das die Russen, die Kataris oder die Amerikaner sind. Energieunabhängigkeit ist ein großer Wert. Wir müssen hier schneller werden. Beim Wohnbau möchte ich, dass das Geld der Bundeswohnbaumilliarde hier in Oberösterreich verbaut wird. Im zweiten Halbjahr werden wir uns dem Gesundheitsthema widmen. Die 500 Millionen Überschuss der ehemaligen Gebietskrankenkasse sind durch die Fusion zur Gesundheitskasse weg. Bis 2030 wird es 50 zusätzliche Kassenarztstellen geben, sie sind aber deutlich zu wenig. Ich habe 150 gefordert, in Relation zu den 215, die Wien bekommen wird. Wir werden den politischen Scheinwerferkegel darauf richten. Wir werden Stelzer und Haimbuchner fragen, wo die 500 Millionen sind. Und wir werden auch Herrn Bernhard Wurzer (Generalsekretär der ÖGK) fragen, wo sind die 500 Millionen? Und wo sind unsere praktischen Ärzte und unsere Fachärzte? Wenn wir die 150 Stellen nicht bekommen, werde ich im Herbst eine Kampagne und ein Volksbegehren starten, dass wir unsere Gebietskrankenkasse wieder zurückwollen. Die hat gut funktioniert, sie hat Überschüsse erzielt und wir haben eine gute Versorgung gehabt. Jetzt haben wir weniger Ärzte, wir haben lange Wartezeiten und überall Probleme. Da wird der schwarz-blauen Landesregierung nicht viel einfallen. Ich freue mich schon auf den Herbst. Welche Bereiche werden Sie thematisieren? Ich werde mich im Herbst auch an alle Bürgermeister wenden. Denn ÖVP und FPÖ bieten ihnen keine ausreichenden finanzielle Mittel, sie knebeln die Gemeinden. Mit mir gibt es ein anderes Programm. 220 Millionen mehr für die Kommunen, dann muss keine Gemeinde mehr in den Härteausgleich. Dieses Geld wird dann in der Region investiert. Das erkläre ich den Selbstständigen und den Arbeitnehmern bei den Betriebsbesuchen vor Ort. Ich werde mit allen Bürgermeistern darüber reden, unabhängig davon, ob es schwarze, rote, blaue, grüne oder Bürgerlisten-Bürgermeister sind.