Villa Beer: Ein Blick in das moderne Wien von 1929

Von außen wirkt sie fast unscheinbar, die Villa Beer in Hietzing. Es ist ein eckiges, weißes Haus, nur ein ungewöhnliches rundes Fenster – fast wie ein Bullauge – an der Vorderseite ist ein kleiner Vorbote darauf, dass sich im Inneren mehr versteckt als ein gewöhnliches Wohnhaus. Das Gebäude in der Wenzgasse 12 öffnet heute, Sonntag, erstmals für Besucherinnen und Besucher, die Freikarten für den Eröffnungstag waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft – Interessenten für Führungen oder Besichtigungen werden aber auf www.villabeer.wien fündig. Die Villa Beer wurde 1929 von Josef Frank und Oskar Wlach für die Familie Beer entworfen und ist ab heute ein Architekturmuseum, ein Stück Zeitgeschichte und ein Gästehaus zugleich. Villa zum Verkauf Im positiven Sinne Schuld daran ist Lothar Trierenberg , der gemeinsam mit Katharina Egghart die Geschäftsführung der Villa Beer Foundation bildet. Durch Zufall habe er die Villa Beer entdeckt, wie er erzählt. Im Gebäude seines vor wenigen Jahren neu bezogenen Büros auf der Wieden habe er eine Gedenktafel von Josef Frank entdeckt, zu recherchieren begonnen und sei im Zuge dessen draufgekommen, dass das Gebäude in Hietzing zum Verkauf stand. Selbst darin zu wohnen würde ohne Personal gar nicht gehen, sagt Trierenberg. „Da bräuchte man selbst Angestellte, um auf den 800 Quadratmetern das Handy wiederzufinden, wenn man es mal verlegt hat.“ Tatsächlich ist es im Haus sehr weitläufig – große Räume, große Fenster, Wendeltreppen, die zu verschiedenen Zimmern und Stockwerken führen. Der Kauf des Hauses kostete fünf Millionen Euro , auch für die Sanierung griff Trierenberg tief in die eigene Tasche. „Andere fahren dafür teure Autos“, so Trierenberg. „Mein Sohn sagt immer, der Papa hat keinen Porsche, dafür die Villa Beer.“ Die Stadt Wien hat dank des Altstadterhaltungsfonds 500.000 Euro zugeschossen und stellt für den Betrieb weitere 200.000 Euro zur Verfügung, das Bundesdenkmalamt hat rund 200.000 Euro beigesteuert. In jedem Raum gibt es spannende Details zu entdecken. Lichtschalter, Gummiböden, Heizungsventile – teilweise im Original erhalten, teilweise von Profis saniert, teilweise dank 3D-Drucker wiederhergestellt. Alles, was man sieht, darf man anfassen, viele Räume sind nicht vollmöbliert. „Die Besucher sollen überlegen können, was sie mit den Räumen machen würden.“ "Ein bleibendes Kunstwerk" Ein besonderes Highlight wartet ganz oben: Es gibt Zimmer, die man mieten kann, um dort zu übernachten. Dort zückt sogar Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der mit Tourismusdirektor Norbert Kettner der Villa einen Vorab-Besuch abgestattet hat, sein Handy, um später Interessierten Fotos zeigen zu können. Generell ist der studierte Historiker und ehemalige Wohnbaustadtrat beim Besuch in seinem Element und fachsimpelt bei der Führung über die damalige Epoche. In der Villa Beer kann man – insbesondere, wenn man eine Führung macht – viel über das jüdische Leben in den 1930er-Jahren erfahren – auch mit all den dunklen Schattenseiten. Ein Großteil der Familie Beer konnte in die USA flüchten. Der leicht gehbehinderten Tochter Elisabeth wurde aber das Visum verweigert. Sie wurde im Mai 1942 von Wien nach Minsk deportiert und in Maly Trostinez ermordet. Auch ihr ehemaliges Zimmer kann man besichtigen. Die Villa Beer sei ein „bleibendes Kunstwerk“, sagt Ludwig. Es zu besuchen, lohnt sich.