Sehr geehrtes Kulturamt! Können Sie eigentlich nur nörgeln? Sie nörgeln über die Vereinigten Bühnen. Sie nörgeln über das Kuratorium der Salzburger Festspiele. Sie nörgeln über Gott und die Welt, nichts passt Ihnen. Dabei ist die politische Lage ein Desaster, sodass man sich nach guten Nachrichten sehnt. Zumindest die Kunst muss doch ein Hort des Schönen sein. Daher mein Antrag an Sie: Das Kulturamt möge sich nur mit erfreulichen Themen beschäftigen, zumindest bis der Krieg im Nahen Osten vorbei ist. Mit freundlichen Grüßen, M. S. *** Sehr geehrte M. S., seien Sie bedankt für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 08/2026). Wir müssen Sie allerdings enttäuschen und auch dieses Ansinnen, mit dem „Abgelehnt“-Stempel versehen, zu den Akten legen. Kunst und Kultur brauchen kritische Auseinandersetzung und gestrenge Beobachtung. Mit Wegschauen und Abnicken von Fehlentwicklungen oder qualitativen Verirrungen wäre sofort ein Relevanzverlust des gesamten Genres verbunden. „Was sich liebt, das neckt sich“, lautet ein Älteren noch bekannter Spruch. Das gilt auch für die Kunst und ihre Konsumenten. Dennoch können wir Ihr Begehr, werte M. S., gut nachvollziehen und wollen ihm dahingehend entgegenkommen, als wir uns entschieden haben, diesen amtlichen Spruch einer Empfehlung zu widmen, wie sie positiver nicht ausfallen könnte, und zwar für einen Film. Wenn Sie dieses Schreiben zugestellt bekommen, ist gerade noch eine Woche Zeit, bis in Los Angeles die Oscars vergeben werden. Nominiert ist eine Literaturverfilmung namens „Hamnet“, inszeniert von Chloé Zhao, einer chinesischen Regisseurin. Bei diesem Titel handelt es sich um keinen Schreibfehler, er hat aber durchaus mit Shakespeare zu tun. Hamnet war der Sohn von William und seiner Frau Anne Hathaway. Der Film erzählt die komplexe Liebesgeschichte im Hause Shakespeare, vom Tod des Sohnes – und von der Entstehung eines der größten Werke der Theaterliteratur, also „Hamlet“. So etwas Berührendes, Trauriges und gleichermaßen Schönes hat man, darüber sind sich die Mitarbeiter des Kulturamtes einig, im Kino lange nicht gesehen. Vielleicht handelt es sich überhaupt um die beste Verfilmung eines Shakespeare-Lebensabschnittes, die es je gab. „Hamnet“ hätte jeden Oscar, für den er nominiert ist, verdient. Eine Wette geht das Kulturamt aber ein: Die Hauptdarstellerin Jessie Buckley gewinnt. Wetteinsatz: Falls nicht, schreiben wir an dieser Stelle bald wieder etwas Positives.