Bei den Kommunalwahlen in Frankreich haben sich am Sonntag mehrere Siege der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN) abgezeichnet. Hochrechnungen zufolge liegt in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon die RN-Abgeordnete Laure Lavalette mit 39,4 Prozent der Stimmen vorn, etwa neun Punkte mehr als die unabhängige Amtsinhaberin Josée Massi. Falls sich das Ergebnis bestätigt, wäre es ein wichtiger Sieg für den RN, der 1995 in Toulon bereits einmal den Bürgermeister stellte. Zudem wurde der RN-Bürgermeister von Perpignan, Louis Aliot, Hochrechnungen zufolge bereits in der ersten Runde mit absoluter Mehrheit im Amt bestätigt. Perpignan war zuletzt die größte Stadt mit einem RN-Bürgermeister. Niedrige Beteiligung Bis 17.00 Uhr hatten nach Angaben des Innenministeriums nur 48,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das waren zwar zehn Prozentpunkte mehr als beim bisher letzten Urnengang 2020, der inmitten der Covid-19-Pandemie stattfand und von einer historisch hohen Wahlbeteiligung geprägt war. Im Vergleich zum letzten regulären Urnengang 2014 lag die Beteiligung am Sonntag bis 17.00 Uhr um fast sechs Prozentpunkte niedriger. Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte gaben ihre Stimmen im nordfranzösischen Küstenort Le Touquet-Paris-Plage ab. Ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl gilt die Abstimmung auch als letzter großer Stimmungstest. Wo keine absolute Mehrheit erreicht wird, gibt es am 22. März einen zweiten Wahlgang. Bei den letzten Kommunalwahlen 2020 hatten vor allem Frankreichs Grüne punkten können. Sie fürchten nach dieser grünen Welle nun eine Schlappe. Großstadtrathäuser umkämpft Besonders von den Parteien umkämpft sind die Rathäuser der Großstädte. In Paris etwa ist die Frage, ob nach zwölfjähriger Führung der Sozialisten die Konservativen die Nachfolge der scheidenden Bürgermeisterin Anne Hidalgo antreten. In Frankreichs zweitgrößter Stadt Marseille sind ebenfalls die Sozialisten am Ruder – bei der Wahl konkurrieren sie mit Linkspartei und rechtem RN. Bei den Listenwahlen sind die Parteien verpflichtet, gleich viele Männer und Frauen in abwechselnder Reihenfolge als Kandidaten aufzustellen. Neben den im Land wohnenden Französinnen und Franzosen sind auch Einwohner aus EU-Staaten zur Teilnahme an den Kommunalwahlen berechtigt.