Baukosten senken: Projektentwickler setzen auf die modulare Vorfertigung

Viele Jahre lang war die Bauwirtschaft der Motor der Wirtschaft. Niedrige Zinsen, hohe Auslastung und solide Einnahmen sorgten für hohe Fertigstellungszahlen. Seit einiger Zeit jedoch ist Sand im Getriebe. Die hohen Baukosten machen den Betrieben zu schaffen, neben dem Auftragsrückgang blieb die Finanzierung von Neubauten eine echte Hürde. Die VÖPE , der Verband österreichischer Projektentwickler, hat sich aus diesem Grund angeschaut, welche Maßnahmen es braucht, damit die Bau- und Immobilienwirtschaft mit den neuen Rahmenbedingungen besser zurechtkommt. Im Rahmen von Ausschüssen haben die Projektentwickler an praxisorientierten Lösungen gearbeitet. „In den fünf Ausschüssen sitzen die besten Köpfe der Branche“, sagt VÖPE-Präsident Andreas Köttl , der die Ergebnisse präsentierte. Ein Lösungsweg für die Branche liegt laut den Experten in einer verstärkten Vorfertigung, das sei ein weltweiter Trend . „Das ist ein klarer Pfad in die Zukunft“, betont Roman Fritz-Salomon , Mitglied im Ausschuss Bauen. Höherer Vorfertigungsgrad Es gehe um einen wesentlich höheren Vorfertigungsgrad, bis zu 85 Prozent seien möglich. Fritz-Salomon nennt Holzbauteile aber auch ganze Raumzellen , die bereits in der Fabrik fertig ausgestattet sind. So könne eine neue Produktion auf die Beine gestellt werden. Die Vorteile : Die Produktion ist wesentlich leichter mit Automatisierung zu bespielen als ständig wechselnde Baustellen. „Fertige Bauteile werden schnell mit minimalen Emissionen auf dem Baufeld zusammengebaut. Wichtig dabei ist, dass weiterhin eine flexible Architektur möglich bleibt. Das heißt, wir reden nicht von einer Serienfertigung “, so Roman Fritz-Salomon. Angewendet werden könne die Vorfertigung nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Aufstockungen und Adaptierungen. Fortgeschrittene Technologien ermöglichen es, nicht nur schnell und kostengünstig zu bauen, sondern oft auch umweltfreundlicher als herkömmliches Bauen mit Mauerwerk. Lösungen, die von der VÖPE erarbeitet werden, würden laut Köttl auch an politische Entscheidungsträger herangetragen. Ein Beispiel ist die Ankündigung der Regierung, UVP-Verfahren zu vereinfachen. Nachhaltigkeit im Fokus Auch mit dem Thema Bodenversiegelung , dem behutsamen Umgang mit der Ressource Boden bei gleichzeitig großem Bedarf an neuem Wohnraum , setzt sich ein Ausschuss auseinander. Das Ergebnis zeigt laut Sabine Müller , dass der größte Hebel zur Schaffung von Wohnraum ohne Neuversiegelung im Bestand liegt. Zudem in der Nachverdichtung, Sanierung und der Nutzung von leer stehenden Immobilien.