Vea Kaisers "Fabelhafte Welt": Die Bestmöglichen Skieltern

Ein wenig nervös machte mich der erste richtige Skiurlaub mit meiner kleinen Familie schon, denn meine eigenen Kindheitserinnerungen an Familienskiurlaube sind nicht die besten. Meine Eltern sind leidenschaftliche Skifahrer und wollten trotz Kindern auf ihre Kosten kommen, weshalb ich stets am ersten Tag in die Skischule gesteckt wurde. Sie wussten fortan immer, wo ich war: Ich brüllte jede Abfahrt hinunter. Schließlich nahm mein Vater mich selbst unter seine Fittiche. Leider war er ein überzeugter Vertreter der "Was dich nicht umbringt…"-Pädagogik . Schwimmen lernte ich, indem er mich ins Wasser warf und rief: "Wie macht der Frosch?" Bergauf anfahren verinnerlichte ich, da er mich regelmäßig auf der Hangstraße nachhause anhalten ließ, die Handbremse anzog und ausstieg: "Wir sehen uns zu Hause." Beim Skifahren wartete er am Ende der Piste. "Schön Bogerl machen!", schrie er, während er davonfuhr und mich oben stehen ließ. Heute bin ich ihm dankbar. Ich fahre sicher Auto, schwimme gut und stehe stabil auf Skiern. Geblieben ist nur die Angst, meine Söhne könnten auf dem Weg zum Glück leiden. Ich nahm mir vor, stets sanfter zu sein. Nachdem wir aus dem Lift ausgestiegen waren, beugte ich mich zu meinem Sohn. "Du musst das nicht machen, wenn du nicht magst." Er sah mich irritiert an. "Mama", sagte er verständnislos, "geh aus der Bahn." Dann stieß er sich ab und fuhr los. Kurve um Kurve, souverän, genussvoll und angstfrei. "Schön Bogerl machen!", rief ich ihm nach. "Weiß ich!", gab er zurück. Da begriff ich: Ich musste keine bessere Skimutter sein als mein Vater. Es reichte, meinem Sohn nicht im Weg zu stehen. Manche Kinder brauchen Eltern, die sie auffangen. Meines brauchte jemanden, der es losfahren lässt.