"Die größte Herausforderung ist die finanzielle Verantwortung, also die Rechnungen, die ich bezahlen muss" , sagt Jasmin N. (Name von der Redaktion geändert) . Seit zwei Jahren ist sie alleinerziehend . Ihr Ex-Mann lebt im Ausland, der Kontakt zum Vater des Kindes ist sporadisch. Sie muss alleine die Miete bezahlen und für Strom und Heizung aufkommen, um es im Winter warm zu haben. Diese Kosten fressen den größten Teil ihrer Einnahmen auf. Als ihr Sohn ein Jahr alt wurde, kam er in den Kindergarten und Jasmin N. kehrte an ihren Arbeitsplatz zurück , wo sie wieder Vollzeit zu arbeiten anfing , um die Kosten zu stemmen . Etwa zwölf Monate lang brachte sie das Kind in der Früh in den Kindergarten, holte es nachmittags ab, arbeitete dazwischen, schmiss den Haushalt und verarbeitete die Trennung von ihrem Partner . Dann kam der Zusammenbruch. "Ich habe ein Burnout bekommen. Da habe ich gemerkt: So geht es nicht weiter. Ich kann nicht überall mithalten." Ein Kind alleine aufziehen: Das Dorf fehlt Mit dem Burnout kam auch der Jobverlust. Derzeit ist sie auf Arbeitssuche , das Arbeitslosengeld ist weitaus niedriger als ihr früheres Gehalt, was den finanziellen Druck nochmals erhöht . Ihre frühere Arbeit als Redakteurin erfüllte sie. Dort bekam sie Anerkennung – etwas, das ihr im Alltag als Alleinerziehende fehle. Doch es ist nicht nur die Anerkennung, die ihr abgeht. Das sprichwörtliche Dorf , das es bräuchte, um ihren Sohn großzuziehen, gibt es für sie nicht. Die Mutter von Jasmin N. ist vor einigen Jahren verstorben, der Vater kann nur selten bei der Betreuung helfen . Ohne stabiles soziales Netz wird der berufliche Wiedereinstieg zur Hürde. "Wenn das Kind krank ist und man im Job ausfallen muss, gibt es oft kaum Verständnis", erzählt sie. In ihrem letzten Job habe sie wenig Rücksicht erlebt. Im Gegenteil: sie spürte den Druck, zu leisten, um nicht ersetzt zu werden. 164.000 Ein-Eltern-Familien in Österreich Wer in Österreich als alleinerziehend gilt, ist steuerrechtlich klar definiert – und zwar, wer mit mindestens einem minderjährigen oder unterhaltsberechtigten Kind im gemeinsamen Haushalt lebt. An diesen Status sind steuerliche Leistungen wie der Alleinerzieherabsetzbetrag sowie Regelungen zum Familienbonus Plus und zur Familienbeihilfe geknüpft, sagt Doris Pettighofer , Geschäftsführerin der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende (ÖPA). Nach dieser Definition gibt es in Österreich rund 164.000 Ein-Eltern-Familien mit Kindern unter 25 Jahren. In etwa 141.000 dieser Haushalte leben alleinerziehende Mütter (laut Statistik Austria, Stand 2024) . Nach der Definition der Kernfamilie (Eltern mit Kindern im selben Haushalt) liegt die Zahl deutlich höher – bei rund 300.000 Alleinerziehenden . Davon sind etwa 250.000 Frauen . "Wenn eine 60-jährige Frau ihren 80-jährigen Vater pflegt, dann ist schon die männliche Alleinerzieherfamilie abgebildet", sagt Pettighofer. Die größte Herausforderung für Alleinerziehende sieht auch sie im Finanziellen. "Rüttelplatte für die Familien" Rund 14 Prozent der Menschen in Österreich gelten als armutsgefährdet . Deutlich höher ist die Zahl bei Alleinerziehenden mit 36 Prozent und ähnlich hoch bei Paarfamilien mit drei oder mehr Kindern (28 Prozent). Ein-Eltern-Haushalte haben im Durchschnitt etwa 25.305 Euro pro Jahr zur Verfügung, die Hälfte von ihnen verfügt sogar über weniger als 22.402 Euro jährlich, wie aus einem Bericht des Momentum Instituts hervorgeht. Ohne Sozialleistungen läge die Armutsgefährdungsquote deutlich höher, nämlich bei 60 Prozent. "Der Sozialleistungsanteil ist bei den Alleinerzieherinnen wesentlich höher. Wir haben meistens eine Unterhaltssäule dabei und ein geringes Einkommen", sagt Pettighofer. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Entscheidung der Bundesregierung zusätzliche Brisanz: In den kommenden zwei Jahren werden Familienbeihilfe und Kinderbetreuungsgeld nicht an die Teuerungsrate angepasst, wie Familienministerin Claudia Bauer im Mai 2025 ankündigte . "Einmal kommt etwas an Geld dazu, dann kommt wieder etwas weg. Es ist wie eine Rüttelplatte für die Familien", so die Expertin. In letzter Zeit gingen bei der ÖPA viele Anrufe von Frauen ein, die schilderten, dass sie mit ihrer finanziellen Situation nicht zurechtkämen. Leben von Mindestsicherung Auch Sylvia R. (Name von der Redaktion geändert) , alleinerziehende Mutter von drei Kindern im Alter von elf, fünf und drei Jahren, kämpft mit ihrer finanziellen Notlage. R. wollte eigentlich nach der Eingewöhnung ihres jüngsten Kindes beruflich wieder durchstarten. Im September 2025 wurde jedoch frühkindlicher Autismus bei ihrem jüngsten Kind diagnostiziert. "Meine Tochter geht drei Mal in der Woche für drei Stunden in den Kindergarten, nur bis 12 Uhr. Länger nehmen sie sie nicht", sagt sie. Dies sei "zum Wohl des Kindes", weil ihre Tochter dort nichts essen würde, wurde ihr dort vermittelt. Ihre Jüngste sei noch nicht windelfrei und müsse gefüttert werden. An den anderen beiden Tagen in der Woche geht Sylvia R. gemeinsam mit ihrer Tochter zur Therapie , die sie derzeit aus eigener Tasche finanziert . Und das ist momentan ihre größte Sorge. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich ihr jetzt in den nächsten Monaten die Therapie bezahlen soll", erzählt Sylvia R. Bei der Autistenhilfe Wien steht sie auf der Warteliste – die Wartezeit beträgt allerdings bis zu zwei Jahre. Von anderen Institutionen wie dem Roten Kreuz oder CAPE 10, bei denen sie um finanzielle Unterstützung angesucht hat, wurde sie abgelehnt. "Irgendwann geht einem die Kraft aus" Derzeit besteht Sylvia R.s Haushaltseinkommen aus 1.300 Euro Mindestsicherung und der Unterhaltszahlung für ihre drei Kinder. Ab März wird ihr die Mindestsicherung um 200 Euro gekürzt. "Ich befinde mich in einer Scheiß-Situation, in der mir nicht geholfen wird und ich nicht verstanden werde", erzählt die dreifache Mutter, die derzeit beim AMS gemeldet ist. Sylvia R. ist gelernte Bürokauffrau und war vor ihrer Karenz in der Buchhaltung tätig. "Ich bleibe nicht zu Hause, weil ich nicht arbeiten gehen will. Ich kann momentan nicht arbeiten, weil ich ein Kind zu Hause habe, das besondere Bedürfnisse hat." Eine Beschäftigung zu finden, während ihre Kind im Kindergarten ist, sei schwierig. "Wer stellt mich für drei Stunden, dreimal in der Woche, ein? Da komme ich nicht einmal über die Geringfügigkeitsgrenze." Auf Ausnahmesituationen wie ihre nehme der Staat kaum Rücksicht. Auch Doris Pettighofer sieht hier Aufholbedarf. Beim Einkommen werfe man meistens alle Familien in einen Topf, bei Paarfamilien sei das oft einfacher. Dort gebe es ein Erwerbseinkommen, eine Familienbeihilfe und vielleicht noch etwas Steuerliches dazu. Ändere sich etwas bei den Sozialleistungen, änderten sich auch die Bedingungen für alle anderen Leistungen. "Das zu bewerkstelligen in Zeiten von Inflation ist eine Herausforderung. Irgendwann geht einem die Kraft aus, wenn man permanent damit beschäftigt ist, die Finanzen abzusichern", sagt Pettighofer. "Überforderung, die nie aufhört" Neben den finanziellen Sorgen schwingen auch Kinderbetreuung, Haushalt, Amtswege, Arztbesuche, Bewerbungsgespräche mit – sprich viel Mental Load, den man rund um die Uhr mit sich trägt. Einen Pausenknopf zu drücken, sprich das Kind dem Partner zu übergeben, geht nicht. Ihren Zustand beschreibt Jasmin N. als "eine Überforderung, die nicht aufhört" – verbunden mit dem permanenten Druck , alles schaffen zu müssen. Aufgrund dieser Überlastung könne sie es sich nicht leisten, sie selbst zu sein. Sie kann sich generell kaum etwas leisten, was die Belastung erhöhen könnte. Sie hat nicht nur Angst davor, irgendwann eine Erkrankung zu erleiden, sondern auch vor einem finanziellen Burnout. Und das in einem der reichsten Länder Europas.